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Seelenquellen

Wenn die Seele Luft holen muss

Stress und Erschöpfung können das Leben schwer machen. Wer die richtigen Seelenquellen und Entspannungsbausteine kennt, kann auftanken und mit neuer Kraft in seinen (Arbeits-)Alltag starten. Ein positives Lebensgefühl inklusive.

Seelenquellen: Wenn die Seele Luft holen muss Yoga ist eine wunderbare Methode, sich ganz bewusst zu entspannen © fizkes - stock.adobe.com

Als Lehrer kennen wir alle die anstrengenden Zeiten von Zeugnissen und Schreibkram, Elterngesprächen, schwierigen Schülern und kaputter Windschutzscheibe. Wenn viele Anforderungen auf uns einprasseln, geraten wir leicht in Stress. Dennoch schaffen Lehrer es durchaus ausdauernd, dem Stress standzuhalten. Nur manchmal fühlt es sich so an, als ob man am ersten Tag nach den Ferien eigentlich mal Ferien bräuchte. Dann macht es Mühe, morgens wieder vor die Klasse zu treten und gut vorbereitet Motivation zu versprühen. Es ist auslaugend, sich um die vermeintlichen Wehwehchen und Bedürfnisse der Schüler, Eltern und Kollegen zu kümmern, man hat das Gefühl, selbst zu kurz zu kommen.

Wer sich stark verausgabt und sich für andere einsetzt, braucht umso dringender auch Zeiten, in denen er sich ganz um sich selbst kümmern darf und soll. Wer das übersieht, gerät schnell in einen Teufelskreis an Verausgabung, Erschöpfung und schlimmstenfalls Burnout. Darum ist es besonders wichtig, sich Freiräume zu schaffen. Zeiten, in denen man ganz die Seele baumeln lassen darf und nichts tun muss. Für zielorientierte Menschen ist dies eine durchaus schwierige Übung und die Fallhöhe der täglichen Taktung kann da sehr hoch sein. Zeit mit sich selbst ohne Ziel zu verbringen, stellt sogar für manche eine Situation dar, die schnell unbehaglich oder gar beängstigend wirkt. Und genau daran erkennt man, wie dringend man sie braucht.

Entspannungsbausteine, mit denen man sich selbst hilft

Sich selbst Zeit und Raum geben, das zu tun, wonach einem gerade ist und was einem Spaß macht, ohne auf die Uhr zu sehen — hierfür sollte man sich frei machen von einer Zielvorstellung, Leistungsorientierung oder von äußeren Ansprüchen. Ohne ein schlechtes Gewissen Momente suchen, in denen niemand bestimmt, was man zu tun hat, kann ganz schön schwierig sein.

Darum hilft es, sich einige Bausteine zu überlegen, bei denen man selbst gut entspannen kann. Jeder Mensch tickt hier etwas unterschiedlich. Während die einen sich am liebsten faul auf dem Sofa hinter einem Buch verkriechen, laufen die anderen in der freien Natur einen ehrgeizigen Halbmarathon. Und beide fühlen sich hinterher großartig entspannt. Sich bewusst verschiedene Möglichkeiten zu überlegen hilft, in der Stress-Situation dann die momentan richtige auszuwählen und sie sich auch „zu erlauben“.

Literaturtipp:

Marco von Münchhausen: Wo die Seele auftankt. München 2006

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine zusätzliche lästige Arbeit: das Aufräumen und Ordnungschaffen. Aber bestimmt kennt jeder das befriedigende Gefühl hinterher, wenn man den Schreibtisch mal wieder top in Ordnung oder den Keller ausgeräumt hat. Äußere Ordnung zu schaffen, macht auch etwas mit unserem Innenleben. Man hat nicht nur faktisch reinen Tisch gemacht, sondern auch ein persönliches Erfolgserlebnis mit innerlich zufriedenstellender Wirkung geschaffen. Und manchmal hilft es, im Umfeld Ordnung zu machen, um sich auch innerlich ordnen zu können.

