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Selbstorganisation

Selbstfürsorge: Wie das Arbeitszimmer dabei helfen kann

Die Trennlinien zwischen Privatleben und Beruf verwischen außerhalb der Schule leicht.  Ein bedürfnisgerechtes Arbeitszimmer und Selbstdisziplin helfen dabei, entspannter den Lehrerberuf zu meistern.

Selbstorganisation: Selbstfürsorge: Wie das Arbeitszimmer dabei helfen kann Ein gemütliches Arbeitszimmer, in dem man sich gern aufhält, lässt die Arbeit leichter von der Hand gehen © dusanpetkovic1 - stock.adobe.com

Wir alle wissen: Lehrersein ist nichts für Feiglinge. Aber seien wir ehrlich, mit vielen Wochen Ferien im Jahr ist es kaum verständlich, dass Lehrerkollegen massenweise so ausdauernd über die Arbeitsbelastung stöhnen. Es kommt mir fast vor, als gehöre es inzwischen zum „guten Ton“ unter Lehrern, über die übermäßig großen Belastungen zu schimpfen. Da wird am Sonntag bis in den Abendkrimi hinein offenbar schwer gearbeitet. Aber fragt man genauer nach, stellt sich heraus, dass dafür am Donnerstagnachmittag das Kaffeedate mit der Kollegin dran war, schließlich musste man das gute Wetter ausnutzen.

Entwickeln wir Lehrer da blinde Flecken? Handelt es sich nicht eher um eine flexible Verschiebung der normalen Arbeitszeit, die nur nicht objektiv wahrgenommen wird? An welcher Stelle vermischen sich Berufliches und Privates? Man gerät unmerklich an eine schwammige Grenze von Arbeit und Vergnügen, wenn man daheim am Rechner noch mal schnell bei Ebay reinschaut, statt das Arbeitsblatt für morgen fertigzustellen. Andererseits ist es ebenso eine Binsenweisheit, dass Lehrer irgendwie nie fertig sind mit der Arbeit. Es gibt immer noch etwas zu tun, zu optimieren und zu erledigen. Termine und Gespräche können nicht wahllos verschoben werden, das Schuljahr folgt einem bestimmten Rhythmus, der einem damit auch einen gewissen Arbeitsrhythmus aufdrängt.

Die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen

Die große Freiheit, einen Teil der täglichen Arbeit zu Hause flexibel erledigen zu können, kann Fluch und Segen zugleich sein. Es ist gar nicht so einfach, hier diszipliniert und mit klarem Blick auf die eigene Kraft zu bleiben. Und nicht wenige Lehrerkollegen berichten, dass genau diese Selbstorganisation ihnen besondere Mühe bereitet.

Um an dieser Stelle gut für sich selbst sorgen zu können, ist es wichtig, sich mit der Trennung von Arbeit und Privatleben einmal intensiver auseinanderzusetzen. Nicht nur für Schüler, Eltern, Kollegen und Vorgesetzte bereitzustehen, sondern auch mit sich selbst fürsorglich und wohlwollend umzugehen, ist eine Kunst. Die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und dann in der Folge auch ernst nehmen, sich selbst pflegen und auf sich achtgeben will gelernt sein. Die konsequente Trennung von Arbeit und Privatleben hilft, den natürlichen Rhythmus von Anspannung und Entspannung zu behalten und in die notwendige Regeneration zu finden.

Arbeits- und Privatraum unbedingt trennen

Der Ort, an dem sich die Bereiche überschneiden, ist das häusliche Arbeitszimmer. Die wenigsten Lehrer haben in der Schule die Möglichkeit, sich effizient und vollständig vorzubereiten, sodass man zu Hause meist nicht wenig Raum für den passenden Arbeitsplatz einräumt. „Die Arbeit mit nach Hause nehmen“ ist in anderen Berufen verpönt. Lehrer machen dies zwangsläufig und buchstäblich. Wenn wir also aus der Schule nach Hause kommen, dann ist eben nicht erstmal Feierabend, dann geht es dort nach einer kürzeren oder längeren Pause weiter — ohne Zeitlimit, ohne Kontrolle von außen. Wir nehmen das Arbeitszimmer als Ort wahr, an dem wir selbst die Grenze setzen müssen. Doch wann ist es genug, wann ist man „für heute fertig“? Lehrer, die ihre Arbeitsutensilien dann auch noch im ganzen Privatbereich verstreuen („Ausschneiden kann ich auch vor dem Fernseher.“), tun sich umso schwerer, die Trennung von Arbeit und Privatem zu schaffen. Man stolpert dann buchstäblich über die Arbeit, egal was man gerade zu Hause tut. Und beim Abendessen sieht man plötzlich noch einen Stapel Arbeitsblätter herumliegen: „Ach ja, ich wollte ja noch ...“

Hilfreich ist eine sehr bewusste und klare Trennung zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Äußere Faktoren wie Arbeitskleidung ablegen oder die räumliche Entfernung vom Arbeitsplatz dienen normalerweise als ritualisierte Schwellen, die man sich als Lehrer erst selbst schaffen muss. Dann kann man sich innerlich vom Arbeitsdenken auf den Freizeitmodus einstellen.

