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Anleitung zum Glücklichsein

Mit Yoga die geistige und körperliche Entwicklung fördern

Inklusions- und Förderschulen entdecken die heilsame Kraft von Yoga. Warum Kinder und Jugendliche es lieben, Lehrkräfte darauf schwören und wie Sie eine Yoga-Session am besten gestalten, lesen Sie hier.

Anleitung zum Glücklichsein: Mit Yoga die geistige und körperliche Entwicklung fördern Draußen oder im Klassenraum: Yoga fördert die Entwicklung © pololia - stock.adobe.com

Immer häufiger bieten Förder- oder inklusive Schulen Yoga an. Oft sogar als eigenes Unterrichtsfach, das fest im Stundenplan verankert ist. Warum ist das so? „Im Yoga fördern wir die Kinder auf vielerlei Ebenen“, sagt Yogalehrerin und Sozialpädagogin Sandra Walkenhorst im Interview auf der Website PLUS.Kinderyoga.de. Sie arbeitet seit 20 Jahren an einer Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. 

Ihre Erfahrung: Yoga stärkt insbesondere die sogenannte „Tiefensensibilität“; das ist der sogenannte „sechste Sinn“ mit dem wir „Haltung, Bewegung oder Lage“ unseres Körpers im Raum wahrnehmen (vgl. die hier verlinkte Website dasgehirn.info). Dabei vermitteln uns unsere „Propriorezeptoren“ z. B., ob wir stehen, sitzen, liegen oder laufen und wo und in welcher Haltung sich welche Körperteile gerade befinden.

Yoga verbindet außerdem kognitives und körperliches Training. Das ist eine optimale Mischung, um auch die exekutiven Funktionen zu fördern, also die geistigen Fähigkeiten, „die das menschliche Denken und Handeln steuern“. Näheres dazu auf der Website znl-fex.de und im Beitrag „Konzentration lässt sich gezielt trainieren“ ). Zudem stärkt Yoga die Fantasie und das Selbstvertrauen. Und auch die Resilienz, also die seelische Widerstandskraft, wächst durch Yoga mit Kindern und Jugendlichen. 

Es gibt also viele gute Gründe, um besonders im Förderbereich Yoga zu praktizieren. Die folgenden Anregungen und Übungsideen aus der Praxis helfen Ihnen dabei.

Ein ritualisierter Ablauf gibt Kindern Sicherheit

Auch Katja Engelbrecht arbeitet an einem Förderzentrum mit den Schwerpunkten geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung. Jeden Freitag freuen sich ihre Schülerinnen und Schüler auf die Yogastunde bei ihr, die sie „im Stundenplan nicht mehr missen“ möchten.

Zunächst begrüßt die Yoga-Lehrerein jedes Kind einzeln und heißt es willkommen. Danach widmen sich die Yoga-Übungen „einem ganz bestimmten Thema“: Da steht etwa ein jahreszeitlicher Bezug wie z. B. „Halloween“ oder „Sommertag“ im Fokus der Stunde; vielleicht drehen sich die Yoga-Elemente aber auch ganz allgemein um „Hände und Füße“ oder um das Thema „Kreativität“. 

Frau Engelbrecht erklärt die Übungen, die Kinder machen sie nach. Leistungsdruck gibt es dabei nicht: Jeder und jede macht es so gut wie möglich. „Mal mit mehr Hilfe, mal mit weniger, mal mit gar keiner“ (ebd.) Wichtig ist nur, dass sich alle auf die Übungen einlassen, und das gelingt ihnen „richtig gut“, sagt Frau Engelbrecht. Jede Stunde endet mit einer Entspannungsphase, bei der regelmäßig Klangschale, Klangstäbchen oder Meditationsmusik zum Einsatz kommen.

Yoga-Stunden gemäß dem „Yoga-Prinzip“ gestalten

In der Förderschule Dahlener Straße ((   fos-dahlener-strasse.de   )) in Mönchengladbach praktizieren überwiegend „Schülerinnen und Schüler der Berufspraxisstufe und Oberstufe“. Sie beginnen mit „einer Anfangsentspannung, dem bewussten Atmen in verschiedenen Körperlagen“. Danach eine Aufwärmphase mit „unterschiedlichen Bewegungsabläufen, den Sonnengrüßen“, bevor dann die „eigentlichen Körperstellungen“, die sogenannten „Asanas“ geübt werden. Auch hier schließt jede Yogastunde mit einer „Abschlussentspannung“, und wenn genügend Zeit ist, geben die Kids der Lehrkraft noch ein kurzes Feedback und sagen, wie es ihnen während der Übungen ergangen ist oder wie sie sich aktuell fühlen. 

