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Doppelbelastung

Der Lehrerberuf zwischen Familie und Schule

Ob Grundschule oder Ganztagsunterricht - Eltern wissen ihre Kinder lückenlos gut versorgt. Während sie arbeiten gehen, sind es die Lehrkräfte, die sich sorgsam um die Schüler kümmern. Doch wie steht es mit der Familienfreundlichkeit der Schule, wenn Lehrer selbst eine Familie gründen?

Doppelbelastung: Der Lehrerberuf zwischen Familie und Schule Für Kinder ein Vorteil: Lehrer sind als berufstätige Eltern häufig zu Hause © Monkey Business - Fotolia.com

Gutes Gehalt, viele Ferien, zahlreiche Teilzeitstellen: Der Beruf des Lehrers gilt in der Gesellschaft als besonders lukrativ und auch als ausgesprochen kinder- und familienfreundlich. Und tatsächlich: Wie Hochschulprofessoren können Lehrer, einmal fest angestellt oder gar verbeamtet, mit einem angemessenen Einkommen und einer hohen beruflichen Sicherheit rechnen. Zahlreiche Lehrer gehen relativ regelmäßigen Arbeitszeiten nach und haben durch unterrichtsfreie Nachmittage und Ferienzeiten die Möglichkeit, ihre Arbeit auch am heimischen Schreibtisch zu erledigen.
   
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille: Der Schulalltag zeigt sich in vielerlei Hinsicht äußerst unflexibel. Lehrer müssen täglich pünktlich vor ihrer Klasse stehen, auch wenn am Morgen Diskussionen mit dem jugendlichen Sohn anstanden, während seine kleine Schwester sich weigert, ihre Schuhe anzuziehen. Zahlreiche Unternehmen hingegen bieten ihren Mitarbeitern durch Gleitzeitregelungen und durch die Möglichkeit, sich bei Bedarf ein paar Tage frei zu nehmen, einen hohen Grad an Spontaneität. Dieser Aspekt kommt dem Familienleben deutlich entgegen.

Die Arbeitsverhältnisse im Schuldienst, gerade für Berufseinsteiger, werden außerdem zunehmend unsicherer. Lehrer sind in der Schule einer starken sozialen und psychischen Beanspruchung ausgesetzt, zu deren Bewältigung nur wenige Unterstützungsangebote wie Supervisionen, Coachings oder Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Das Abschalten fällt entsprechend schwer, so dass Probleme aus der Schule in die Familien der Lehrer getragen werden.

Wie alle anderen berufstätigen Eltern sind auch Lehrer mit Kind Arbeitnehmer, die die Anforderungen ihres Arbeitgebers mit der Familie vereinbaren müssen: Schulbehörden, Direktoren und Lehrerkollegen erwarten, dass Mütter und Väter während der Arbeitszeit voll verfügbar sind. Auf der anderen Seite fordern auch die Kinder und Jugendlichen die Präsenz der Eltern ein.

Eigene Ansprüche neu justieren

Berufstätige Eltern müssen die Bedürfnisse des Arbeitgebers und die der Familie im Blick haben und sich oftmals kompromissbereit zeigen. Ein Lehrer mit Kleinkind kommt nach einer anstrengenden Nacht erschöpft in die Schule und kann den Bedürfnissen der Schüler nicht so gerecht werden, wie er es von sich selbst erwartet. Der morgendliche Abschied vom weinenden Kind fällt schwer und plagt das Gewissen der berufstätigen Eltern.

Umso wichtiger ist es, dass sie sich frühzeitig und konkret Gedanken über ihre Prioritäten bei der Gestaltung ihres beruflichen und familiären Alltags machen. Als formulierte Kriterien sollten sie ihr individuelles Konzept aufstellen, das den Rahmen für das eigene Handeln bilden kann und dazu dient, verbindliche Absprachen mit den an Entscheidungen Beteiligten zu treffen, zum Beispiel mit Arbeitgebern, Kollegen und Familienmitgliedern. Sowohl das Bewusstsein über die eigenen Bedürfnisse als auch die getroffenen Absprachen sind eine elementare Voraussetzung, um im Alltag wie in Krisensituationen sicher und schnell Entscheidungen fällen zu können.

Grenzen ziehen für den Arbeitsalltag

Lehrer führen ihre Berufstätigkeit zu Hause fort. Nachmittage und Abende, Wochenenden und Ferien dienen dazu, den Unterricht vorzubereiten, Klassenarbeiten zu korrigieren und Schulveranstaltungen zu organisieren. Für die Familie sowie für die Kinder und Jugenlichen kann darin ein Vorteil liegen, dass die berufstätige Mutter oder der berufstätige Vater häufig zu Hause präsent sind. Die Lehrer selbst, die ihre Arbeit bewältigen müssen, stellt diese Konstellation der Heimarbeit hingegen vor besondere Herausforderungen. Um sich konzentrieren und Arbeiten stringent erledigen zu können, müssen sie Grenzen ziehen. Sowohl das Aufstellen von Verhaltensregeln für die Kinder und Jugendlichen als auch das Einrichten eines festen Arbeitsplatzes zu Hause, erleichtern die Trennung zwischen Privat- und Berufsleben.   

Trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten, die der Lehrerberuf mit sich bringt, sollte nicht in Vergessenheit geraten: Sowohl das Lehrerleben als auch das Elterndasein sind Energie raubend wie gleichermaßen bereichernd. Von den Kompetenzen, die sich in den Rollen als Mütter und Väter entwickeln, profitieren Lehrer und umgekehrt. Das sollten nicht nur der Arbeitgeber und die Familie, sondern vor allem aber auch die Lehrer selbst wahrnehmen und würdigen.

Janna Degener

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