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Sprachsensible Mathe-Förderung – Hilfestellung für Lehrkräfte

Sprachförderung gehört zum Mathematikunterricht. Nur wenn die Schüler/-innen auch fachsprachlich verstehen, worum es geht, ist Mathe-Förderunterricht erfolgreich. Die Website „Mathematik inklusiv“ bietet viele Infos und Tipps für Lehrkräfte.

Freies Webangebot: Sprachsensible Mathe-Förderung – Hilfestellung für Lehrkräfte Auch sprachlich benötigen einige Schüler/-innen Unterstützung, um die Rechenaufgaben auch zu verstehen © Dan Race - stock.adobe.com

Wie fühlen sich Kinder mit sprachlichem Förderbedarf im Mathematikunterricht? Das verdeutlicht ein Cartoon auf der Website Mathe inklusiv mit PIKAS des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik (DZLM): An der Tafel eines Klassenzimmers steht die folgende Aufgabe: „Eine Werze soll gedunt werden. Wie viel Kubel Schnier werden ungefähr benötigt?“ Die Schüler/-innen haben keine Ahnung, denn sie verstehen ja schon die Frage nicht und können sie folglich auch nicht beantworten. Eine frustrierende Erfahrung, die durch die Aufforderung „Begründe deine Antwort!“ noch verschärft wird. Und wenn dann die Lehrkraft den Kindern auch noch „in der gleichen, schwer verständlichen Sprache“ auf die Sprünge zu helfen versucht, sind sie restlos entmutigt: „Lies die Aufgabe genau! Beachte, dass die Werze nur gedunt werden soll und nutze deine Kenntnisse über Schnier und Tecken!“

Mit diesem Beispiel verdeutlicht das Team von Mathe inklusiv, dass „Mathematikunterricht (...) immer auch fachsprachlicher Unterricht“ (ebd.) ist. Nur wenn Ihre Schüler/-innen die Aufgabe und die fachsprachlichen Begriffe verstehen, sind richtige Lösungen und eine gelingende Kommunikation im mathematischen Förderunterricht möglich. Sprachförderung ist deshalb eine wichtige Facette der vielfältigen Webangebote für den Mathematik-Förderunterricht des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik. 

Sprechängsten vorbeugen

Wie verbinden Sie am besten fachliches und sprachliches Lernen im gemeinsamen Mathematikunterricht? Diese Frage beantwortet „Mathematik inklusiv“ mit einem kleinen Crashkurs, der sowohl „äußere Bedingungen“, wie zum Beispiel eine gute Raumakustik, einen niedrigen Geräuschpegel oder eine „offene Sitzordnung in L- oder U-Form“ berücksichtigt als auch „die inneren Bedingungen im Unterricht“. 

Ein sprachförderliches kommunikatives Milieu etwa beugt „starken Sprechängsten“ vor, unter denen sprachlich beeinträchtigte Kinder und Jugendliche – meist aufgrund von negativen Erfahrungen – oft leiden. Angstreduzierend wirken: sie zum Reden ermutigen, sprachliche Äußerungen loben, sie jedoch nicht zum Sprechen zwingen, „bewusst auch nonverbale Aktivitäten zur Entlastung und Entspannung einsetzen“, spielerische Phasen einplanen, Kontakte mit anderen Kindern anregen und „das Kind als Teil der Klasse an allen Aktivitäten teilnehmen lassen“.

Modellhafte Lehrersprache

Die Lehrersprache ist dabei „das generelle und zentrale Instrument der unterrichtsintegrierten sprachlichen Förderung“, denn sie vermittelt zum einen die Lerninhalte und dient „zugleich der gesamten Klasse als sprachliches Modell“. Eine kurze Checkliste mit den Merkmalen „kommunikativ dienlicher Lehrersprache“ zeigt, worauf es hier ankommt: 

  • klar, lautrein und nicht zu schnell sprechen, 
  • dabei „kräftig und gut“ modulieren, 
  • das Sprechtempo variieren, 
  • mit Mimik und Gestik die gesprochene Sprache verstärken, 
  • bewusste Wiederholung und Akzentuierung wichtiger Begriffe, Satzteile und Sätze,
  • „kurze und grammatisch einfache Sätze“ bilden, 
  • verschiedene Impulstechniken nutzen und
  • geschlossene und offene Fragen einsetzen, um „sprachlich leichte Kurzantworten zuzulassen oder längere Antworten zu provozieren“ (ebd.)

Methoden zur Förderung des Textverständnisses

Und wie stellen Sie sicher, dass Ihre Schüler/-innen Aufgaben und Arbeitsaufträge auch wirklich verstehen? Hier hat sich bei Sprachschwierigkeiten zunächst „eine kommunikativ bewusst gestaltete und ritualisiert ablaufende Präsentation“ bewährt: Zunächst für Aufmerksamkeit sorgen, dann erst die Aufgabe stellen, mit den Schüler/-innen offene Fragen klären, und danach die Arbeitsphase starten – praktische Tipps auf der Website helfen Ihnen bei der Umsetzung im Unterricht. 

