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Partnerarbeit

Zu zweit geht´s leichter!

Partnerarbeit ist ein erster Schritt auf dem Weg zu selbstverantwortlichem Lernen. Je nach Leistungsvermögen der Schüler helfen klare Strukturen und gelenkte Formen dabei, Selbstständigkeit und soziale Kompetenz zu fördern.

Partnerarbeit: Zu zweit geht´s leichter! Klar strukturierte Vorgaben — auch mithilfe von Symbolen — unterstützen die Schüler, gemeinsam an einer Aufgabe zu arbeiten © Syda Productions - Fotolia.com

Sie suchen nach Organisationsformen für einen schüleraktiven Unterricht? Ihre Klasse ist aber noch nicht „bereit“ für die anspruchsvolle Sozialform der Gruppenarbeit? Dann kann der Einsatz von Partnerarbeit ein Schritt zu kooperativem und gleichzeitig selbstverantwortlichem Lernen sein.

Partnerarbeit als Sozialform des Unterrichts nimmt eine Zwischenstellung zwischen Einzel- und Gruppenarbeit ein. Dadurch, dass sich Schüler auf die Zusammenarbeit mit nur einem statt mehreren Partner konzentrieren können, ist die Situation übersichtlicher und strukturierter als in einer Gruppenarbeit, ein Einüben in kooperatives Arbeiten kann leichter gelingen. Dies macht den Einsatz von Partnerarbeit gerade im Unterricht mit lernschwachen und verhaltensauffälligen Schülern attraktiv.

Neben der Förderung von Selbstständigkeit und eigenverantwortlichem Arbeiten steht gleichberechtigt die des sozialen Lernens. Hier spielen u.a. die Sensibilität für den Lernprozess des Partners sowie das Erleben von gegenseitiger Unterstützung und Arbeitsteilung eine wichtige Rolle.

Kriterien für Zusammensetzung der Teams

Im Rahmen der Partnerarbeit arbeiten zwei Schüler relativ eng zusammen. Es gibt weder die ruhige und gesammelte Atmosphäre der Einzelarbeit, in der ohne die Notwendigkeit (manchmal konfliktträchtiger) sozialer Kontakte gearbeitet werden kann, noch besteht wie in der Gruppenarbeit die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und die Arbeit ein Stück weit den anderen zu überlassen. Die Zusammensetzung der Partnerteams kann dabei nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen: 

  • Soziale Kriterien: Kommen die beiden Schüler gut miteinander aus? 
  • Differenzierung: Können Partner mit gleichem oder ähnlichem Leistungsstand sinnvoll zusammenarbeiten oder aber im Rahmen eines „Helfersystems“ auch unterschiedlich leistungsstarke Schüler ein Team bilden, in dem einer den anderen unterstützt.

Es kommt auf die Tiefenstrukturen an

Literatur zum Thema:

Häußler, Michael: Unterrichtsgestaltung im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Stuttgart 2015

Betritt man ein Klassenzimmer und sieht jeweils zwei Schüler an einem Arbeitsplatz an einem gemeinsamen Arbeitsauftrag arbeiten, ist sofort klar: Hier findet Partnerarbeit statt. Ebenso klar scheint zu sein, dass Partnerarbeit eine gute Sache ist, denn der Lehrer verzichtet zumindest zeitweise auf Frontalunterricht und gibt der Schüleraktivität freien Raum.

Doch die Gleichung „Partnerarbeit = guter Unterricht“ geht nicht zwangsläufig auf. Bei genauerem Hinsehen wird man feststellen, dass es weniger auf die äußeren Unterrichtsstrukturen, die sogenannten „Sichtstrukturen“ (vgl. Kunter, Mareike / Trautwein, Ulrich: Psychologie des Unterrichts. Paderborn 2013, 64 ff.) ankommt. Vielmehr sind es die sogenannten „Tiefenstrukturen“, die innere Seite des Unterrichts, welche darüber entscheiden, ob die Schüler aus der Partnerarbeit wirklich etwas mitnehmen. Tiefenstrukturen entscheiden über die Qualität des Unterrichts: wenn die Arbeit störungsfrei läuft und der Lehrer den Überblick über das Geschehen hat, die Aufgabenstellungen anregend und damit kognitiv aktivierend sind und die Schüler durch passende Strukturierungsmaßnahmen geleitet werden. Dies ist gerade bei lernschwachen Schülern, die auf einen sich durch den Unterricht ziehenden „roten Faden“ in hohem Maße angewiesen sind, ungemein wichtig. 

Klar strukturierte Partnerarbeit — ein Beispiel

Ebenso wie Einzelarbeit kann Partnerarbeit in den meisten Phasen einer Unterrichtsstunde eingesetzt werden. Besonders geeignet sind dabei Lernsituationen, in denen zwei verschiedene Aufgabenstellungen das Geschehen strukturieren. Diese Struktur kann der Lehrer aufgreifen und hervorheben und den Schülern jeweils ihren Platz und ihre entsprechenden Aufgaben darin zuweisen. Sind die Schüler in dieser Arbeitsform noch ungeübt, erhalten sie Symbole oder Abbildungen, die ihren Arbeitsauftrag verdeutlichen. Weiterhin kann man die Arbeitsplätze der Schüler farbig („Zuerst ist immer gelb dran, dann blau“) oder mit Ziffern kennzeichnen.

Lernsituation Funktion der Partnerarbeit Aufgabe 1 Aufgabe 2
Experiment –
Schwimmen und Sinken
Erarbeitung –
Durchführung eines Versuchs
Schüler 1 probiert, indem er verschiedene Gegenstände in das Wasserbecken gibt

Symbol „Hand“

Schüler 2 protokolliert mithilfe eines Protokollbogens

Symbol „Stift“

Handlungseinheit –
Wir topfen eine Pflanze um
Vertiefung nach einer Phase der Erarbeitung im Klassenunterricht Schüler 1 verbalisiert

Symbol „Mund“

Schüler 2 führt jeweils einen der zuvor gemeinsam erarbeiteten Handlungsschritte aus.

Symbol „Hand“

Deutsch / Lesen:
sinnentnehmendes Lesen eines Textes
Sicherung – Überprüfung des Sinnverständnisses Schüler 1 liest von einem Kärtchen eine Frage zum Text vor.
Er sieht nach der Antwort von Schüler 2 auf der Rückseite nach, ob die Antwort richtig war.

Symbol „Lesen“ (Buch) oder Symbol „Fragen“ (Fragezeichen)

Schüler 2 beantwortet die Frage.

Symbol „Antworten“ (Ausrufezeichen)

Einführung eines Regelspiels –
Erkunden des Spielmaterials
Vorbereitung einer Arbeitsphase Schüler 1 entnimmt der Spieleschachtel ein Stück des Spielmaterials.

Symbol „Hand“

Schüler 2 versucht, es zu beschreiben oder zu benennen
oder
Schüler 2 sucht Kärtchen mit dem passenden Begriff.

Symbol „Mund“ oder Symbol „Lesen“ (Buch)

Dies sind stark strukturierte und gelenkte Formen von Partnerarbeit, die für Schüler mit geistiger Behinderung insbesondere in der Phase der allmählichen Einführung dieser Sozialform hilfreich sein können. Bei zunehmender Selbstständigkeit und wachsender sozialer Kompetenz der Schüler können allmählich auch offenere Formen mit eher entdeckendem und problemlösendem Charakter erprobt werden.

Michael Häußler

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