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3./4. Klasse

„DU DOOF?!“— neues Anti-Mobbing-Programm startet

Mobbing muss bereits in der Grundschule die rote Karte gezeigt werden. Das neue kostenlose Anti-Mobbing-Programm „DU DOOF?!“ für die 3./4. Klasse bietet ein Training mit hohem Identifikationspotenzial für die Schüler und Coaching für die Lehrer.

3./4. Klasse: „DU DOOF?!“— neues Anti-Mobbing-Programm startet Auch in der Grundschule nimmt Mobbing, auch Cybermobbing, zu. Hier gilt es, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen © Monkey Business - Fotolia.com

Vier Schüler nehmen aggressiv einen Mitschüler in die Zange: „Hei, Alter, du weißt, was jetzt kommt!“, sagt einer und rempelt ihn an. „Der sieht ja heute wieder so billig aus, die Klamotten ...“. — Viele gegen einen, mit dieser typischen Mobbingsituation startet das Musikvideo „DU DOOF?!“: Der Comedian, Moderator und Musiker Tom Lehel und die beiden angesagten YouTuber „Die Lochis“ nehmen sich in einem Rap-Song die Mobber vor. Ihre Botschaft: „Du bist ‚doof‘, wenn du andere mobbst! Hör endlich auf damit!“

„DU DOOF?!“ ist ein bundesweites, spendenfinanziertes Präventions- und Interventionsprogramm der im Mai 2018 neu gegründeten Stiftung „Mobbing stoppen, Kinder stärken!“ „Besonderes Augenmerk“ liegt dabei auf der präventiven Arbeit mit Kindern im Grundschulalter, erläutern die Autoren auf der Website der Initiative. Grundschüler werden immer häufiger zu Opfern von Mobbing. Und weil immer mehr Sechs- bis Zehnjährige ein Smartphone besitzen, nehmen auch Cybermobbing-Fälle in der Grundschule zu.

Der folgende Beitrag stellt Ihnen das Programm vor, das sich speziell an Schüler der Jahrgangsstufen 3 und 4 richtet.

Programm mit hohem Identifikationspotenzial

„Als Kind ist Tom Lehel, der Gründer der Stiftung gegen Mobbing und Cybermobbing, selbst gemobbt worden. „Ich weiß, welche schlimmen Gefühle und Ängste es auslöst“, sagt er in einem Beitrag über das neue Anti-Mobbing-Programm. Als dann auch noch sein 10-jähriger Sohn zum Opfer wurde, beschloss er, sich öffentlich gegen diese Form von Gewalt zu engagieren. Er fand für sein Projekt prominente Mitstreiter: zum Beispiel Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, Guido Cantz, Oliver Welke, DJ Bobo, Wakeboard-Weltmeister Frederic von Osten und viele weitere Stars. Sie tauchen nicht nur in dem eingangs verlinkten Video auf, sondern auch in den multimedialen Lehr- und Lernmaterialien und bieten „ein hohes Identifikationspotenzial für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer“ (Website du-doof.org, Link s. o.). Die „zeitgemäße Machart der ‚DU DOOF?!‘-Inhalte (...) gewährleistet eine hohe Akzeptanz und Wirkung“, versprechen die Initiatoren (ebd.).

Die Website im Smartphone-gerechten Design spricht Erwachsene und Jugendliche (Videos, schnelle Hilfe) gleichermaßen an, ist allerdings — im Vergleich zu Kinderseiten wie Seitenstark oder helles-koepfchen.de — nicht auf Kinder ausgelegt.

