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Schülerfilm

Wie Ihr Unterricht ganz großes Kino wird!

Schule ist langweilig? Falsch! Sie ist sogar filmreif: Wenn Sie mit Ihren Schülern Filme drehen, lernen die einiges dazu — über den Unterrichtsstoff und über den Umgang mit digitalen Medien.

Schülerfilm: Wie Ihr Unterricht ganz großes Kino wird! Warum den Unterrichtsstoff nicht einmal filmisch umsetzen? Das ist für das Lernen der Schüler eine große Bereicherung © tayindigo - Fotolia.com

Lehrer zerbrechen sich oft den Kopf darüber, wie sie ihren Schülern den Umgang mit Medien beibringen sollen. Und die Schüler? Die tragen ein regelrechtes Film-Equipment mit sich herum: Smartphones, Tablets, Digitalkameras. Sie fotografieren und filmen in ihrer Freizeit. Aber wissen die Schüler, richtig mit den Medien umzugehen?

Mit einem einfachen Trick können Sie Ihren Schülern einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien vermitteln und gleichzeitig Ihren Unterricht zu ganz großem Kino werden lassen: Lassen Sie einen Film drehen! Wenn die Schüler selbst einen Film drehen, steigern sie ihre Medienkompetenz — und setzen sich zugleich intensiv mit dem Unterrichtsstoff auseinander. Doch nicht nur das: Wie am Filmset auch, ist beste Teamarbeit gefragt. Die Schülergruppen erweitern beim Film-Dreh ihr Verständnis von Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Kinderleicht einen Film drehen

Lehrer, die ohnehin zu wenig Zeit haben, um alle Aufgaben des Schulalltags zu erledigen, schlagen jetzt vielleicht die Hände über dem Kopf zusammen: 30 Schüler mit Smartphones, Tablets und DigiCams drehen in meinem Unterricht einen Film? Sie werden es nicht glauben, aber mit diesen fünf Schritten ist das ganz einfach:

1.    Die Schüler haben das Equipment im Gepäck

Sie müssen nicht, wie noch vor 15 Jahren, ihren Schülern erklären, wie eine Filmkamera funktioniert. Heute kann jeder sein Handy oder Tablet schnell in die Hand nehmen und eine Videoaufnahme machen. Die Schüler haben, ohne es zu wissen, schon viel Know-how eines Regisseurs. Mit Videoportalen wie Youtube,  Vimeo oder Vine können sie ihre eigenen Videos veröffentlichen und auch die Videos anderer Do-it-yourself-Filmer ansehen. Wer in diesen Portalen viele Klicks ernten will, muss sich ins Zeug legen, denn die Konkurrenz ist enorm. Sie werden staunen, wie fit ihre Schüler sind, wenn sie einen „seriösen“ Film drehen müssen. Die Sache hat gleich zwei praktische Lerneffekte: Die Schüler üben, bewusst mit den diversen Medien umzugehen. Und Sie erfahren, was ihre Schüler schon alles darüber wissen (und was nicht).

2.    Die wichtigsten Filmbegriffe auf einen Blick

Sie müssen kein Steven Spielberg sein, um einen Schülerfilm zu drehen. Ein Kurzfilm von zwei bis drei Minuten Länge genügt, um eine interessante Geschichte zu erzählen. Mit nur wenigen Kniffen kann sich das Ergebnis sehen lassen. Die Sendung „Planet Schule“ des WDR hat die wichtigsten Filmbegriffe schülergerecht aufbereitet. Ralph Caspers erklärt in einem 15-minütigen Web-Video, welche Kameraperspektiven es gibt, wie man Licht setzt und wie man die Szenen schneidet. Ihre Schüler (und Sie selbst) können mit diesem Video einiges dazu lernen. Mit einem Quiz zum Video können sie das Filmwissen spielerisch verfestigen.  

3.    Jeder  Unterrichtsstoff ist filmreif!

Aber welcher Unterrichtsstoff eignet sich überhaupt, um ihn filmisch umzusetzen? Ist es möglich, das Buch zu verfilmen, das Sie gerade im Unterricht behandeln, ein historisches Ereignis darzustellen oder ein aktuelles Thema dokumentarisch aufzugreifen?