Schon beim Überschreiten der Türschwelle des Arbeitszimmers kann man sich selbst programmieren und dies sehr bewusst tun. Wer in sein Arbeitszimmer hineingeht, geht dahin, um dort eine Zeitlang ausschließlich zu arbeiten — nicht im Internet surfen, nicht bügeln, nicht die Wäsche zusammenlegen. Das Arbeiten im Arbeitszimmer kann man vorplanen und dorthin auch schon alles mitnehmen, was man in der nächsten Stunde braucht, z. B. eine Tasse Kaffee. So entfällt der Grund, nach wenigen Minuten wieder aufzustehen, das Zimmer zu verlassen (ergo die Arbeit zu unterbrechen) und bei der Gelegenheit schnell noch ... Man kennt das. Dafür bleibt der übrige Privatbereich frei von Arbeitsutensilien.

Auch Störungen von außen sollte man möglichst vermeiden. Die Familienmitglieder haben am Ende mehr davon, einen nicht dreimal zu unterbrechen, sondern zu warten, bis man wirklich fertig ist. Innerer Druck entsteht unterschwellig auch dann, wenn man jede Sekunde mit einer Störung rechnen muss. Man arbeitet entspannter, wenn man weiß, dass jetzt eine gewisse Zeit in Ruhe zur Verfügung steht.

Ordnung im Arbeitszimmer entspannt

Beide Lebensbereiche — Arbeit und Privatleben — verdienen eine fürsorgliche und liebevoll gestaltete Umgebung. Ebenso wie die Wohnung behaglich und den persönlichen Neigungen entsprechend eingerichtet ist, sollte auch das Arbeitszimmer den eigenen Bedürfnissen folgen. Viele Kollegen berichten, dass sie zu Beginn der Ferien regelmäßig ihr Arbeitszimmer ausmisten und so richtig gründlich Ordnung schaffen. Die äußere Ordnung hilft auch zur inneren Ordnung. Man kann viel entspannter die Ferienzeit genießen, wenn man „reinen Tisch“ gemacht hat.

Vielleicht möchten Sie die nächsten Ferien dazu nutzen, das eigene Arbeitszimmer wieder einmal kritisch zu durchforsten? Dann helfen folgende Fragen und Impulse weiter (vgl. Thurid Holzrichter: Selbstfürsorge als Basis der Lehrergesundheit. Strategien, Tipps und Praxishilfen. Mülheim an der Ruhr 2016, S.117 ff.):

  • Bin ich im Arbeitszimmer wirklich ungestört? Ist es vom übrigen Wohnraum getrennt? Ist es dort ruhig? Halten sich die anderen Familienmitglieder an meine Arbeitszeiten?
  • Passen die Möbel in meinem Arbeitszimmer zu meinen Bedürfnissen? Habe ich einen Tisch, der groß genug ist und richtig zum Licht steht? Ist der Schreibtischstuhl bequem? Gibt es einen Lesesessel, Sitzball oder andere bequeme Möbel für abwechslungsreiches Sitzen? Wäre ein Stehpult gut für meinen Rücken? Habe ich ausreichend Regal- und Schrankplatz? Benötige ich einen kleinen Bastelbereich? Gibt es ein dienstliches Telefon?
  • Habe ich ein gutes Ordnungssystem? Finde ich die passenden Ordner im Regal und auf dem Computer? Wie ist die Ablage meiner Arbeitsblätter?
  • Gibt es kleine Dinge, die mich erfreuen wie Blumen, Bilder, Fotoalben, Erinnerungen an Erfolge? Fühle ich mich wohl in meinem Arbeitszimmer und bin gern dort?

Das private Arbeitszimmer stellt eine Brücke zwischen Arbeit und Freizeit dar, sodass man als Lehrer immer wieder für eine klare Zuordnung der Bereiche sorgen muss. Eine systematische Ordnung im Arbeitszimmer wie auch der gewisse Wohlfühlfaktor hilft, die innere Ordnung beim Arbeiten beizubehalten. Als Vorbereitungsort ist es die Basis für guten Unterricht und darum besonders wichtig für die eigene Kreativität.

Claudia Omonsky

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