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Sachbeschädigung

Präventionsmaßnahmen gegen Vandalismus

Wenn Schüler unbeaufsichtigt sind, steigt die Vandalismus-Gefahr. Besonders betroffen sind Außenanlagen und Schultoiletten. Die Täter entkommen meist unerkannt, die Versicherungen übernehmen die Kosten nur zum Teil. Mit Überwachungskameras versuchen Schulen, sich vor Schadensfällen zu schützen.

Sachbeschädigung: Präventionsmaßnahmen gegen Vandalismus Absperrungen allein reichen im Kampf gegen Sachbeschädigungen am Schuleigentum nicht aus © Dave Long - iStockphoto.com

Regelmäßig hatten Sprayer, Randalierer und Einbrecher an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Leverkusen immense Schäden verursacht. Das ist heute vorbei: Nach Unterrichtsschluss überwachen jetzt acht Videokameras das Gebäude und die Außeranlagen bis in die frühen Morgenstunden.

Wer sich in dieser Zeit der Schule nähert, hört aus kleinen Außenlautsprechern die Stimme des Schulleiters Guido Sattler: „Achtung, ab sofort wird aufgezeichnet. Bitte verlassen Sie umgehend das Gelände!“ Seitdem die Anlage in Betrieb ist, gab es nur noch einen einzigen Schadensfall, einen Steinwurf in eine Scheibe, berichtet WDR-Redaktion Wissen. „Wir sind am Anfang etwas ungläubig gewesen angesichts dieser Wirkung – aber wir sind natürlich heilfroh“, resümiert Sattler.

Auch Frank Wahl, der Konrektor der Gemeinschaftsgrundschule in Steinfeld Leverkusen, hatte jahrelang an seiner Schule „immer wieder mit Zerstörungen der Spielgeräte, Vandalismus, herumliegenden Flaschen, Glasscherben, Kondomen, Müll oder gar Spritzen auf den Schulhöfen und Spielflächen zu kämpfen“, wie er im Magazin „forum schule“ schildert. Zwei abschließbare Tore und zwei Außenkameras sichern seit einigen Jahren einen der beiden Schulhöfe. Vandalismus gibt es dort seither nicht mehr. Doch wie sieht es mit dem Datenschutz und den Persönlichkeitsrechten der Gefilmten aus?

Literatur zum Thema

Videoüberwachung an Schulen ist – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkt möglich. Welche gesetzlichen Regelungen sind zu beachten? Wie sind Kamera-Attrappen und Webcams aus juristischer Sicht zu beurteilen? Darüber informiert die Broschüre von Bettina Sokol „Ich sehe das, was Du so tust!“ Videoüberwachung in und an Schulen. Düsseldorf, 12/06.

In ihrer Anleitung zur Schulklosanierung gibt die Architektin Annett Wunderlich Tipps für alle, die dem gelungenen Beispiel einer Duisburger Realschule folgen möchten. Ein Foto-Tagebuch mit Statements der am Projekt beteiligten Schüler zeigt, wie viel Spaß es macht, Schule mitzugestalten.

Videoüberwachung an Schulen nur sehr eingeschränkt zulässig

„Sinnvoll ist die Video-Überwachung, wenn kein Schüler und kein Lehrer mehr auf dem Gelände ist und wenn in der Schule zuvor oft eingebrochen wurde“, betont Sozialforscher Nils Zurawski, der von 2003 bis 2007 an der Universität Hamburg ein DFG-Projekt zum Thema „Videoüberwachung“ leitete. Seiner Auffassung nach eignen sich Kameras jedoch nicht zur Bekämpfung von Vandalismus und Mobbing: Gewalt verlagere sich dann „einfach an einen Ort, an dem nicht gefilmt wird“. Zwar gehe von Kameras manchmal eine abschreckende Wirkung aus, doch dieser Effekt nutze sich schnell ab und sei sogar „ganz weg“, sobald „einmal etwas passiert ist, ohne dass es Konsequenzen hatte“, warnt der Wissenschaftler.