Ob beim Yoga mit den Größeren oder bei den spielerischen Übungen im Kinder-Yoga, immer sollten die Übungseinheiten dem „Yoga-Prinzip“ entsprechen. Dabei erfolgen in einer bestimmten Reihenfolge „Anspannung und Entspannung“, „Bewegung und Ruhe“ sowie „Zeit zum Nachspüren“ (ebd.). Die richtige Mischung für Ihre Lerngruppe erzielen Sie durch Kombination der verschiedenen Yoga-Elemente: 

  • statische Yogastellungen („Asanas“), die auch „in dynamische Bewegungsabläufe eingebaut werden können“
  • Atemtechniken („Pranayamas“) und
  • Entspannungsübungen wie Körperreisen, Fantasiereisen, Muskelentspannungen oder Meditation. (Ebd.)

Praktische Übungen für jede Lerngruppe

Ein reichhaltiges Repertoire an differenzierten Übungen für jede Unterrichtssituation bietet die Website yoga-vidya.de. Das „Beispiel für ein (...) Yogaprogramm in Schulen“ gibt Ihnen ein einfaches Raster für eine Kinderyoga-Übungsreihe an die Hand: Anfangsentspannung – Atemübung – Asanas/Yogastellungen – Entspannung. Mit den zahlreichen praktischen Übungen auf der Seite gestalten Sie dann die einzelnen Stundenphasen einer kompletten Yoga-Session oder auch einfach kurze Übungsphasen zwischendurch. Immer zugeschnitten auf Ihre Schülerinnen und Schüler bzw. auf die jeweilige Unterrichtssituation. Hier ein paar Beispiele:

  • Wenn die Klasse eher müde und lustlos ist, starten Sie bei der Anfangsentspannung mit einer aktivierenden Übung, z. B. mit der Gorilla-Übung: Dabei trommeln sich die Kinder auf die Brust und brüllen laut wie der Menschenaffe. 
  • Ist die Klasse aufgeregt, „coolen“ Sie die Kinder mit einer Übung zur Tiefenentspannung oder einer Meditation herunter. 
  • Spüren Sie Spannungen, fragen Sie die Kinder im großen Kreis der Reihe nach, wie es ihnen in diesem Augenblick geht (ein kurzes Statement!) usw. Oder die Kinder agieren sich bei einem Ankommensspiel aus.
  • Für konzentrationsfördernde Pausen zwischendurch eignen sich Stilleübungen.
  • Und wer Yoga im Sportunterricht einsetzen möchte, findet auf der Website Sportpädagogik-online gute Anregungen und Links. Zum Beispiel die Praxistipps mit Übungen auf der Website mobilesport.ch mit Poster und Arbeitsblättern zur Einführung der Yoga-Positionen und mit gezielten Übungen zur Dehnung, zur Kräftigung der Bauchmuskulatur, zur Stärkung des Gleichgewichts, zur Regeneration etc. 
  • Für yoga-Newcomer oder Lernende mit Förderschwerpunkt motorische Entwicklung und Bewegung finden Sie auf der Website geo.de die sehr einfachen aber „besten Übungen für eine gesunde Kindheit“. Und auch die Website familienleben.ch gibt Ihnen gute Anregungen für heterogene Kinder- oder Jugend-Yoga-Gruppen. 

Last but not least sei Ihnen hier noch das Video „Bewegtes Lernen in der Schule“ auf der Website Yoga-vidya.de wärmstens empfohlen. Hier demonstriert Sozialpädagogin Jutta Madhavi Anders in einem Workshop für Lehrende eine exemplarische Kinder-Yoga-Übungseinheit. Und sie erzählt von ihrer Arbeit mit Grundschulkindern in Nachmittags-AGs auf freiwilliger Basis (ab min. 8:56): Erstaunlicherweise kämen dort „viele auffällige Kinder“ oder solche, „die frustriert sind“ und „sich einfach einmal einen Raum suchen, wo sie mal nicht bewertet werden, wo sie Erfolgserlebnisse haben“. Es sind genau die Kinder, die sonst oft Schule schwänzen, die früher da sind und länger helfen „beim Aufbauen und Abbauen“. „Und das ist so wunderbar“, sagt Frau Anders. Sie würde sich „wünschen, dass Yoga flächendeckend in die Schulen kommt.“
 

Martina Niekrawietz


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