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Gesundheitsvorsorge

Was tun bei Krätze?

Eine längst verschwunden geglaubte Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch: die Krätze. Wer gut informiert ist, kann sich und die Schüler schützen und weiß im Infektionsfall, welche Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen sind.

Gesundheitsvorsorge: Was tun bei Krätze? Nicht jeder Juckreiz muss gleich Krätze sein, man sollte es jedoch abklären lassen © miamariam - stock.adobe.com

Ich glaub‘, ich krieg die Krätze“ — das sagen wir, wenn wir eine Situation so unangenehm finden, dass wir es kaum aushalten. Die wenigsten wissen, wie es sich wirklich anfühlt, wenn sich die etwa einen halben Millimeter großen Krätzmilben unter der obersten Hautschicht kleine Gänge bahnen und dort Kot und Eier ablegen: Es juckt und zwar extrem.

Jetzt ist die Krätze, lateinisch in eingedeutschter Schreibung „Skabies“, wieder auf dem Vormarsch, wie das MDR-Magazin BRISANT am 26.06.18 berichtete. Bereits im Sommer 2018 verzeichnete die Barmer-Krankenkasse bei der Verordnung von Krätze-Medikamenten „Steigerungen von 40 bis 100 Prozent“ quer über alle Bundesländer und Bevölkerungsschichten. In Schleswig-Holstein waren es sogar fast 130 Prozent, und in Nordrhein-Westfalen stiegen bereits im Jahr 2013 die Zahlen der Skabies-Erkrankungen in den größeren Städten deutlich an.

Woher kommt das? Woran erkennen Sie eine Infektion? Und wie beugen Sie einer Ansteckung vor? Vor allem aber: Was ist zu tun, wenn Sie oder Ihre Schüler sich die kleinen Plagegeister eingefangen haben?

Verändertes Krankheitsbild

Die Skabies-Milbe war in Deutschland nie wirklich ganz verschwunden. Der Anstieg der Infektionen in den letzten 5 Jahren kann verschiedene Gründe haben: Ob auch die Flüchtlingsbewegungen dazu beigetragen haben, wie die AfD glauben machen möchte, ist fraglich. Bei Geflüchteten sei zwar „die Skabiesquote (...) etwas höher als bei den Bundesbürgern“, dafür seien sie jedoch „im Durchschnitt jünger und immunstärker, sodass die üblichen Kontakte in den Flüchtlingsheimen in der Regel nicht ausreichen, um eine Infektionswelle loszutreten“, erläutert Wissenschaftsjournalist Jörg Zittlau in der WELT.

Dermatologe Bernhard Korge von der Universität Köln beobachtete, dass die Milbe „in den letzten Jahren unauffälliger arbeitet“ als vorher, berichtet Zittlau. Das klinische Erscheinungsbild „ähnle jetzt mehr dem Hautekzem“. Deshalb vergehe auch mehr Zeit bis zu einer zutreffenden Diagnose und adäquaten Behandlung. Die Skabies-Milben können sich dann länger ungehindert ausbreiten.

Symptome bei Krätze

Juckreiz und Brennen der Haut sind „häufig erste Anzeichen von Krätze“, erläutern die Autoren der Website kindergesundheit-info.de. Die Haut reagiere etwa zwei bis fünf Wochen nach einer ersten Ansteckung und bereits nach ein bis vier Tagen nach einer Wiederansteckung „mit stecknadelgroßen Bläschen, geröteten erhabenen Knötchen oder Pusteln“. Durch das Kratzen kann es auch zu eitrigen Entzündungen kommen. Bei längerem Befall entwickelt sich möglicherweise als Reaktion auf die Ausscheidungen der Milbe „ein großflächiger allergischer Hautausschlag“ (ebd.). Skabies-Milben befallen besonders „Zwischenräume von Fingern und Fußzehen, Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Brustwarzen und Genitalien“ (ebd.). Typisch seien außerdem „feine, dunkle und unregelmäßige Linien in der Haut, die aber schwer mit bloßem Auge zu erkennen sind“, so die Autoren der Website infektionsschutz.de.

Übertragung bei mehrminütigem Hautkontakt

Für den Wirtswechsel brauchen „die eher trägen Tiere“, die bei Wärme „ungewohnt mobil“ werden, einen „mehrminütigen Hautkontakt“. Deshalb überträgt sich die Krätzmilbe besonders dort, „wo Menschen eng beieinander sind, wie etwa in Pflegeheimen oder Kita-Einrichtungen“, in Schulen oder auch bei sexuellen Kontakten. (J. Zittlau in „DIE WELT“, Link s. o.))

Beim Händeschütteln oder bei einer kurzen Umarmung wird die Krätzmilbe also in der Regel nicht weitergegeben. Beim gemeinsamen Spielen, Kuscheln, bei Hilfe bei der Körperpflege oder beim Schlafen in einem Bett hingegen schon (vgl. infektionsschutz.de). Vorsicht ist auch bei der „hoch ansteckenden Form der Skabies mit starker Krustenbildung, der sogenannten Scabies crustosa (Borkenkrätze)“, geboten: Hier ist die „Anzahl der Milben auf der Haut sehr hoch“, weshalb „auch ein kurzer Hautkontakt zur Ansteckung führen kann“ (ebd.).