Wer sich erschöpft fühlt, braucht nicht nur eine seelische, sondern auch einmal eine körperliche Entspannungspause. Denn wer physisch angespannt ist, kann nicht nur seine Kraft schlechter nutzen, sondern kommt auch schwerlich innerlich bei sich an. Je größer die Anspannung, umso nötiger die Entspannung. Der natürliche körperliche Rhythmus von An- und Entspannung kommt dann nämlich zu kurz. Und auch wenn man dies eine ganze Weile kompensieren kann, so braucht der Körper schließlich doch dringend eine Entspannungsphase. Die physiologischen Parameter der körperlichen Entspannung beziehen sich auf Muskelspannung, Atmung, Puls, Blutdruck und Verdauung. Hier kann man sich einige Bausteine zur bewussten Entspannung schaffen. Die bekannten körperlichen Entspannungsübungen wie Yoga, Tai Chi oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen verhelfen besser als jeder Fernsehabend dazu. Auch ein warmes Bad, genügend guter Schlaf, Massagen und Atemübungen verhelfen zu Regeneration.

Je besser man sich körperlich fühlt, umso fitter und gesünder man ist, desto besser geht es einem wahrscheinlich auch seelisch. Darum ist Bewegung belebend und erfrischend. Wir alle wissen um die positiven physiologischen Aspekte von Bewegung wie erhöhte Sauerstoffzufuhr, Verminderung der Stresshormone, Steigerung des Umsatzes und Stressregulierung durch die Balance der Hormone Dopamin, Serotonin und Endorphin. Um alle diese Vorteile wirklich genießen zu können, sollte man sich den richtigen Sport in der passenden Umgebung suchen. Er soll Spaß machen und erholsam wirken. Wer sich in einer Muckibude quält, ohne Freude daran zu finden, erfüllt nur eine weitere Pflicht. Wer mit Spaß und Bewegungsfreude einen Sport betreibt, kommt leichter zurück in seinen Körper und damit auch in sein seelisches Gleichgewicht.

Um die Ressourcen für das innere Gleichgewicht zu stärken, helfen weitere Aspekte der Entspannung. So führt Musik und Gesang zu zahlreichen positiven Aspekten. Man weiß, dass Singen zu einer stabileren emotionalen Verfassung beitragen kann. Es hilft, Stresshormone abzubauen und Angst zu lindern. Dadurch wirkt Singen beruhigend und fördert die innere Harmonisierung. Sogar Schmerzen können damit gelindert werden. Das Summen und Tönen wird seit Urzeiten auch in der Tradition des Yoga zu Heilzwecken eingesetzt. Auch das Tanzen hat vorrangig die gleichen Wirkungen wie Musik und verbindet die Vorteile mit denen der körperlichen Aktivität. Es fördert die innere Balance, man tanzt sich „in die Leichtigkeit“, es wird sogar therapeutisch eingesetzt.

Kunst und Literatur bieten eine gute Gelegenheit, für eine gewisse Zeit ganz bei sich selbst zu sein und sich zugleich mit dem Künstler verbunden zu fühlen. Die sprichwörtliche heilsame Wirkung der Schönheit und Muse darf auf den eigenen Seelenzustand wirken. Wenn uns ein schönes Bild oder ein gutes Buch tief bewegen, hat dies etwas Erhabenes, es kann neue Sichtweisen eröffnen und sozusagen stellvertretend neue Rollen anbieten. Damit können wir auf spielerische Weise unseren Horizont erweitern. Auch der eigene künstlerische Schöpfungsprozess kann heilsam wirken. Verfolgt man ein künstlerisches Hobby, so kennt man das Aufladen der Batterien durch dessen passionierte Verfolgung.

Andere Ressourcen zur Wiedergewinnung des seelischen Gleichgewichts decken ein breites Spektrum an Möglichkeiten ab, zum Beispiel Humor, Dankbarkeit, Meditation oder Beten und Engagement für seine Mitmenschen.

Die eigenen Seelenquellen entdecken

Welche der beschriebenen Seelenquellen in uns am meisten ihre positive Wirkung entfalten, ist von Mensch zu Mensch verschieden und muss selbst erprobt werden. Nicht alle lassen sich einfach und sicher in den Alltag integrieren. Viele Menschen kennen ihre hilfreichen Ressourcen bereits sehr genau und müssen sich wiederholt darauf besinnen, diese konsequent umsetzen. Um innerlich gut auftanken zu können, empfiehlt sich einerseits, das Bekannte und Bewährte zu intensivieren, andererseits sollte man sich erlauben, auch etwas Neues auszuprobieren. Dabei geht es nicht darum, auf Anhieb das Richtige zu machen, sondern sich der Experimentierfreude hinzugeben. Dabei ist weniger oft mehr. Wer sich nicht zu viel vornimmt, vermeidet neuen Stress und kann gelassen seine inneren Ressourcen auftanken.

Claudia Omonsky

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