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Resilienz fördern

15 Tipps, um motiviert und stark den Lehrer-Alltag zu meistern

Lehrer arbeiten häufig am Limit: psychisch wie physisch. Mit einem 15-Punkte-Plan gelingt es, wieder ins berufliche und persönliche Gleichgewicht zu kommen und die eigene Gesundheit zu stärken.

Resilienz fördern: 15 Tipps, um motiviert und stark den Lehrer-Alltag zu meistern Herausforderung - den Arbeitsalltag positiv gestalten © ArtFamily - stock.adobe.com

Die Schule ist ein Arbeitsplatz, an dem Kommunikation, Interaktionen, Edukation und Emotionen eine große Rolle spielen. Diese Tatsache bedeutet, dass ein Lehrer heute vielfältige Fähigkeiten braucht, um seinen Beruf auszuüben. Und Schule braucht diese Lehrer, die motiviert sind, Schule weiterzuentwickeln und um Kinder und Jugendliche nach heutigen Maßstäben zu fordern und zu fördern. Denn Lehrer zu sein ist ein äußerst anspruchsvoller und auch ausfüllender Beruf, der sehr viel Freude machen kann.

Durch die hohe Anforderung jedoch an sozialer, bürokratischer und interaktiven Bildungsarbeit, hat sich eine enorme Mehrfachbelastung entwickelt. Daraus resultieren verschiedene Krankheitsbilder psychischer und psychosomatischer Natur. Viele Lehrer klagen über Schlafstörungen, Nacken-, Rücken- oder Kopfschmerzen und leiden an Depressionen und Angstzuständen. Nicht selten kommen Grübeleien am Abend, Konzentrationsschwierigkeiten oder ein gestörtes Selbstwertgefühl vor. „Psychische und psychosomatische Erkrankungen kommen bei Lehrkräften häufiger vor als in anderen Berufen, ebenso unspezifische Beschwerden wie Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Angespanntheit.“ (vgl. Deutsches Ärzteblatt Int 2015; 112(20)) 

Die Belastungssituationen sind vielfältig

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Belastungen. Durch Inklusion, Schwerpunktschulen und Migrationsproblematik ist der psychoemotionale Druck auf Lehrer jedoch gestiegen. Die Trennung von Freizeit und Beruf ist oftmals nicht möglich. Ein großer Teil der Arbeit findet zu Hause statt, Anrufe von Kollegen und Eltern sind fast alltäglich und belastende Situationen von und mit Schülern schleppen viele Lehrer rund um die Uhr mit sich herum. Abschalten fällt vielen schwer. Zumal der Zeitaufwand für zusätzliche organisatorische und verwaltungstechnische Tätigkeiten oder außerplanmäßige Aufgaben enorm groß ist. Es macht sich zuweilen Frust auf der ganzen Linie breit, zumal auch die Anerkennung für Geleistetes zu wünschen übrig lässt. Die Liste möglicher Belastungsmomente ist lang — Sie kennen das.

Hilfen zur psychischen Gesundheit

In therapeutischen Berufen sind Supervisionen für den Therapeuten stets angedacht, in Kliniken sogar selbstverständlich. Der Lehrer heute ist nicht nur Pädagoge und Wissensvermittler, sondern auch Familienberater, Psychologe, Sozialarbeiter, Konfliktmanager und Bürokrat. Eine Supervision für Lehrkräfte, die berufliche Anforderungen und persönliche Wünsche reflektiert, ist jedoch nicht vorgesehen. Dabei wäre eine Implementierung von Maßnahmen zur Erhaltung psychischer und physischer Gesundheit von Lehrern und Lehrerinnen eine absolute Notwendigkeit.

Hilfe zur Selbsthilfe bietet der folgende 15-Punkte-Plan, um physischen und psychischen Belastungen zu begegnen und sie im besten Fall zu reduzieren:

