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Fachfremd unterrichten

Singen unterrichten leichtgemacht

Singen im Musikunterricht ist für fachfremd unterrichtende Lehrer eine Herausforderung. Dabei kann man stressfrei mit wenigen Übungsschritten, die Schüler fürs Liedersingen begeistern.

Fachfremd unterrichten: Singen unterrichten leichtgemacht Singen bringt den meisten Kindern riesigen Spaß, da hat man selbst als fachfremd Unterrichtender leichtes Spiel © highwaystarz - Fotolia.com

„Leider kann ich keinen Musikunterricht geben, da ich nicht singen kann!“, behauptet eine Grundschullehrerin. Musik fachfremd zu unterrichten ist für viele Kollegen ein Problem. Dabei begeistert gerade das Singen und Musizieren viele Kinder im Musikunterricht. Es ist ein starker Ausdruckskanal, bei dem gerade Kinder, die in den Lernfächern wie Mathematik und Deutsch nicht gut sind, ihr Potenzial zeigen können.

Und keine Angst: Es geht dabei gar nicht um das richtige Vorsingen des Lehrers, sondern darum, die Begeisterung für die Musik und den Gesang weiterzugeben. Schließlich gibt es Hörbeispiele und Musik auf CD — auch als Playback-Version — , die unterstützend eingesetzt werden können.

Erster Schritt: Die Stimme muss gestimmt werden

Die Stimme ist ein Körperinstrument, das ebenso wie zum Beispiel die Gitarre vor dem Singen gestimmt werden sollte. Selbst Gesangslaien fallen diese Stimmübungen leicht und machen großen Spaß. Außerdem nehmen sie die scheu und lockern auch generell auf.

Begonnen wird mit Lockerungsübungen. Dazu stehen alle Kinder auf und schütteln ihre Arme und Beine. Um eine aufrechte Haltung zu bekommen, lassen sie sich vornüberfallen, berühren, wenn möglich mit durchgestreckten Beinen, mit den Fingern den Boden und richten sich dann Wirbel für Wirbel wieder auf. Noch einmal ausschütteln und entspannen, dann folgen die Atemübungen.

Viele Sänger atmen in den Brustkorb und pressen den Ton beim Singen, deshalb ist die Bauchatmung zu bevorzugen. Am besten üben das Ihre Schüler, indem sie eine Hand auf den Bauch legen und sich vorstellen, sie hätten dort einen Schwimmreifen, den sie aufblasen möchten. Beim Einatmen wird dorthin geatmet. Wenn dies klappt, kann durch die Nase eingeatmet und durch den Mund ausgeatmet werden.

Um die Atmung besser zu kontrollieren und nicht zu hektisch und kurz zu atmen, hilft den Kindern die Vorstellung, sie seien ein Luftballon, aus dem ganz langsam Luft beim Ausatmen entweicht. Auch das Zwerchfell muss aktiviert werden. Dazu atmen die Kinder durch die Nase ein und lassen sich beim Ausatmen in die Hocke fallen und pressen ein „Ffff“ hervor. Dies kann, ohne außer Puste zu kommen, öfter hintereinander wiederholt werden.

Im nächsten Schritt erfolgen Artikulationsübungen. Eine sehr lustige Übung dazu ist es, mit einem Korken im Mund zu sprechen. Die Schüler müssen dabei sehr deutlich artikulieren, um sich gegenseitig zu verstehen. Lassen sie die Kinder dazu mit einem Partner versuchen, das Gesprochene des Gegenübers (mit Korken im Mund) zu verstehen. Nach dieser Einstimmung klappen dann auch die folgenden Übungen: Nach dem Einatmen sagen die Kinder hintereinander „F, S, Sch“, dann „P, T, K“ oder „B, B, P“ und „G, G, K“. Begleitend kann das Sprechen wieder mit dem „In-die-Hocke-Fallen“ und dem automatischen Zwerchfellimpuls unterstützt werden.

Zweiter Schritt: Einsingen als Vorübung

Nach diesen generellen Aufwärmübungen können die Kinder sich einsingen. Dabei ist grundsätzlich zu beachten: Kinder singen in der Regel in einer sehr hohen Tonlage, der Soprantonlage. Damit die Schüler nicht zu tief singen müssen und dadurch Stimmprobleme bekommen, sollte ein Lied oder eine Übung immer in der Kindertonlage gewählt werden. Kinder, die erkältet oder gar heiser sind, sollten sich beim Singen zurückhalten und nicht zum Mitsingen gezwungen werden.

