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Lernimpuls

Wimmelbilder als Möglichkeit der Sprachförderung

Wimmelbilder bieten einen großen Anreiz, auf visuelle Entdeckungsreise zu gehen. Sie fördern dabei sowohl die Wahrnehmung als auch die sprachlichen Kompetenzen der Schüler.

Lernimpuls: Wimmelbilder als Möglichkeit der Sprachförderung Auf einem Wimmelbild gibt es viel zu entdecken. Das motiviert Schüler, sich mitzuteilen und darüber zu sprechen © levelord/Pixabay

Da — ich habe die Schatztruhe gefunden!“, ruft der Junge begeistert, nachdem er eine Weile intensiv auf das Wimmelbild mit der Pirateninsel geschaut hat. Und das war gar nicht so einfach, denn auf der großformatigen Illustration „wimmelt“ es buchstäblich nur so von Details. Man muss schon ganz genau hinsehen und betrachten, um alles zu entdecken. Auch wenn sich die einzelnen Bilder oft auf eine einzige Szene beschränken bzw. sich mit nur einem Leitmotiv befassen („Auf dem Bauernhof“, „Auf der Baustelle“), so werden viele verschiedene Gegenstände, Situationen, Personen und Sachverhalte, kleine Szenen und Blickwinkel gleichzeitig in Aktion gezeigt. Darum sind Bücher mit Wimmelbildern sehr gut geeignet, um mit Schülern auf ganz unterschiedlichem Lesenlernniveau zu üben.

Übungsszenarien

Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit: Es werden Ausschnitte der alltäglichen Umwelt dargestellt, zum Beispiel „In der Küche“ oder „Im Garten“. Damit regt das Wimmelbild dazu an, bekannte Sinnzusammenhänge zu erkennen und logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Das Lesen wird durch die Illustrationen provoziert, sodass die kognitiv-sensorische Funktion gefördert wird. Bewusstes Betrachten schult die visuelle Differenzierungsfähigkeit. Die Bilddarstellungen zeigen Dinge und Personen auf unterschiedlichem Abbildungsniveau (von sehr konkret bis hin zu comic-artig und abstrakt), sodass die Schüler lernen, unterschiedliche Bildleseformen zu bewältigen. Dabei kann die Lehrkraft beobachten: Kann sich der Schüler den Abbildungen zuwenden, zeigt er Aufmerksamkeit und Neugier? Kann er visuelle Eindrücke überhaupt aufnehmen (= Sehen) und diese differenzieren? Kann er Abgebildetes in unterschiedlicher Form, Lage oder Größe wiedererkennen und erfassen? Kann er visuelle Darstellungen speichern und in unterschiedlichen Raum-Lage-Darstellungen wiedererkennen? Auf spielerisch-motivierende Weise können all diese Fähigkeiten mit dem Einsatz von Wimmelbildern geübt werden.

Internet-Tipp:

Unter dem Link findet man eine gute Zusammenstellung an interessanten Wimmelbild-Links.

Sprachförderung durch Wimmelbilder: Wimmelbilder bieten zahlreiche und vielfältige Fördermöglichkeiten für sprachheilpädagogische Kontexte. Das Gesehene bietet einen großen Anreiz, es zu beschreiben bzw. zu benennen und ist daher sehr sprachintensiv. So können sie mit Blick auf bestimmte Übungen zu Mundmotorik, Aussprache oder Wortschatz gewählt werden. Aber auch die Förderung des allgemeinen Sprachverständnisses findet einen hohen Schwerpunkt, z. B. durch eine klare Lehrersprache oder die Hinzunahme realer Gegenstände. Als Einstieg in eine thematische Unterrichtsreihe kann ein Wimmelbild dazu anregen, die Vorkenntnisse der Schüler zu erforschen. Besonders für Schüler mit Deutsch als Zweitsprache eignen sich Wimmelbilder gut, um schnell und alltagsnah neue Wörter zu erlernen. Darüber hinaus fördern Aufgaben, die zu einem gemeinsamen Wimmelbild gelöst werden, die Kooperation von zwei oder mehreren Schülern. Sie können helfen, nicht nur sprachliche Barrieren zu überwinden.

Förderung von Zahl- und Farbbegriffen: Mit spielerischen Übungsformen werden Zahlbegriffe eingeübt und wiederholt, zum Beispiel: „Wie viele Hunde sind im Bild / Finde drei Kinder.“ Auch die Farbbegriffe können motivierend gestaltet werden, z. B. „Ich sehe was, das du nicht siehst und das ist blau“ oder „Wo hat sich der grüne Drache versteckt?“ Und schließlich die Kombination aus beiden Aspekten, z. B.: „Suche vier grüne Äpfel / Wie viele Piraten mit rotem Hut findest du.“ Es ist möglich, manche Wimmelbilder auch in schwarz-weiß auszudrucken, sodass die Schüler diese dann selbst bemalen können.
Die Schüler können zudem eigene Rechengeschichten finden und diese als Sachaufgabe formulieren, z. B.: „Frau Müller kauft 3 Bananen und legt sie in den Einkaufskorb. Eine davon gibt sie ihrem Enkel. Wie viele bringt sie nach Hause?“

Präpositionen üben: Im Wimmelbild ist es sehr wichtig, den genauen Ort identifizieren und beschreiben zu können. Darum kann man sehr gut Präpositionen damit üben, z. B. durch Fragen: „Wo ist der Kind mit dem Eis in der Hand?“ — „Es steht vor der Eisdiele.“

Wortschatzförderung: Mithilfe eines passenden Wimmelbildes wird der neue Wortschatz geübt: Wie heißt der Gegenstand / die Person/ das Ding? Wer kann anhand einer Beschreibung ein Ding finden (z. B. „etwas zum Anziehen, gelb, kurze Ärmel = T-Shirt)? Wie genau sieht das Ding aus (Beschreibungen üben)? Wer findet zuerst alle neuen Wörter im Wimmelbild (Wortgruppen)? Wer kann mit einem Klebezettel die neuen Wörter an die passende Bildstelle hängen und sie so beschriften (Schreiben)? Wer kann alle neuen Wörter sortieren (Grammatik)?

Handlungs- und produktionsorientierter Deutschunterricht: Beim kreativen Schreiben kann ein Wimmelbild als Schreibanlass zugrunde gelegt werden. Aufgaben leiten sich aus dem Bild ab, zum Beispiel: „Überlege eine passende Überschrift zu dem Bild“, „Schreibe eine Geschichte zu diesem Bild-Ausschnitt“, „Stell dir vor, du warst gestern auf diesem Bauernhof und beschreibe deine Erlebnisse“, „Über was unterhalten sich diese beiden Personen? — Schreibe den Dialog auf!“ Da es inzwischen viele Wimmelbilder auch online gibt, kann auch die Arbeit am Computer damit implizit geschult werden.
Für Wimmelbild-Profis gibt es Fehlersuchbilder, bei denen auf einem von zwei identischen Wimmelbildern kleine Fehler eingearbeitet werden, welche dann durch genaues Hinsehen entdeckt werden müssen.

Der Einsatz von Wimmelbildern im Unterricht kann vielfältig und mit unterschiedlichen didaktischen Zielsetzungen erfolgen. Darum sind sie für einen differenzierten Sprachunterricht sehr gut geeignet.

Claudia Omonsky

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