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Leseförderung Jungen

Volltreffer: Mit Fußball zum Lesen

Lesen ist uncool und eine Sache für Mädchen? Nicht, wenn es dabei um Fußball geht. „Kicken und lesen“ — so heißt eine Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Jungen zum Lesen zu motivieren. Federführend sind die Stiftung Baden-Württemberg und der VfB Stuttgart. Im Jahr der Fußball-WM gewinnen ihre Projekte viele neue Fans.

Leseförderung Jungen: Volltreffer: Mit Fußball zum Lesen Fußball begeistert die meisten Jungs. Warum nicht diese Begeisterung als Lesemotivation nutzen? © jannoon028 - Fotolia.com

Jungen sitzen, liegen, lümmeln auf Sofas – ein vertrautes Bild. Doch etwas ist anders und fällt ins Auge: Jeder von ihnen hält ein Buch in der Hand. Jungen, die lesen? Zugegeben: nicht Goethe oder Thomas Mann.  Ben, Dennis, Hasan, Murat und Jakob lesen die Biografie ihres Lieblingsfußballers, denn sie sammeln Ideen für ein Theaterstück. Am Ende des Schuljahres wollen sie es aufführen. Und mit etwas Glück hat jeder von ihnen die Chance, für zwei Tage Gast beim VfB Stuttgart zu sein.

Wer liest, hat bessere Chancen im Leben. Doch viele Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren finden Lesen langweilig, unmännlich, total blöd. Sie sitzen nicht gern still, sondern lieben Spannung, Action und Bewegung. Ihre Helden sind Sportler und Fußballstars, männliche Vorbilder,  an denen sie sich orientieren können.

Projekt „kicken und lesen“

An diese Begeisterung knüpft das Projekt „kicken und lesen“ an. „Wir schicken die Jungen nicht in Büchereien, sondern nehmen die Bücher mit auf den Bolzplatz“, beschreibt Christine Potnar von der Stiftung Baden-Württemberg den Ansatz. Zehn bis 15 Bildungsprojekte werden pro Jahr mit bis zu 4000 Euro von der Stiftung gefördert, deren Aufsichtsratsvorsitzender der jeweilige Ministerpräsident ist. Jedes Projekt dauert mindestens 14 Tage, die sich als Ferienprojekt über zwei Wochen oder als Schulprojekt über ein Halbjahr erstrecken können.

Ansprechpartnerin:

„kicken&lesen“:
Christine Potnar
Baden-Württemberg Stiftung GmbH
Kriegsbergstr. 42
70174 Stuttgart
Tel.: +49 (0) 711 / 24 84 76 - 17
Fax: +49 (0) 711 / 24 84 76 - 54
mailto: potnar@bwstiftung.de
http://www.bwstiftung.de

Gefördert wurde zum Beispiel der Antrag einer Schule in Pforzheim mit hohem Anteil an Kriegsflüchtlingskindern. Wie können wir diese Kinder besser integrieren?, lautete die Frage. Das Kicken-und-Lesen-Team organisierte wöchentliche Treffen zum Fußballspielen in der Schule, besuchte gemeinsam das Gutenberg-Museum und die Redaktion der Pforzheimer Zeitung, die sich schließlich als Medienpartner für das Projekt engagierte.

Lesen für Jungen zwischen 10 und 14 Jahren

Bewerben können sich Schulen, Sportvereine, kulturelle Einrichtungen oder freie Träger der Jugendarbeit. Voraussetzung: Ihr Projekt ist innovativ und richtet sich an Jungen zwischen 10 und 14 Jahren. Und: Es muss um das Lesen gehen. Manche lesen das Guinness-Buch der Rekorde oder das Regelwerk des Deutschen Fußballverbandes, andere setzen sich in den Spielpausen mit dem Trainer ins Tor und lesen aus einem gemeinsam ausgesuchten Buch vor. Oft richten die Jungen Bücherecken in  ihren Schulen ein, führen ein Bücher-Voting unter Mitschülern durch oder gestalten mit dem örtlichen Buchladen ein Schaufenster.

Literatur zum Thema:

Christine Garbe: „Echte Kerle lesen nicht!? Was eine erfolgreiche Leseförderung für Jungen beachten muss.“ Handbuch Jungenpädagogik.

Lesen Jungen anders? Leseförderung und Lesescouts an Schulen in Niedersachsen.

Die Lesekompetenz von Jungen hat abgenommen. Bücher, die Jungen interessieren könnten, bietet die Jungen-Leseliste – vom Klassiker bis zur aktuellen Literatur.

Beim bundesweiten Vorlesetag kann jeder mitmachen.

Was Jungen interessiert: Lesetipps für Jungen vom Bayerischen Lehrerverband.

Auch wenn man ein Theaterstück aufführen will, ein Torwandschießen auf dem Schulfest oder ein Vater-Sohn-Fußballturnier organisiert, fällt viel Schreib- und Lesearbeit an: eine Internet-Recherche muss durchgeführt werden, es gilt, Einladungen zu verfassen oder Plakate zu entwerfen. Doch je mehr Spaß es macht, desto weniger Langeweile empfindet man beim Lesen.

Sozialverhalten fördern

Ganz nebenbei steht auch ein anderer Aspekt des Zusammenlebens im Mittelpunkt: das Sozialverhalten der Teilnehmer. Es geht um Fair-Play, Achtsamkeit und gegenseitigen Respekt, also um das Einhalten von Werten und Normen, auf die man sich im Projekt einigt. Wenn eine gemeinsam erstellt Regel besagt, dass alle pünktlich zum Spiel kommen sollen, dann sammelt derjenige Strafpunkte, der dagegen verstößt. Bestrafen und Belohnen — auch das ist sehr männlich.

Jungen wollen sich messen, sie lieben den Wettbewerb. Als ganz große Belohnung für jedes Projekt in Baden-Württemberg steht am Ende das Kicken-und-Lesen-Camp beim Partner VfB Stuttgart. Das Highlight der Saison sozusagen. Jedes Projekt darf sieben Teilnehmer entsenden. Die Auswahl ihrer Vertreter organisieren die Projekte selbst. Zwei Tage lang dürfen die Jungen auf dem Platz des Bundesliga-Clubs spielen. Sie werden vom Verein komplett neu eingekleidet, lernen Spieler persönlich kennen und treffen den Trainer.  „Damit wollen wir erreichen, dass sie sich anstrengen“, sagt Christine Potnar, „aber auch, dass sie merken: Ich war gut, ich werde belohnt, Bildung lohnt sich.“

Inzwischen ist in Baden-Württemberg mit dem SC Freiburg ein zweiter Fußballpartner hinzugekommen. Und die Idee von „Kicken und Lesen“ ist  jetzt auch in Hessen mit dem  FSV Frankfurt (finanziert von der Hessenstiftung) und in Köln mit dem 1. FC Köln (finanziert von der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse) vertreten. Beide haben noch weitere Kooperations-Partner, die für finanzielle Unterstützung sorgen. Wenn man also eine gute Idee hat und es gelingt, dafür Sponsoren zu finden, dann ist Kicken und Lesen überall möglich.

Regine Dee

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