Die Kinder sollten im Sitzen eine aufrechte Haltung einnehmen. Am besten gelingt das, wenn sie die Füße dazu beckenbreit parallel auf den Boden stellen und nur auf der Stuhlkante sitzen. Die Vorstellung, dass sie wie eine Marionette mit Fäden am Kopf geführt werden, lässt sie gerade sitzen.

Um einen angenehmen Ton zu formen, hilft den Kindern die Vorstellung, dass sie eine heiße Kartoffel im Mund hätten. Dabei sollen sie die Zunge hinter die untere Zahnreihe legen und den Vokal „u“ oder „ü“ singen. Zum Einsingen sind gerade diese Vokale besonders geeignet, da sie stimmschonender sind als das oft bevorzugte „a“. Mit diesen Vokalen kann die Tonleiter oder eine Tonfolge nach oben oder unten vorgegeben werden, die immer um einen Halbton variiert.

Wenn der Lehrer ein Instrument spielt, ist das ausgesprochen hilfreich zur zur Unterstützung und beim Vorspielen der Anfangstöne. Die eigene Stimme leistet hier aber auch gute Dienste, sofern man einigermaßen singen kann.

Damit das Einsingen nicht zu eintönig wird, können nun Wörter wie „Tulpe, Sonnenschein, Blume, Duft“ auf eine vorgegebene oder von den Kindern vorgemachte und selbst erfundene Melodie gesungen werden. Dies bereitet meist viel Spaß und entbindet den Lehrer von seiner Tätigkeit als Vorsänger.

Dritter Schritt: Das Einüben der Lieder

Am besten beginnt man mit der Melodie, zunächst ohne Text. Singen oder spielen Sie den Kindern einen Teil der Melodie vor, die sie dann nachsingen. So wird das Lied Abschnitt für Abschnitt erarbeitet und die Kinder sind die Melodie sicher und „kleben“ nicht sofort am Text. Gerade für die „Brummer“ unter den Sängern, die es in jeder Klasse gibt, eröffnet sich hier die Möglichkeit, durch Schließen der Augen und ausschließliches Hören auf die Melodie, ihre Stimmlage anzupassen. Nach dem Sprechen und Lernen des Textes, eventuell bereits rhythmisch passend zur Melodie gesprochen, wird nun der Text zur Melodie gesungen.

Soll ein Lied beispielsweise für einen Auftritt vorbereitet werden, kann an Lautstärke, Tempo und Aussprache noch gefeilt und das Lied gegebenenfalls durch Bewegung ergänzt werden. Schließlich wird ein Lied im Chorgesang erst lebendig, wenn es „interpretiert“ wird. Dazu werden Textstellen schneller, langsamer, leiser oder lauter gesungen.

Damit sich die Schüler leiser gesungene Textstellen besser merken können, ist es sinnvoll, sie hier einzubeziehen. Gehen Sie gemeinsam den Text durch und untersuchen sie die Wörter mit den Kindern nach Indizien für Laut und Leise. Wörter wie „Abend“, „Mond“, „traurig“ etc. könnten beispielsweise langsamer und leiser gesungen werden, während bei Passagen wie „Wenn ich fröhlich bin“ die Dynamik, das heißt die Lautstärke, ansteigen kann.

Sicher macht es den Kindern auch hier noch einmal Spaß, die Aussprache zu übertreiben. Bei einem Auftritt ist dies von Vorteil, damit auch die Großmutter in der letzten Reihe die Wörter des Liedes versteht. Natürlich haben die Kinder neben dem „A-capella-Singen“ auch an fetzig untermalenden Playbacks Spaß. Vielleicht bieten sich auch vorgegebene oder mit den Kindern ausgedachte Bewegungen zum Lied an.

Und zu guter Letzt: Nach einigen Chorstunden als Unterrichtseinheit könnte auch für andere Unterrichtseinheiten ein Einstiegslied etabliert werden. Denn Singen bringt zu jeder Gelegenheit und in jedem Fach Spaß. Vielleicht ist dann auch die Klassen- oder Schulhymne dabei, die auf dem Ausflug, beim Schulfest oder Bastelnachmittag für die Eltern regelmäßig gesungen und vorgetragen werden kann.

Marion Keil

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