Die Schüler innerlich berühren

Grundsätzlich gilt bei der Mobbing-Intervention: Die Handlungen des Täters sind „auf´s [sic!] Schärfste zu verurteilen und zu stoppen“ (ebd.). Trotzdem fußt „DU DOOF?!“ — wie viele andere Anti-Mobbing-Programme — auf einem ressourcenorientierten „No-Blaming-Ansatz“ (Website). Dabei wird auch „den Mobbing-Akteuren (...) mit positiver innerer Haltung begegnet. Wir trennen klar zwischen Persönlichkeit und Verhalten“, so heißt es auf der Website.
Entwickelt hat das Programm die Mobbing-Expertin und Grundschullehrerin Angelika Fuchs. Ihre Überzeugung: „Lernen und Verhaltensänderung braucht ein inneres Berührt-Sein“. Bei Rollenspielen und Übungen erleben die Kinder, wie es ist, gemobbt zu werden. In der anschließenden Reflexionsphase denken sie über ihre eigenen Gefühle nach und leiten daraus ab, wie wir mit anderen umgehen sollten. Sie erkennen, was Handeln bzw. Nicht-Handeln/Zuschauen für das Opfer bedeutet und übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Tun. Auch die Stärkung des Selbstwertgefühls spielt eine wichtige Rolle: Die Kinder erproben verschiedene Handlungsoptionen, um Mobbing im Alltag selbstbewusst entgegentreten zu können.

Coaching für Lehrer und Schüler

Bei einem schulübergreifenden Einführungstag vermitteln die „erfahrenen Trainerinnen“ der Stiftung „mindestens zwei Lehrkräften bzw. pädagogischen Fachkräften“ der teilnehmenden Schulen „das Programm“, das allerdings auf der Website nicht näher charakterisiert wird. Auch über „das Lehr- und Lernmaterial“ findet sich lediglich ein recht allgemein gehaltener Satz unter dem Menüpunkt „Bewerbung“: Es „beinhaltet neben vielen Methoden (!) und Übungen auch Filme mit Beispielen und unterstützenden Lernvideos auf einem Tablet“.

Das Tablet dürfen die teilnehmenden Schulen behalten, und auch die angebotenen Webinare für die Lehrer und ein weiterer Tag mit einem Anti-Mobbing-Coach sind kostenlos. Bei dem Tag mit Coach-Unterstützung kann zwischen drei Angeboten gewählt werden:

  1. ein Aktionstag mit Tom Lehel und einem Coach für alle 3. und 4. Klassen der Schule, bei dem die Kinder „mit einem lauten Programm mit vielen leisen Zwischentönen für das Thema Mobbing sensibilisiert“ werden, Dauer 2 x 100 Min. (ebd.),
  2. ein pädagogischer Tag für das komplette Kollegium („Dauer: 9–16 Uhr“) oder
  3. ein Workshop mit den Kindern im Rahmen eines Projekttags „zum Thema Mobbing, Respekt oder einem ähnlich passenden Thema“ (Dauer: 8–13 Uhr).

Jede Grundschule kann sich ab sofort bewerben. Sobald 10 Schulen innerhalb einer Region angemeldet sind, startet das Projekt mit dem schulübergreifenden Einführungstag. — Wer es eilig hat, spricht sich also am besten mit benachbarten Schulen in der Region ab.

Fazit: noch ausbaufähig

Noch ist Mobbing in der Grundschule ein wenig beachtetes Phänomen, auf das „DU DOOF?!“ im Rahmen des Aktionstages aufmerksam macht. Wirksame Mobbing- und Gewalt-Prävention und Intervention braucht aber Kontinuität über alle Jahrgangsstufen und am besten ein wissenschaftlich fundiertes, erprobtes und evaluiertes Mehrebenen-Programm wie das von Dan Olweus, das Werner Stangl auf seiner Website kurz umreißt. In Finnland arbeiten nahezu alle Schulen mit dem Programm KiVa, das die Deutsche Schule in Helsinki auf ihrer Website näher beschreibt. Der Vorteil: Es gibt keinen Bruch am Übergang von der Grund- zur Sekundarstufe, die kongruente Anti-Mobbing-Arbeit mit KiVa begleitet — und schützt! — alle Schüler von der ersten Klasse bis zur Abschlussprüfung.

Martina Niekrawietz


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