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Sprachkompetenz

Redewendungen als sprachliche Herausforderung

Redewendungen sind nicht selbsterklärend – und viele Schüler verstehen sie nicht, obwohl sie in der Alltagskommunikation häufig vorkommen. Umso wichtiger ist es, ihre Sprachkompetenz in diesem Bereich intensiv zu fördern.

Sprachkompetenz: Redewendungen als sprachliche Herausforderung Redewendungen sind wirklich das Gelbe vom Ei © Pavel Lysenko - stock.adobe.com

Im Lehrerzimmer, ein kurzes Gespräch der Kollegen in der Frühstückspause: „Wir müssen das jetzt besprechen und können das nicht mehr auf die lange Bank schieben.“ „Also, ich übernehme die 6b. Da muss man immer auf Achse sein und besonders die Jungs immer im Auge haben.“  „Das A und O ist doch, dass die Regeln klar sind. Sonst tanzen sie einem auf der Nase rum!“ „Bei den Mädchen ist gerade der Zickenkrieg ausgebrochen. Die können sich mal wieder einkriegen. Das ist gerade kein Zuckerschlecken, mit denen zu arbeiten.“ „Jetzt mach‘ mal aus einer Mücke keinen Elefanten. Das ist halt die Pubertät – zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.“ „Aber wenn die immer die beleidigte Leberwurst spielen – das ist schon anstrengend …“ „Nun mal mal nicht den Teufel an die Wand. Das wird schon wieder. Kommt Zeit, kommt Rat.“ — Alles klar? Na klar! Für uns sind auch derart gehäufte Redewendungen gut zu entschlüsseln. Jeder weiß, was es bedeutet, etwas auf die lange Bank zu schieben und versteht, was es heißt, auf Achse zu sein.

Redewendungen sind nicht selbsterklärend

Redewendungen sind ein Bestandteil unserer Sprache. Die festen Fügungen haben eine übertragene Bedeutung, die sich nicht aus den einzelnen Wörtern ergibt. Wir haben den Umgang im Laufe unseres Spracherwerbs erlernt, ausprobiert und gefestigt. Aber was ist mit unseren Schülern? Jeder von uns hat wohl bereits Erfahrungen mit Schülern gemacht, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben. Da ist es eine Herausforderung zu verstehen, was es bedeutet, dass jemand etwas ausbaden soll oder einem etwas spanisch vorkommt. Auch für Schüler mit Förderbedarf im Lernen oder in der geistigen Entwicklung sind Redewendungen nicht voraussetzungslos verständlich.

Wie können wir das für die soziale Kommunikation so bedeutsame Themengebiet der Redewendungen und sprachliche Bilder im Unterricht aufgreifen?

Wer im Lernbereich Deutsch das Thema Gedichte unterrichtet, der kommt an sprachlichen Bildern nicht vorbei. Sprachliche Bilder können als Vergleiche daherkommen: jemand ist stark wie ein Löwe oder klein wie eine Maus. Dies ist für unsere Schüler gut vorstellbar, mithilfe einer bildlichen Darstellung wird die jeweilige Eigenschaft verdeutlicht. Der Löwe bekommt eben Muskeln, die Maus ist winzig klein. Das Wörtchen „wie“ signalisiert den Vergleich.

Bei Personifikationen werden unbelebten Gegenständen und Objekten menschliche Eigenschaften zugeschrieben. Wenn „die Sonne lacht“, dann lässt sich dies mit wenigen Strichen an der Tafel oder auf dem Smartboard skizzieren.

Eine Metapher dagegen ist eine Wortgruppe, die aus ihrem eigentlichen Bedeutungszusammenhang übertragen wird und sozusagen eine neue Bedeutung gewinnt. Wenn jemand „aus allen Wolken fällt“, dann ist das schon schwieriger zu verstehen. Auch „der Zahn der Zeit“, der seine Spuren an einem Objekt hinterlässt, ist schwer zu fassen.

Redewendungen kommen in Alltagskommunikation häufig vor

Aber Redewendungen und sprachliche Bilder haben nicht nur im Deutschunterricht ihren Platz. Auch in unserer Alltagskommunikation kommen sie häufig daher. Wenn der Biologielehrer davon spricht, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dann ist nicht von Pflanzenkunde die Rede und die Wendung 08/15 hat nicht nur im Mathematikunterricht Platz.

Wer Fremdsprachen unterrichtet, der muss mit seinen Schülern beleuchten, dass Redewendungen nicht 1:1 übertragen werden, sondern durch landeseigene Wendungen vertreten sind. Sogenannte ideomatische Wörterbücher sind für Schüler ein spannendes Lernfeld. Es könnte ja die „Redewendung der Woche“ etabliert werden …

Unsere Schüler benötigen Verständnishilfen – egal, ob sie aufgrund von Zweitspracherwerb oder mit Förder- und Unterstützungsbedarfen die Schulen besuchen. Verständnishilfen können selbstverständlich in Form von Erklärungen und Erläuterungen angeboten werden. Das ist unverzichtbar. Aber noch viel besser helfen kleine Skizzen und Bilder. Sie müssen nicht von großer künstlerischer Kompetenz zeugen. Mit Kreativität und Mut kann ein kleines Bild entstehen, in dem ein großer Zahn an einem alten Haus nagt und Mauerstücke herausbricht. Und schon wird klar, was mit den Dingen im Laufe der Zeit passiert …

Wer künstlerisch so gar keinen Zugang findet, der nutzt diverse Suchmaschinen im Internet und lässt sich von Abbildungen zu Redewendungen unterstützen. Eine gute Vorbereitung des Unterrichts stellt sicher, dass eine treffende Abbildung gefunden wird, die den Inhalt klärt und nicht noch mehr verwirrt.

Bleibt nur zu hoffen, dass bei allen der Knoten platzt, jeder auf einen grünen Zweig kommt und am Ende des Tunnels ein Licht zu sehen ist …

Ulrike Zerbst

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