Werden Skabies-Milben auch über Kleidung und Gegenstände übertragen? Grundsätzlich können die Milben „noch für etwa zwei Tage in Kleidung oder Bettwäsche überleben“, eine Übertragung über „gemeinsam genutzte Bettwäsche, Decken, Polster oder durch Kleidung“ erfolgt aber selten, so die Experten auf infektionsschutz.de. Bei Scabies crustosa allerdings ist auch eine Ansteckung über gemeinsam genutzte Textilien möglich.

Schutzmaßnahmen im Vorfeld kaum möglich

Weil ja die Skabiesmilben bereits einige Wochen vor Auftreten sichtbarer Symptome übertragen werden können, ist ein vorbeugender Schutz nicht möglich. Lassen sich Körperkontakte mit Erkrankten nicht vermeiden, empfehlen die Autoren von infektionsschutz.de „langärmlige Kleidung und Einmalhandschuhe“ zu tragen. Personen mit engen Kontakten zu Erkrankten „sollten für etwa fünf bis sechs Wochen intensive Hautkontakte mit anderen vermeiden“ (ebd.).

To-dos bei Krätze in Ihrer Schule

Taucht Krätze in Ihrer Schule auf, sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden:

  1. Beim Verdacht auf Skabies oder ersten Symptomen sofort einen Hautarzt aufsuchen.
  2. Kinder oder Erwachsene, die an Krätze erkrankt sind, dürfen laut Infektionsschutzgesetz „Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen oder dort tätig sein“. Zudem ist die Gemeinschaftseinrichtung sofort „über die Erkrankung und auch über den Verdacht auf eine Erkrankung“ zu informieren (infektionsschutz.de).
  3. Für Gemeinschaftseinrichtungen besteht bei Infektion oder beim Verdacht darauf eine Meldepflicht an das zuständige Gesundheitsamt. Dieses legt dann fest, „wann Betroffene die Gemeinschaftseinrichtung wieder besuchen oder dort tätig sein dürfen“ (ebd.).
  4. Textilien und Gegenstände, mit denen erkrankte Schüler oder Erwachsene längeren Körperkontakt hatten, sollten wenn möglich bei 60 Grad gewaschen werden oder — falls nicht waschbar — bei „über 21°C in verschlossenen Plastiksäcken trocken gelagert werden“; Polstermöbel mit dem Staubsauger reinigen oder/und mindestens zwei Tage nicht benutzen (ebd.).

Behandlung mit Medikamenten

Krätze lässt sich mit Medikamenten, sogenannten Skabiziden, schnell in den Griff bekommen. In der Regel sind das — laut der Website infektionsschutz.de — Cremes, Sprays oder Salben, die über mehrere Tage regelmäßig auf die Haut aufgetragen werden. Allerdings ist hierbei große Sorgfalt und Genauigkeit erforderlich. In „bestimmten Fällen“ (infektionsschutz.de) ist auch eine Behandlung mit Tabletten möglich: Dieses Medikament enthält den Wirkstoff Ivermectin, der den Stoffwechsel der Milbe blockiert, erläutert der Dermatologe Uwe Reinhold vom Berufsverband der deutschen Dermatologen in Jörg Zittlaus Beitrag (WELT, Link s. o.). Hier genügt meist eine einmalige, auf das Körpergewicht abgestimmte Einnahme, „um binnen 24 Stunden sämtliche Parasiten zu eliminieren“ (ebd.).

Zusätzliche Hygienemaßnahmen während der Therapie

Um sich zu Hause nicht erneut anzustecken, sollte man die Fingernägel kurz schneiden, die Wohnung saugen, Bettwäsche und Handtücher therapiebegleitend täglich bei 60 Grad waschen und „getragene Kleidung sicherheitshalber zwei Wochen erst mal nicht“ anziehen, so Zittlau. Zwei Wochen nach der Behandlung sollte der Arzt noch einmal eine Kontrolluntersuchung machen. Etwa drei bis vier Wochen nach der Behandlung stößt der Körper „Überreste von Eiern und Milben ab, was zu erneuten Entzündungsreaktionen führen kann“. Hier sollte ggf. noch einmal der Arzt aufgesucht werden.

Elterninformationen in verschiedenen Sprachen

Sollte es in Ihrer oder in einer benachbarten Schule zum Ausbruch der Krätze kommen, sollte man die Eltern der Mitschüler eines erkrankten Klassenkameraden informieren. Möglicherweise erklärt sich auch das örtliche Gesundheitsamt zu einer Informationsveranstaltung für die Eltern bereit.
Übrigens: Auf der oben verlinkten Website infektionsschutz.de finden sich ganz unten Links „Bürgerinformationen“ in deutscher, englischer, französischer, türkischer, russischer und arabischer Sprache. Damit können Sie auch die Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund in Kenntnis setzen.

Martina Niekrawietz

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