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Sprechanlässe schaffen

Von Anfang an: Wortschatzförderung an der Förderschule

Der Wortschatz mancher Lernender ist sehr gering, sodass die Wortschatzförderung ein dauerhafter Prozess bleibt. Es gibt ein paar Tipps und Tricks, die sich wunderbar in den Alltag integrieren lassen.

Sprechanlässe schaffen: Von Anfang an: Wortschatzförderung an der Förderschule Bildkarten helfen beim Visualisieren von Wörtern © Anastassiya - stock.adobe.com

„Während Frau Kober sich im Lehrerzimmer ihren Kaffee zubereitet, hört sie mit halbem Ohr zu, wie sich zwei dienstältere Kollegen darüber unterhalten, wie sehr das Sprachverständnis und der Wortschatz der Lernenden in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen habe. Ob das so stimmt, kann Frau Kober natürlich nicht beurteilen, sie unterrichtet erst seit knapp drei Jahren, aber sie stellt doch auch fest, dass der Wortschatz der Schülerinnen und Schüler tendenziell kleiner ist, als sie vor Beginn ihrer Unterrichtstätigkeit angenommen hat.“

Nicht nur im sonderpädagogischen Setting stellen Lehrpersonen immer wieder halb erstaunt, halb schockiert fest, wie klein der Wortschatz mancher Lernender im Besonderen und der Lerngruppen im Allgemeinen ist. Diese Tatsache macht das Unterrichten nicht einfacher, gilt es doch darauf zu achten, dass Aufträge, Anweisungen und Aufgaben in einer den Schülerinnen und Schülern verständlichen Sprache formuliert sind, ohne allzu vereinfachend zu sein. Gerade in Lerngruppen, in denen viele Lernende Deutsch als Zweitsprache lernen, stellt dies die lehrenden Personen immer wieder vor neue Herausforderungen. Einziger Weg scheint daher zu sein, regelmäßig, sowohl explizit wie auch implizit, Wortschatzförderung im Unterricht zu betreiben. Gerade zum Start eines neuen Schuljahres lassen sich die nNachfolgenden Ideen wunderbar etablieren. sind hierbei alsDiese sind natürlich als Inspirationen zu verstehen und keinesfalls abschließend zu betrachten.

Erstens: Geduld und Kontinuität

Wortschatzförderung im Unterricht erfordert ein hohes Mass an Geduld und Kontinuität, sowohl von Seiten der Lehrperson wie auch auf Seiten der Lernenden – und zwar auf allen Stufen und in sämtlichen Settings. Es ist hilfreich, sich dabei als Lehrperson ab und zu zu vergegenwärtigen, dass Wortschatzförderung niemals abgeschlossen ist, sondern dass es sich dabei vielmehr um einen fortdauernden Prozess handelt. Angefangen werden kann dabei zum Beispiel mit dem regelmäßigen Vorlesen im Unterricht. Was auf unteren Schulstufen durchaus noch gängige Praxis ist, nämlich das tägliche Vorlesen beispielsweise im Morgenkreis, verliert auf der Mittel- und Oberstufe leider zunehmend an Bedeutung. Das muss nicht sein. Vorgelesen zu bekommen kann in jedem Alter reizvoll sein und bei regelmäßiger Durchführung kann der Wortschatz so nahezu nebenbei gefördert werden. 

Zweitens: Sprechanlässe schaffen

Hand in Hand mit dem Wortschatz geht die Fähigkeit, sich selbst sprachlich, hier konkret mündlich ausdrücken zu können. Neben den Kompetenzen des Hörverstehens, des Schreibens und des Leseverstehens gehört auch das Sprechen im (Sprach-)Unterricht zu den Kernkompetenzen. Daher erscheint es, wenn auch teilweise etwas zeitaufwendig, als absolut sinnvoll, wenn im Unterricht in unterschiedlichsten Kontexten Sprechanlässe geschaffen werden. Besonders bieten sich hier Sprechimpulse an, die auf die Erlebniswelt der Lernenden zugeschnitten sind. Dabei kann es sich um absolut banale Themen handeln wie die Erlebnisse des letzten Wochenendes oder um komplexere Thematiken, bei welchen beispielsweise das Für und Wider eines Sachverhaltes gegeneinander abgewogen werden muss. Ebenfalls interessant sind in diesem Zusammenhang beispielsweise auch Bildkarten, die Sprechimpulse liefern können.

Drittens: Handlungen sprachlich unterstützen

Das sprachliche Begleiten der eigenen Handlungen durch die Lehrperson darf als Chance zur Vergrößerung des Wortschatzes nicht außer Acht gelassen werden. Gerade auf der Unter- und Mittelstufe beobachten die Lernenden sehr genau sämtliche Handlungen, die die Lehrperson im Klassenzimmer vornimmt. Wenn diese sich nun sprachlich jeweils dazu äußert, was sie gerade tut, hilft dies besonders Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache ihren Wortschatz zu erweitern und zu vertiefen. So kann die Lehrperson beispielsweise ihre Handlungen kommentieren, wenn sie mit Kreide an die Tafel schreibt, die Tintenpatrone in ihrem Füller wechselt oder mit Hammer und Nagel ein Bild im Klassenzimmer aufhängt. Besonders zu Beginn mag dies für die Lehrperson etwas befremdlich sein, doch der Wert (nicht nur) für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund kann enorm sein.

Um zum Schluss nochmals die Wichtigkeit der Wortschatzarbeit hervorzuheben, soll nochmals betont werden, dass es fast keine schulische und nur wenige außerschulische Situationen gibt, in denen das Sprachverständnis und somit der Wortschatz keine absolut zentrale und unabdingbare Rolle spielt. Eine Investition in die Wortschatzförderung lohnt sich definitiv!

Chantal Daniela Horst


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