Ein Schülerfilm macht all das möglich. Wenn die Schüler ein Thema filmisch erarbeiten, sind sie voll und ganz bei der Sache – und verinnerlichen den Unterrichtsstoff ganz nebenbei. Dabei müssen sie sich ganz zentrale Fragen stellen: Was ist für den Zuschauer besonders interessant? Was steckt alles hinter den Ereignissen, über die wir einen Film drehen? Was ist das Wesentliche des Unterrichtsstoffes und wie lässt es sich verdeutlichen und in ein anderes Medium (als zum Beispiel ein Buch) überführen?

Nur wer das Thema gut recherchiert bzw. den Unterrichtsstoff gut verstanden hat, kann auch einen spannenden Film drehen. Damit die Schüler eine genaue Vorstellung entwickeln, wie der Film aussehen sollte, sollten sie zunächst ein Exposé schreiben (eine kurze Zusammenfassung des Filminhalts) oder ein sogenanntes Storyboard, das heißt eine Art Bilderfolge wie bei einem kleinen „Comic“, die die Geschichte und Einstellungen des Films skizziert.

Weiterführendes Material:

Arbeitsmaterialien für den Unterricht finden Sie hier.

Materialsammlung zum Kongress „Kino macht Schule“.

4.    Teamarbeit ist gefragt

Ein Film ist immer Teamarbeit. Am besten bilden sie Gruppen von drei bis fünf Schülern. Wichtig ist, das jeder Schüler eine Expertise bekommt: Wer kann die Kamera halten, ohne dass sie wackelt? Wer sagt an, welche Szene als nächstes gedreht wird? Wer sind die Schauspieler oder wer führt ein Interview mit jemandem? Aufgaben wie diese stärken ein Team enorm und sorgen für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Ihre Schüler werden schnell merken: Nur wenn sie zusammenarbeiten, entsteht am Ende ein Film.

Während der Dreharbeiten werden ihre Schüler merken, dass es nicht so einfach ist, die Realität mit Medien abzubilden. Mit dem Ergebniss, dass sie künftig Beiträge oder Serien im Fernsehen und Internet genauer hinterfragen werden. Zudem können Sie während der Dreharbeiten die Medienkompetenz ihrer Schüler gezielt ansprechen: Was sollte man filmen und was nicht? Was erzielt welche Wirkung? Was ist zu privat und was ist von öffentlichem Interesse?

5.    Die Szenen schnell und einfach schneiden

Ist der Fuilm im „Kasten“, muss er auch geschnitten werden. Sie benötigen dafür kein kompliziertes und teures Schnittprogramm. Der kostenlose Windows Movie Maker genügt schon, damit Ihre Schüler die wichtigsten Szenen ihres Schülerfilms aneinanderreihen können. Sie können die Filme aber auch auf einem Tablet schneiden, mit kostenlosen Apps wie iMovie (iOS) oder VivaVideo (Android).  

Wenn Sie häufiger Filme drehen und bearbeiten wollen, lohnt es sich, auf dem Klassencomputer eine Videobearbeitungssoftware wie Magix zu  installieren. Magix hat verschiedene Softwarepakete entwickelt, die sich an Grund-, Haupt- und Realschulen oder Berufsschulen richten. Die sind zwar kostenpflichtig, bieten aber mehr Möglichkeiten. Neben Videoschnitt können Schüler mit Magix auch Fotos bearbeiten oder Sound- und Webdesigns erstellen.

Dass das Filmschneiden nicht mal eben schnell gemacht werden kann, begreifen die Schüler schnell. Sie lernen in erster Linie, geduldig zu sein, denn beim Schnitt müssen sie aussortieren, welche Szenen sie wirklich zeigen wollen und welche nicht. Das ist zum einen Fleißarbeit, zum anderen führt es die Schüler zur Frage: Was ist in den Medien inszeniert und was nicht? Eine Kernfrage in Sachen Medienbildung und -kompetenz.

Ananda Bräunig

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