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Zeit erleben

Weihnachten feiern mit Schülern mit Förderschwerpunkt GE

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine ganz besondere Zeit — für Schüler im Förderschwerpunkt GE aber nur (be-)greifbar, wenn diese Zeit mit ganz praktischen, ritualisierten Aktivitäten verknüpft wird.

Zeit erleben: Weihnachten feiern mit Schülern mit Förderschwerpunkt GE Mit Knete ein Weihnachtsbild zu gestalten bringt vielen Schülerinnen und Schülern Spaß © ChristArt - stock.adobe.com

Glänzende Kinderaugen, schöne Geschenke und wohlige Gemütlichkeit unterm Christbaum — das Weihnachtsfest ist mit ziemlich vielen Vorstellungsbildern befrachtet. Vor allem für Kinder entsteht hier schnell ein Konglomerat an Bräuchen, Erwartungen und Wunschbildern, welche schwer zu überblicken sind. Nach dem Sinn von Weihnachten befragt, vermischen sich Krippenspiel mit Christbaum und Geschenkeschlitten, Adventskalender, Weihnachtsmann und Rentier. Nicht nur Schülern im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung fällt das Verstehen des Freudenfestes im Sinne der Erwartung mitunter schwer.

Der Religionsunterricht thematisiert im kirchlichen Jahreskreis Weihnachten als einen Höhepunkt mit dem Advent als Warte- und Vorbereitungszeit. Auch im Schulleben und überhaupt in der ganzen Umgebung eines Kindes bietet das Weihnachtsfest vielfältige übergreifende Anknüpfungspunkte zum Thema Zeit. Der Religionsunterricht kann dann eine sehr wertvolle Stütze sein, um die emotionale Stärkung durch den Glauben spüren zu können. Dort werden schwierige Symbole und Gleichnisse gedeutet und auf eine nachvollziehbare Ebene gebracht.

Zeit in Echtzeit erlebbar machen

Doch darüber hinaus wird diese Jahreszeit für Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung noch aus einem anderen Grund wichtig: Zeit als komplexes Geschehen ist oft wenig greifbar. Denn Zeit ist kein Objekt zum Anschauen, man kann die Zeit nicht anfassen. Sie strukturiert und rhythmisiert jedoch unser Leben, hält uns in Spannung und ist ein wesentlicher Ordnungsfaktor für das Zusammenleben. Die Zeitmessung gehört zu den wichtigen Orientierungshilfen in unserem Kulturkreis. Das menschliche Zeitempfinden beruht auf subjektiven Bedürfnissen wie Schlaf, Hunger oder Durst.

Das Zeiterleben entwickelt sich dann, wenn Regelmäßigkeiten mit kurzen Abständen wahrgenommen werden, z. B. wiederkehrende Ereignisse eines Tages. Die weitere Entfaltung von Zeitbewusstsein geschieht durch sich wiederholende Zeitpunkte, z. B. Festtage im Jahreskreis wie eben Advent und Weihnachten. Für einen Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist eine solche jährliche Wiederholung jedoch oft sehr abstrakt und „weit weg“. Er braucht darum die Möglichkeit, zeitliche Abläufe quasi „in Echtzeit“ aktiv mitzugestalten, Reihenfolgen selbst festzulegen, an Planungen mitzuwirken. Dadurch werden zeitliche Strukturen besser überblickt, Zeitabschnitte geplant und Zeit für sich persönlich erfolgreich genutzt.

Ritualisierte Lernangebote zum Thema Zeit

Ein vielsinniger, ganzheitlicher Zugang über die Wahrnehmungskanäle bietet im Themenkreis Weihnachten eine sehr gute Möglichkeit, den religiösen Inhalt adäquat mit fächerübergreifenden, ritualisierten Lernangeboten zum Thema Zeit erfahrbar zu machen.

Dabei empfiehlt sich ein projektorientiertes Vorgehen, bei dem unterschiedliche Aspekte verschiedener Fächer über das Thema Weihnachten inhaltlich gebündelt werden können:

Stellt man beispielsweise eine große Schuladventsfeier in Aussicht, kann man mit mehreren Sachunterrichtseinheiten im Advent darauf hinarbeiten und diese dann an dem Tag vor den Weihnachtsferien zusammenführen.

Weihnachtswerkstatt mit allen Sinnen:

  • Die Schüler arbeiten an verschiedenen Stationen zu weihnachtlichen Bräuchen, beispielsweise Orangen mit Nelken spicken (riechen), eine Adventskerze gestalten (sehen) und eine Stick-Karte mit einem Sternmotiv besticken (spüren).
  • Auch die Herstellung von Geschenkpapier, Weihnachtskarten und Geschenkanhängern mit unterschiedlichen Drucktechniken findet stets großen Anklang.
  • Für den Klassen-Adventskalender können eigene Kalenderschachteln, Kalenderumschläge oder Geschenktütchen hergestellt werden, in denen die jeweilige Adventsüberraschung von der Lehrkraft versteckt wird.
  • Die Schüler können eigene Materialien für eine thematische Lerntheke entwickeln, z. B. ein Weihnachtsduft-Memory mit unterschiedlichen Riechdosen wie Orangenduft, Zimt, Anis, Nelken oder Vanille.
  • Auf der Grundlage einer batteriebetriebenen Lichterkette können sie eine weihnachtliche Lichterdekoration entwerfen und gestalten.
  • Ein beliebtes Geschenk für die Eltern sind die selbstgefertigten Teebeutel mit getrockneten Kräutern aus dem Schulgarten, ein Stern-Teelichthalter oder eine Schneekugel mit einem Foto des Schülers.
  • Weihnachten im Schuhkarton bietet die Möglichkeit, eigene kleine weihnachtliche Dioramen und Spielszenen zu kreieren, bei denen die Schüler sich etwas länger mit einem Thema auseinandersetzen, z. B. die Darstellung von Buchszenen.
  • Auch Weihnachts-Elfchen als Gedichtform, Klanggeschichten oder Musikprojekte befassen sich fächerübergreifend mit zeitlich passenden Aspekten.

So können Schüler nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch fächerübergreifend in der Vorweihnachtszeit auf das Hochfest vorbereiten. Dabei können auch Schüler nicht-christlichen Glaubens gut einbezogen werden. In Zusammenarbeit mit den Fach- und Religionslehrern wird im fächerübergreifenden Rahmen ein ganzheitlicher Unterricht gestaltet, der für alle Schüler passende Lernangebote bereithält.

Claudia Omonsky

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