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Förderschwerpunkt GE

Projekt: Fotografieren als kreatives Wahrnehmungstraining

Ein Unterrichtsprojekt mit Potenzial: Das Fotografieren eröffnet Schülern im Förderbereich Geistige Entwicklung einen ganz neuen Blick auf die Welt. Die Kreativität wird ebenso geschult wie die Wahrnehmung.

Förderschwerpunkt GE: Projekt: Fotografieren als kreatives Wahrnehmungstraining Fotografieren bringt Spaß — und das auch Kindern mit eingeschränkten Fähigkeiten © Tomasz Zajda - Fotolia.com

„Da sieht man ja deine Locken!“, ruft eine Schülerin begeistert, als sie das Foto eines Mitschülers betrachtet. Die Locken kann sie zwar jeden Tag aufs Neue sehen, hat sie aber offenbar noch nie in dieser Art betrachtet. Das Offensichtliche wird beim Fotografieren auf eine besondere Weise sichtbar und damit für die Schülerin leichter bzw. anders wahrnehmbar. Das Fotografieren macht ein bewusstes und auch kritisches Sehen möglich. Es kann Schülern darüber hinaus dazu verhelfen, sich persönlich auszudrücken und sich mit ihrer Umwelt aktiv auseinanderzusetzen. Gerade für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist es eine sehr gute Möglichkeit, sich sowohl kommunikativ wie auch künstlerisch mitzuteilen. 

Die relativ einfache Handhabung moderner Fotoapparate wie Handykamera, Tablet-Computer oder Digitalkamera macht das Fotografieren heute zur am weitest verbreiteten visuellen Kunstform. Schüler können überall in ihrer Umwelt fotografieren: Klassenfoto, Freundinnenfoto oder Familienfoto — alle Bilder zeigen ein Stück des kindlichen Alltags und halten diesen dokumentarisch bzw. künstlerisch fest. In der Zeit des schnellen Handyfotos besteht jedoch auch die Gefahr, unkritisch und ohne weiterführende Beschäftigung mit dem Medium Foto umzugehen. Darum lohnt sich der unterrichtliche Blick auf das Fotografieren als kreatives Medium für Kinder. 

Grundlagen: Die Schüler machen sich ein Bild

Dies kann als Projektunterricht über einen längeren Zeitraum im Unterricht angeboten werden. Zunächst lernen die Schüler, mit der Kamera umzugehen, was es mit dem Fotografieren auf sich hat und einige Grundlagen des Fotografierens zu beherrschen. Die Schüler erhalten einfach handhabbare, leichte Fotokameras mit einigen wenigen Bedienfeldern. Diese sollten mit einem Gurt oder einer Handschlaufe gut zu tragen sein, um versehentliche Beschädigungen zu vermeiden. 

Die Anschaffung von ausreichend vielen Fotoapparaten stellt wohl die größte unterrichtliche Hürde dar. Man wird natürlich zuerst die Eltern fragen, ob man eine häusliche Kamera ausleihen darf. Dann gibt es eventuell  Möglichkeiten durch den Förderkreis oder Elternbeirat der Schule. Auch die örtlichen Fotogeschäfte könnten. für ein Sponsoring im Sinne einer Leihgabe gewonnen werden. Günstigere Lösungen könnten sogenannte Einweg-Kameras sein, die jedoch in der Entwicklung nicht ganz so preiswert sind. Falls nur wenige Apparate zur Verfügung stehen, arbeiten mehrere Schüler mit einer Kamera. Dabei sollte deutlich gemacht werden, welcher Schüler gerade das Kamerakind ist. Nur dieses bedient sie dann auch. Eine Reihenfolge wird abwechselnd eingehalten.

Weiterführende Links und Tipps:

Buchtipp: Jehel, Pierre-Jerome / Saey, Alain: Die Fotografie im Kunstunterricht. Augsburg 2013

Das Internetforum zum Thema Pädagogik, Fotografie und Fotopädagogik ist eine Seite für Fotografen und Lehrer mit guten Tipps für Fotoprojekte.

Beispiel-Projekt: „Die kleinen Paparazzi“

Einige wichtige Tipps sollten die Schüler gleich zu Beginn erhalten: 