  • Kollegiale Fallberatung: Einzelne Fälle werden in regelmäßigen Abständen im gesamten Kollegium oder in der Stufenkonferenz vorgestellt und besprochen. Belastende Probleme mit Schülern können dadurch besser verarbeitet und gemeinsame Lösungen gefunden werden. Nach einem angeleiteten Einführungsseminar kann das Kollegium die Methode der Fallberatung allein durchführen. 
  • Supervision: Mithilfe von geladenen Supervisoren (im Fortbildungsrahmen) können Konflikte innerhalb eines Kollegiums besprochen und bearbeitet werden. Probleme mit Kollegen oder der Schulleitung sind oftmals sehr belastend und beeinträchtigen in hohem Maße die Kraft und die Lust an der Arbeit.
  • Transparenz innerhalb des Kollegiums: Neben dem fachlichen Gespräch ist ein pädagogischer Austausch unter den Kollegen von großer Bedeutung. Lehrer sind in der Regel Einzelkämpfer, da sie meist auch allein vor der Klasse stehen. Ein regelmäßiger Austausch bei pädagogischen Problemen kann sehr entlastend sein.
  • Etablieren von Tandem-Modellen: Wenn ein Lehrer einen steten Konflikt mit einem Schüler hat, hilft ein Kollege und berät den Betroffenen, damit er besser mit dem Schüler umgehen kann. Wenn es möglich ist, kann hier auch Teamteaching helfen.
  • Andere Gestaltung der Pausen: Besprechen Sie in Ihrem Kollegium, ob Sie die Pausen anders gestalten können, zum Beispiel durch das Nutzen von speziellen, besonders gestalteten Räumen, in die Sie sich in der Pause zurückziehen können. Die Aufsichtszeiten können möglicherweise auch anders organisiert werden.
  • Entspannungsübungen oder Meditation: Gönnen Sie sich regelmäßig Ruhephasen zu Hause, in denen Sie meditieren oder Entspannungsübungen machen. Yogakurse oder PMR (Progressive Muskel Relaxation) Kurse finden Sie sicherlich auch in Ihrem Wohnumfeld.
  • Achtsamkeit: Tägliche Achtsamkeitsübungen helfen, innere Ruhe und mehr Konzentration zu gewinnen. (siehe Lehrerbüro, Angela Hentschel: „12 Tipps, wie Sie mit Achtsamkeit den Schulalltag meistern.“) Regelmäßige Atemübungen lassen Sie entspannter und geduldiger in den Tag gehen.
  • Unterstützung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit: Holen Sie sich Hilfe, wenn die physische oder psychische Belastung überhandnimmt. Auch in Bezug auf belastende Situationen mit schwierigen Schülern, ist eine frühzeitige interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Therapeuten, Jugendamt oder Ärzten äußerst sinnvoll und entlastend.
  • Aufteilung der zusätzlich anfallenden Aufgaben: Versuchen Sie, notwendige zusätzliche Aufgaben auf mehrere Personen zu verteilen. Für bestimmte Bereiche kann es Gremien geben, die sich mit diesen Aufgaben befassen.
  • Feedback für jeden: Geben Sie sich gegenseitig im Kollegium häufiger ein positives Feedback, wenn Ihnen etwas aufgefallen ist. Sie werden es von außen kaum erhalten und können sich so innerhalb des Kollegiums positiv unterstützen.
  • Zeitmanagement: Ein gutes Zeitmanagement hilft Ihnen, dass sich Aufgaben nicht auftürmen. Wenn es Ihre Zeit erlaubt, planen Sie Unterricht frühzeitig und erledigen Sie Aufgaben nach einer geregelten Struktur. Gut vorbereitet in eine Schulwoche zu gehen, nimmt enorm viel Druck. 
  • Lachen ist die beste Medizin: Versuchen Sie, häufig mit Ihren Schülern und Kollegen zu lachen. Es gibt sicher immer wieder Anlässe. Eine positive Grundeinstellung schafft Reserven und neue Motivation.
  • Sport und Ernährung: Viel Bewegung und frische Luft schaffen einen Ausgleich zu den hochkonzentrierten und angespannten Phasen in der Schule. Finden Sie Ihre Sportart, die Ihnen Spaß macht. Ebenso ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung äußerst wichtig.
  • Gespräche: Suchen Sie sich Gesprächspartner, um Ihren Frust oder die Belastung auch verbal zu verarbeiten. Ein sozial stabiles Umfeld ist ein wichtiger Faktor, um sich stets neu auszurichten.
  • Dialogging: Dialogging (entwickelt von Ern und Dorothee Urban Jacoby, Luxemburg) ist eine Methode, die Balance zwischen Körper, Psyche und Geist zu erlangen. Das ursprünglich kilometerlange Wandern und Reden, lässt sich auch auf kurze Strecken zu Hause übertragen. Beim zügigen Walken können Sie mit einem Gesprächspartner in den Dialog gehen. So können Sie über Probleme reden, während Sie laufend in Bewegung und an der frischen Luft sind. Dies ist eine einfache Möglichkeit, Anspannung und Frust abzubauen und wirkt sehr befreiend. Zudem entschleunigt die Anstrengung des intensiveren Gehens ganz natürlich das Denken und kurbelt die Puls-Atmungs-Frequenz an.

Wenn es Ihnen möglich ist, einige dieser Anregungen im Alltag umzusetzen, ist der Weg zur Salutogenese und einer psychisch gesunden Lebensweise geebnet. Lassen Sie übermäßige Belastungen nicht zum Dauerstress werden und reagieren Sie schnell bei den ersten Anzeichen körperlicher oder psychischer Symptome. Frühe Prävention im Vorfeld ist allemal gesünder, als eine späte Reaktion, wenn die Krankheitsbilder schon zu erkennen sind. Lernen Sie „Nein“ zu sagen und geben Sie sich die Chance, Perfektionismus und Engagement auf eine gesunde Ebene zu bringen. Vor allem verlieren Sie nicht Ihre Sicht auf die schönen und positiven Seiten des (Lehrer-) Lebens.

Angela Hentschel

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