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Sprachsensibler Kunstunterricht

Redewendungen mithilfe von Visualisierungen verstehen lernen

Übung macht den Meister – auch im Kunst- und Deutschunterricht, wenn es um das Verständnis von Redewendungen geht. Selbst gezeichnete visuelle Darstellungen helfen Schülern dabei, die Bedeutung zu lernen und zu verstehen.

Sprachsensibler Kunstunterricht: Redewendungen mithilfe von Visualisierungen verstehen lernen Ein Visualisierungsbeispiel zur Redewendung Luftschlösser bauen © Ulrike Zerbst

„Ich kann wirklich nicht zeichnen. Ich habe zwei linke Hände!“ – Ein Ausruf von Schülern, den jeder Kollege schon mal gehört hat, der die Fächer Kunst oder Gestalten unterrichtet. Zwei linke Hände haben? Was bedeutet das genau?

Schüler, die Schwierigkeiten mit dem Verstehen von Sprache haben, können derartige Redewendungen nicht problemlos entschlüsseln. Und gerade dort kann der Kunstunterricht ansetzen: Hier können wir das Sprachverständnis im Bereich der Redewendungen fördern – und zwar mithilfe von kleinen Zeichnungen in Anlehnung an den Comic-Stil. Das spricht vor allem unsere jugendlichen Schüler an und bietet denjenigen, die die deutsche Sprache als Zweitsprache erwerben, einen altersgemäßen Zugang zu diesem schwierigen Themengebiet im Bereich des Sprachverstehens.

Bedeutung von Redewendungen erschließt sich nicht unmittelbar

Redewendungen sind feste, in der Sprache verankerte Wortverbindungen, deren Bedeutung sich nicht unmittelbar aus den einzelnen Elementen ergibt. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ – uns ist völlig klar, dass es sich hier um eine Redewendung handelt, die auf die Verwandtschaft zweier Personen und beispielsweise deren äußerliche Ähnlichkeit oder gleiche Begabung hinweist. Für Schüler mit Schwierigkeiten im Sprachverstehen ist es erst mal eine Idee von einem Apfelbaum, dessen Frucht in der Nähe des Stammes herunterfällt. Wie soll man das durchdringen?

Wir als Lehrkräfte stehen vor Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen:

  • Redewendungen bedeuten etwas anderes, als die reine Wortentschlüsselung hergibt.
  • Redewendungen muss man verstehen lernen, damit man Sprache als soziales Hilfsmittel anwenden und verstehen kann. Wie sollen Schüler sonst begreifen, was es bedeutet, über den Tisch gezogen zu werden?
  • Die zeichnerische Darstellung von Redewendungen muss einfach und klar sein. Die sprachlich genannten Elemente müssen abgebildet werden und zwar so, dass der übertragene Sinn erkennbar wird.

Visualisierung hilft beim Verständnis

Versuchen wir es an der Redewendung des Schülers, der meinte, zwei linke Hände zu haben. Was bedeutet dieser Ausdruck im Deutschen? Er besagt, dass jemand nicht etwa eine linke und rechte Hand hat, die gut zusammenarbeiten können, sondern dass mit nur zwei linken Händen eine manuelle Arbeit nicht geleistet werden kann. Im übertragenen Sinne wird die Redewendung genutzt, um darauf hinzuweisen, dass jemand tollpatschig, unbeholfen oder ungeschickt ist. Die Abbildung dazu ist einfach zu konzipieren: Eine Person wird mit erhobenen Händen frontal abgebildet. Es muss deutlich erkennbar sein, dass die Figur zwei linke Hände hat. Die Betonung dieses Sachverhaltes kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass die Hände etwas größer oder mit einer anderen Farbe gezeichnet werden. Wenn Schüler sich nicht an der Darstellung einer menschlichen Figur herantrauen, zeichnen sie einfach ein Strichmännchen – der Sachverhalt der zwei linken Hände wird ebenso klar. Und man sollte die Kreativität der Schüler nicht unterschätzen. Wichtig jedoch ist, dass Sie vorab im Unterrichtsgespräch klären, wofür in unserem Kulturkreis die linke Hand steht. Bedenken sollte man auch, dass Linkshänder sich nicht plötzlich diskriminiert fühlen: Sie zeichnen dann eben zwei rechte Hände.