  • Richtiger Abstand: Nicht zu nah an das Motiv herangehen, sonst könnte das Foto unscharf werden. Aber auch nicht zu weit weg vom Motiv gehen, sonst weiß man nicht, was im Bild die Hauptsache sein soll.
  • Haare und Finger: Beim Fotografieren sollten der Blitz und die Linse frei bleiben. Auf Finger und Haare achten!
  • Sucher benutzen: Was sieht man auf dem Display oder durch den Sucher? Soll dies alles mit auf das Foto oder fehlt etwas / ist etwas zu viel? Position ändern, bis man zufrieden ist.
  • Stillhalten: Beim Fotografieren muss man eine möglichst ruhige Hand beweisen, damit die Bilder nicht verwackeln. Guter Stand und kurzes Luftanhalten können hierbei helfen. Auch das Ablegen auf einem Tisch oder einem Mauervorsprung hilft.
  • Wie ist das Licht: Auf gute Ausleuchtung achten, besonders bei Gegenlicht. Blitz verwenden, damit Menschen oder Dinge gut zu sehen sind und nicht im Schatten liegen.
  • Standpunkt: Motive mit unterschiedlichen Perspektiven fotografieren, um die Wirkung zu prüfen und ggf. zu ändern. Die Begriffe Froschperspektive, Vogelperspektive oder Normalperspektive werden unterrichtlich erarbeitet.

Bildelemente und Bildsprache kennenlernen

Bereits mit diesen wenigen Fototipps wird man eine geraume Zeit unterrichtlich arbeiten können, um kreative Prinzipien mit den Schülern zu entdecken und zu entwickeln. Sie erkunden dabei alle möglichen Bildbestandteile wie Licht, Form, Farbe, Linien oder Kompositionen. Wichtig dabei ist es, den Schülern immer genügend Zeit und Freiraum zur eigenen Entdeckung und Gestaltung zu geben. 

Auch das anschließende Betrachten, Analysieren und Bewerten sollte nicht zu kurz kommen. Gerade bei digitalen Medien ist die Löschfunktion wichtig. Beim Sichten und Aussortieren lernen die Schüler, ihre persönlichen Favoriten zu erkennen und damit weiterzuarbeiten, während anderes einfach auch wieder verschwinden darf.

Fotospiele schulen fotografisches Sehen

Neben dem Erlernen der fotografischen Grundlagen helfen dazu passende Fotospiele, sich in das fotografische Sehen hineinzuversetzen. Dabei geht es darum, Bilder zu beschreiben, Bilder inhaltlich zu interpretieren oder unter einem bestimmten vorgegebenen Motto auch Fotoübungen zu absolvieren. Die Schulung der Wahrnehmung stellt besonders bei Schülern im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung hierbei einen besonderen Schwerpunkt dar. Die Schüler schulen ihre Auffassungsgabe und erkennen Motive oder Formen in der Umwelt wieder. 

Beispiele für Fotospiele:

  • Dalli Klick: Ein größeres Bild wird nach und nach aufgedeckt. Die Schüler dürfen dabei erraten, worum es sich handelt. Wer es am schnellsten erraten kann, hat gewonnen. Dabei ist es möglich, den Schwierigkeitsgrad zu steuern, etwa indem die Lehrkraft erst spät wichtige Details aufdeckt oder umgekehrt, indem entscheidende Hinweise recht früh aufgedeckt werden.
  • Bilderrahmen: Die Schüler stellen selbst einen Bilderrahmen aus Pappe her, der einen überdimensionalen Sucher repräsentiert. Damit gehen sie durch die Umgebung und suchen attraktive Motive, die sie später aufnehmen könnten. Dies stellt eine Zwischenlösung für Klassen dar, die mit wenigen Kameras auskommen müssen. Mit den selbst gebauten Bilderrahmen können die Schüler später künstlerisch weiterarbeiten, z. B. um selbst eine Galerie zu erstellen und die eigenen Fotos damit zu rahmen.
  • Gegensätze: Die Schüler gehen zu zweit mit einer Kamera los. Ein Schüler fotografiert ein selbst zu wählendes Motiv, der andere Schüler muss das Gegenteil dazu finden und ebenfalls fotografieren. Dies kann durch einfache Bildkärtchen mit Hilfsvorschlägen erleichtert werden, falls der Begriff „Gegensatz“ noch nicht klar ist.
  • Fotostory: Aus einigen ausgewählten Schülerfotos bzw. aus Zeitungsausschnitten und Prospektbildern wird eine größere Auswahl zur Verfügung gestellt. Die Schüler sollen hieraus eine in sich logische und kreative Geschichte erfinden und nacherzählen. Dabei üben die Schüler neben dem fotografischen Sehen auch ihre Fähigkeiten im Erzählen und Geschichtenerfinden. Weiterführend kann man die Geschichten auch aufschreiben und ein kleines Büchlein damit gestalten. So finden die Ergebnisse der Schüler ein Projektziel, das sich sehen lassen kann.

Wie bei allen Fotografen wünschen sich auch die Schüler meist, dass die Fotos auch gezeigt werden können. Als Projektziel ist daher eine kleine Ausstellung, eine Wandzeitung oder ein Projektbuch gut im Blick zu behalten. Dabei muss man frühzeitig entscheiden, ob jeder Schüler ein eigenes Fotoalbum gestaltet oder ob eine Gemeinschaftsarbeit entstehen soll.

Claudia Omonsky

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