Durch unterschiedliche Darstellungsformen eröffnen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern außerdem vielfältige Zugänge zu Aufgaben. So können Ihre Schüler/-innen etwa Rechengeschichten leichter nachvollziehen, „wenn sie nicht nur gelesen, sondern auch gehört, aufgemalt oder nachgespielt werden“. (ebd.) 

Die Mathematikdidaktik unterscheidet vier verschiedene Darstellungsformen: Handlungen am Material, zum Beispiel Rechenplättchen, bildliche Darstellungen, mathematisch-symbolische Darstellungen (z. B. 3 x 2 = 6) und sprachlich-symbolische Darstellungen (drei mal zwei sind gleich sechs). Wie Sie im Unterricht wechselnde Darstellungsformen nutzen, zeigt ein eigenes Modul mit Hintergrundinformationen, Unterrichtstipps, Materialien und vielen Praxisbeispielen.

Aufgabenstellungen lassen sich natürlich auch sprachlich an den Lernstand eines Kindes/Jugendlichen anpassen. Und auch hier wieder beschreiben die Autoren detailliert, mit welchen sprachlichen Mitteln Sie Lesetexte vereinfachen (vgl. dazu auch den unten verlinkten Beitrag im Lehrerbüro „Leichte Sprache leicht gemacht“).

Erweiterung des sprachlichen Repertoires

Wenngleich die vereinfachende Adaption von Aufgaben im Unterricht ein wichtiges Instrument zur Förderung des Sprachverständnisses ist, so hat doch der sprachintegrierende Mathematikunterricht auf lange Sicht ein übergeordnetes Ziel: die sukzessive Erweiterung sprachlicher Kompetenzen. Und dazu trägt entscheidend der gegenseitige Austausch mit Lehrkraft und Mitschüler/-innen im Unterricht bei. 

Wie aber fördern Sie nun als Lehrkraft das Sprechen über Mathematik? Dieser Frage widmet sich „Mathematik inklusiv“ unter dem Menüpunkt „Austausch anregen“. Hier erfahren Sie beispielsweise, wie Sie „austauschanregende Aufgaben“ stellen, wie Sie Ihren Schüler/-innen helfen, sich verständlich zu machen und das Denken anderer nachzuvollziehen und wie Sie „in Einstiegs-, Sammlungs- und Reflexionsphasen“ des Unterrichts Gespräche zu mathematischen Themen im Klassenverband anstoßen.

Werden Kinder und Jugendliche mit Sprachentwicklungsstörungen im Unterricht „immer wieder und ausdrücklich korrigiert“, meiden sie häufig den sprachlichen Austausch. Deshalb sollte die Lehrkraft hier behutsam vorgehen und sogenannte Modellierungstechniken einsetzen und Fehler „eher beiläufig“ korrigieren, zum Beispiel durch richtiges Wiederholen einer syntaktisch falschen Antwort:

„Lehrperson: ‚Ist das eine gerade oder eine ungerade Zahl?‘ 
Kind: ‚Gerade Zahl das ist.‘
Lehrperson: ‚Richtig, das ist eine gerade Zahl.‘“ (ebd.)

Für den Aufbau des (Fach-)Wortschatzes eignen sich „Wortspeicher“, also „Merkzettel, auf denen fachlich wichtige Begriffe, Satzbausteine und Satzbaumuster geordnet dargestellt und visuell oder verbal erklärt sind, so dass sie jederzeit nachgelesen werden können“, wie es an dieser Stelle der PIKAS-Website heißt. Wie Sie diese im Unterricht erstellen und immer wieder ins Spiel bringen, zeigt eine kleine Checkliste. 

Mathematik-Förderung leicht gemacht

„Mathematik inklusiv“ ist nur eines der vielfältigen Webangebote für den Mathematik-Förderunterricht des DZLM. Auf dieser Überblicksseite sehen Sie die verschiedenen Plattformen mit Unterrichtsmaterialien und -anregungen für einen systematischen und fördernden Unterricht in Mathematik auf der Basis der neuesten methodischen und didaktischen Forschung. 

Mit den Materialien auf der Website „KIRA“ („Kinder rechnen anders“) etwa entdecken Sie die – oft verschlungenen – Denkwege von Kindern. Das Projektteam von PIKAS unterstützt Sie mit einem umfangreichen Material-Pool bei der strukturierten Förderung im Primarbereich. Die verschiedenen „Häuser“ decken dabei auch viele Herausforderungen ab, die Lehrkräfte im Förderunterricht Mathematik beschäftigen, z. B. den Umgang mit Rechenschwächen, mit Heterogenität oder das „Lernen auf eigenen Wegen“. Und mit den Materialien des Projektes „Mathe sicher können“ sparen Sie sich viel Vorbereitungszeit bei der ansonsten aufwendigen diagnosegeleiteten Förderung. – Jetzt aber: viel Spaß beim Stöbern.

Martina Niekrawietz

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