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Spiele statt Stillarbeit

„Survival-Kit“ für spontane Vertretungsstunden

Die nächste spontane Vertretungsstunde kommt bestimmt: 45 Minuten, die man für belebende Spiele mit lehrreichen Nebeneffekten nutzen kann. Die wenigen Materialien dafür passen in eine Schuhschachtel, die man griffbereit im Lehrerzimmer postieren kann.

Spiele statt Stillarbeit: „Survival-Kit“ für spontane Vertretungsstunden Hat man als Joker ein paar Unterrichtsideen in der Tasche, können spontane Vertretungen einen nicht mehr schrecken © Denis Junker - Fotolia.com

„Egal, ob Lehrer oder Mitschüler — in der Schule sieht man doch jeden Tag dieselben Gesichter“, so heißt es auf der Website des Jugendmagazins Spiesser, das von Zeit zu Zeit mit einer Vertretungsstunde der besonderen Art Abwechslung in den Schulalltag bringt. Promis übernehmen dann „mal eine Schulstunde Mathe, Geschichte oder Erdkunde“, und es sind die „angesagtesten“, verspricht die Spiesser-Redaktion: „Wir haben sie alle — egal, ob Schauspieler Elyas M'Barek, Rapper MC Fitti oder Bundeskanzlerin Angela Merkel.“

Lehrkräfte haben nur selten einen Promi-Bonus und ihre Vertretungsstunden werden nicht — wie bei den SPIESSER-Stars — extra vergütet, im Gegenteil: Meist fallen dafür auch noch Freistunden ersatzlos weg. Außerdem bleibt in den seltensten Fällen Zeit, um noch etwas Sinnvolles vorzubereiten.

Da aber die nächste Vertretungsstunde ganz bestimmt kommt, sollte man sich — am besten schon im Vorfeld — mit ein paar Ideen und Materialien in einem griffbereiten „Notfallköfferchen“ wappnen.

Spannende Spiele bringen Bewegung ins Klassenzimmer

Zum Beispiel mit den bewegungsfreundlichen Übungen und Spielen in Vertretungsstunden, die das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik Baden-Württemberg (LIS) für die Sekundarstufe zusammengestellt hat. Alles, was man für die achtzehn erprobten Spiele braucht, sind Alltagsgegenstände und  für die „Materialbox“ kleine Bälle, Wäscheklammern, Zeitung und ein paar Jonglierbälle. Regeln und Spielablauf sind klar beschrieben und sofort nachvollziehbar, immer mit Zeitrahmen, „Organisation“ (Gruppen vs. ganze Klasse). Spielvarianten sorgen dafür, dass die Spiele auch dann nicht langweilig werden, wenn sie mehrmals hintereinander gespielt werden.

Die Spiele und Übungen bieten ein „Gegenprogramm“ zum vielen Sitzen in der Schule und fördern daneben gezielt wichtige Fähigkeiten der Schüler: Beim Bewegungs-Memory (S. 8) etwa führen jeweils zwei Schüler die gleiche Bewegung aus (Kniebeuge, Hampelmann etc.), während 2 bis 4 Mitschüler versuchen, die entsprechenden Paare zu finden — das schult die Gedächtnisleistung. Mit „Alltag-Zusatz-Chaos“ simulieren die Schüler stressige Situationen, in denen Multitaskingfähigkeit gefragt ist: Ein Alltagsgegenstand wird im Kreis herumgegeben, gleichzeitig wird ein Ball nach einem bestimmten Ablauf hin und her gespielt, wobei der Werfende den Namen des Fängers nennen muss. Perfekt wird das Chaos, wenn dann noch ein zusätzlicher Ball nach individuellem Muster kreist. — Ein schnelles Spiel, das vollkommene Präsenz und Konzentration erfordert.

Bei „Hau den Lukas“ können Aggressionen abgebaut werden (S. 15), und ein kleines „Papier-Stein-Schere-Ligaspiel“ (S. 18) dauert nicht lange und ist ideal, um auch die letzten Minuten einer Unterrichtseinheit sinnvoll zu füllen.
Die Spiele sind mehr oder weniger bewegungsintensiv. „Ratet mal“ (S. 19) zum Beispiel erfordert nur eine kurze Pantomime einzelner Schüler, der Rest der Klasse muss dann das Dargestellte erraten. Auch bei „Bild einprägen“ (S. 9) hält sich der Bewegungsaufwand in Grenzen. Ganz anders bei den Rhythmusspielen, z. B. „Chef-Vize-Stift“ (S. 10) oder „Ching-Chang-Chong“ (S. 11), bei denen fast während des gesamten Spiels ein Bewegungs-Rhythmus-Ostinato durchgehalten werden muss.  

Black Stories fördern das logische Denkvermögen und das Gedächtnis

Auch Rätselgeschichten bringen „Bewegung“ in den Schulalltag und eignen sich wunderbar für Vertretungsstunden, denn sie trainieren das logische Denken und das Gedächtnis. Etwas, was man für jedes Fach in der Sekundarstufe I benötigt.

Besonders „Black Stories“ eignen sich für die Vertretungsstunden-Box. Vorbereiten muss der Lehrer nichts außer einem Deck Karten, auf denen die skurrilen Rätselgeschichten stehen. Ein Beispiel: „Zwei Tote liegen vor einem Scherbenhaufen, alles ist nass — Was ist passiert?“ — Die Mitspieler ergründen diese Frage durch Antworten, auf die der Spielleiter nur mit ja oder nein antworten darf.

Wie viel Spaß mit Black Stories dann sogar eine Stunde vor einer unbekannten Klasse machen kann, beschreibt Lehrer Jan-Martin Klinge in einem vergnüglichen Beitrag auf halbtagsblog.de: Er spielt „allerdings etwas verschärft“, denn er schließt mit den Fünftklässlern eine Wette ab: Brauchen die Schüler weniger als 50 Fragen, fegt er ihr Klassenzimmer, verlieren die Kinder, dann fegen sie in seiner Klasse ...

Martina Niekrawietz

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