„Schmetterlinge im Bauch haben“ als Redewendung, die bei uns den Zustand des Verliebtseins beschreibt, lässt sich ebenfalls einfach darstellen. Hier kann die Hauptfigur – möglich auch als Strichmännchen mit ovalem Bauch – mit Schmetterlingen im Bauchraum abgebildet werden. Wichtig ist dabei, den Gesichtsausdruck als „glücklich“ zu charakterisieren, beispielsweise durch ein Lächeln. Die Augen können beispielsweise durch Herzchen ersetzt werden. Eine Weiterführung im Comic-Stil ließe eine Denkblase in Wolkenform zu, die mit Herzen gefüllt ist. Das Herz wird hier als universelle visuelle Vokabel genutzt und steht symbolisch für Liebe oder Verliebtsein. Aber auch das ist nur eine von vielen möglichen bildlichen Lösungen.

Grundlage für diese Arbeitsschritte mit Schülern muss sein, dass die Bedeutung einzelner Elemente geklärt ist. Die Bild-Vokabeln wie „Herz“, „Tränen“ und Smileys müssen für die Schüler geklärt und mit Bedeutungsinhalt gefüllt sein. Ein fächerverbindendes Arbeiten mit der Lehrkraft für den Deutschunterricht kann hier den Zweitspracherwerb und die Erweiterung des Wortschatzes fördern.

Wer Luftschlösser baut, der hat unrealistische Pläne oder Träume. Aufgabe an die Schüler: Wie kann man das darstellen? Es soll auf jeden Fall klar werden, dass das Projekt nicht über eine feste und sichere Basis verfügt. Und auch hier gilt: Die Wörter der Redewendung sollen in der Abbildung als zeichnerische Elemente enthalten sein, die Abbildung als Ganzes stellt die inhaltliche Bedeutung dar. Vereinfachte Formen und Stilisierungen reichen völlig aus, der Verzicht auf Details erhöht die Verständlichkeit. Pfeile und Sprech- oder Denkblasen sind als Ergänzungen denkbar, die Emotionen der Figuren werden durch die Mundform (siehe Smiley) erklärt.

Comic-Stil Schritt für Schritt einführen

Alle diese Redewendungen lassen sich gut mit Schülern erarbeiten und darstellen. Die Heranführung an den Comicstil im Step-by-Step-Modus sichert Arbeitsergebnisse, mit denen auch die Schüler zufrieden sind. Nach den ersten Vorzeichnungen durch die Lehrerhand werden die Schüler schon bald selbstständiger und mutiger. Ganz mutige Schüler können inhaltlich erarbeitete Redewendungen selbstständig zeichnen und die Bilder tauschen – wer errät denn, was der andere dargestellt hat?

Wie wäre es, die Wände des Schulhauses zu einer ständig wachsenden Galerie der Redewendungen zu machen? Den Schülern, die gelegentliche Erinnerungshilfen benötigen, käme dies sehr entgegen. Notwendig ist natürlich eine Beschriftung mit der eigentlichen Redewendung, ergänzt durch einige Stichworte zur Bedeutung.

Jemand mit „Tomaten auf den Augen“ kann nichts sehen, wer auf dem Pulverfass sitzt, der lebt gefährlich, wer das Handtuch wirft, der will aufgeben. Alles kann gezeichnet werden – nur bitte den Kopf nicht in den Sand stecken! Sondern den Bleistift spitzen, die Kreide für die Tafel bereitlegen und sich mutig ins Getümmel der Linien und Formen stürzen.

Ulrike Zerbst

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