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Foto-Spiele

Mit Schülern fotografierend das Umfeld entdecken

Ob mit Fotoapparat, Smartphone oder Tablet — wenn Schüler durch Foto-Spiele fotografierend ihre Wahrnehmung und darüber ihren Blick auf das Wesentliche schulen, lernen sie dabei letztendlich auch, sich auf Lerninhalte zu fokussieren.

Foto-Spiele: Mit Schülern fotografierend das Umfeld entdecken Das Fotografieren trainiert die Sehgewohnheiten der Schüler © Dmitrii Kirichai - stock.adobe.com

„Wo hast du das gefunden, das habe ich gar nicht gesehen“, fragt ein Schüler interessiert nach, als die Klasse nach einem Besuch im Schulgarten die Ergebnisse der Foto-Safari ansieht. In einer Fülle an Eindrücken fällt es Schülern manchmal schwer, sich auf Details und Besonderheiten zu konzentrieren. Sie nehmen die Dinge dann im Einzelnen nicht wahr, sehen buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Im konkreten Fall des Gartenbesuchs kann es darum zu Misserfolgen kommen, wenn die vermeintlich einfache Aufgabe lautet, beispielsweise verschiedene Blüten und Blätter zu sammeln. Davon gibt es ein solches Überangebot im Umfeld Schulgarten, dass mancher Schüler überfordert aufgibt — für Lehrer oft eine überraschende Erfahrung.

Hier kann es hilfreich sein, die Wahrnehmungseindrücke durch die Auswahl der passenden Methode zu lenken. Becherlupe, Camera obskura oder Beobachtungsrahmen stellen gängige methodische Zugänge dar, die den meisten Schülern aus dem Sachunterricht auch bekannt sein dürften. Eine moderne Art der methodischen Weiterführung ist das Fotografieren mit einer richtigen Kamera.

Fotografieren trainiert das Sehen und Wahrnehmen

Im Sinne eines spiraligen Aufbaus von Methodenkompetenz kann das Fotografieren zunächst als Projekt eingeführt werden. Die Schüler machen sich mit der Kamera vertraut und finden über einfache und spielerische Formen zur Sicherheit im Umgang mit dem technischen Gerät. Egal ob mit Handy, Tablet oder Digitalkamera — die Schüler können damit auch das bewusste Sehen und Wahrnehmen trainieren. Bei Unterrichtsgängen und Ausflügen ist die Kamera dann immer mit dabei. Foto-Spiele bringen Abwechslung in die methodische Gestaltung der Aufgaben. Die Inhalte dazu sind relativ frei wählbar und gliedern sich an das jeweilige Unterrichtsthema an.

Foto-Rätsel: Bei dieser Spielform wird der Blick für Details und Einzelheiten geschult. Die Schüler überlegen sich ein Bilderrätsel, zum Beispiel die Schnürsenkel als Nahaufnahme vom Schuh der Klassenfreundin, von oben fotografiert. Der Effekt: Bekanntes sieht aus einer ungewohnten Perspektive fremd aus und wird nicht auf den ersten Blick wiedererkannt. Die Schüler üben, die Dinge wiederzufinden und selbst solche Rätselfotos herzustellen. Dabei kann man nach und nach auch exotischere Details suchen, die wesentlich schwieriger zu finden sind. Diese besondere Herausforderung weckt den Ehrgeiz der meisten Schüler, die besten Suchrätselfotos könnten als Rätselkartei zur weiteren Verwendung gedruckt werden. Für das Beispiel Schulgarten könnten die Schüler etwa zehn verschiedene Gartenkräuter fotografieren, die anhand der Details von Blüte und Stiel erkannt werden müssen.

Foto-Schnitzeljagd: Auch bei dieser Spielform geht es um genaues Hinschauen. Die Schüler fotografieren in Gruppen bestimmte Details ihrer Wahl entlang einer vorher mit der Lehrkraft festgelegten Wegstrecke. Sie suchen dabei markante oder auch schwierigere Wegpunkte aus. Die entstandenen Fotos werden ausgedruckt. Nun erhält die jeweils andere Gruppe die Detailfotos und muss anhand dieser den Weg zum Ziel finden. Als besondere Schwierigkeit für sehr fitte Klassen könnten weitere Fotoaufgaben an den Wegstationen eingebaut werden, die unterwegs gelöst werden müssen. Im Beispiel Schulgarten kann die Aufgabe zum Beispiel lauten, den Weg vom Komposthaufen zum Kräuterbeet zu finden und dabei an drei Stationen die unterschiedlichen Büsche am Wegesrand fotografisch festzuhalten.

Foto-Safari: Eine etwas freiere Form der Fotografie stellt dieses Spiel dar. Ein Schüler wählt sich zwei Mitschüler als Partner aus. Zu dritt sollen sie jeweils in einer vorgegebenen Zeit (ca. 10 Minuten) eine Fotosafari machen. Dabei sollen sie sich darüber einigen, welches ihr schönstes Bild beispielsweise zum Thema Schulgarten darstellt oder welches die interessanteste Pflanze dort ist. Sie können auch einen besonders kuriosen und verfremdeten Bildausschnitt erfinden und fotografisch festhalten. Im Klassenzimmer werden die Ergebnisse der Fotosafari dann gemeinsam mit allen ausgewertet. Dies bietet vielfältige Anlässe zu Kommunikation, aber auch zu den gewählten Inhalten wie etwa die Pflanzenvielfalt. Die Ergebnisse können später in einer Fotoausstellung oder einer Plakatgestaltung präsentiert werden bzw. andere Formen der Weiterverwendung finden.

Foto-Kartei: Nicht nur Unterrichtsgänge, sondern auch Langzeitprojekte lassen sich gut fotografisch festhalten. Am Beispiel Schulgarten könnten die Schüler die Aufgabe bearbeiten, eine bestimmte Pflanze jeweils von der Saat bis zur Ernte fotografisch zu begleiten. Je nach Wachstumszyklus gehen die Schüler in bestimmten Abständen zu „ihrer“ Pflanze und halten den Fortschritt fest. Sie erstellen am Ende damit Fotomaterial zur Weiterverwendung, etwa in einem Freiarbeitsmaterial oder einer Fotodokumentation. Mit solchen Vorhaben können auch zeitlich größere Dimensionen sichtbar festgehalten werden, die ansonsten in der subjektiven Wahrnehmung verloren gehen.

Die Beispiele sollen verdeutlichen, dass das Fotografieren nicht nur im engeren Sinn ein besonders geeigneter und zeitgemäßer Unterrichtsinhalt sein kann, sondern auch als Methode im Unterricht sehr gut und variabel eingesetzt werden kann. Die Schüler erlernen eine methodische Kompetenz, die vielfältig und abwechslungsreich Inhalte vertiefen hilft. In jedem Fall hilft es, den Unterricht eigenverantwortlicher und schüleraktiver zu gestalten.

Claudia Omonsky

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