Auch Bettina Sokol, bis 2012 Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen, beobachtet die steigende Tendenz zur Videokontrolle an Schulen äußerst skeptisch: „Jede Videoüberwachung greift in das Grundrecht der betroffenen Personen ein, selbst über die Preisgabe und Verwendung ihrer personenbezogenen Daten zu bestimmen, und jede Videoüberwachung tangiert darüber hinaus insbesondere auch das Grundrecht am eigenen Bild der Betroffenen.“ Auch vertrage sich eine Videoüberwachung grundsätzlich nicht mit einer Erziehung im Geiste der Freiheit und Demokratie: „Dieses Ziel würde konterkariert, wenn die Schülerinnen und Schüler in bestimmten Bereichen der Schule permanent durch Videokameras beobachtet, kontrolliert und überwacht würden“. (Sokol, 2006, S. 2)

Während der Schulzeiten ist eine Videoüberwachung in Schulen daher grundsätzlich nicht zulässig. Einzige Einschränkung dieses Verbots, so Sokol: Bei „besonderen Vorfällen“ können Kameras „zur Wahrung des Hausrechts“ installiert werden, beispielsweise „wenn außerhalb des Unterrichts eine Gebäudeüberwachung sichergestellt werden soll.“ (Sokol 2013)

Verstärkte Kontrolle - Ein gangbarer Weg?

„In vielen Schulklos stinkt’s zum Himmel“ vermeldete die Sächsische Zeitung anlässlich des „Welttoilettentags“ am 18.11.2012. In Berlin zum Beispiel gehen „fast dreiviertel der Kinder möglichst nicht auf die Schultoilette (...). Einfach, weil es ihnen stinkt oder weil es eine unangenehme Situation ist, weil die Becken nicht ganz in Ordnung sind oder weil die Türen permanent geöffnet werden können“, sagt Ulrich Fegeler, Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Viele Schulen setzen auf vermehrte Kontrolle im Toilettenbereich: Lehrer verstärken dann die Aufsicht in den Sanitärräumen, an manchen Schulen sind die Toilettentüren abgesperrt und die Schlüssel hängen im Klassenzimmer. An einer Münchner Realschule bekommen die Schüler Klopapier nur gegen Pfand, nachdem zuvor mehrmals ein Klempner mit Papierrollen verstopfte Toiletten reparieren musste.

Alle diese Maßnahmen sind in der Regel mit hohem zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden. Weiterer Nachteil: Das Problem Vandalismus wird mit repressiven Maßnahmen nicht gelöst, sondern verschiebt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf andere, noch unbeaufsichtigte Bereiche.

Und Videokameras oder Kamera-Attrappen im Schulklo? Sie sind nicht zulässig, entsprechende Anlagen an einigen deutschen Schulen mussten schnell wieder entfernt werden, nachdem Eltern und Datenschützer eingeschritten waren.

Schüler bei Planung und Sanierung beteiligen

Michael Kinza, Initiator der Website schulklo.de, setzt auf eine pädagogisch motivierte Intervention. Er sieht die Toilettenräume auch als den Ort, wo Schüler Emotionen und Druck abbauen können: „In der Schule sind sie ja sonst nirgendwo alleine. Da wird auf den Seifenspender gehauen, irgendwo gegen getreten, an die Wände gekritzelt. In Prüfungszeiten nehmen diese Taten regelmäßig zu“, erklärt er im Interview mit der Sächsischen Zeitung. Schmutz und Verwüstung laden zu weiterem Vandalismus ein. Kinza rät deshalb zu dunkel gefliesten Böden, auf denen Schmutz nicht sofort sichtbar ist. Seiner Erfahrung nach wirken Waschraum und WC durch etwas diffuseres Licht freundlicher. Statt billiger Seifen- und Handtuchspender aus Plastik empfiehlt er Warmlufttrockner und stabile Seifenspender aus Edelstahl: „Die halten und sehen gut aus. Und was schön ist, wird selten kaputt gemacht.“

Kinza schlägt vor, die Schüler in Konzeption und Realisierung neuer Toilettenräume einzubinden. Das Beispiel einer Duisburger Realschule zeigt, dass es funktioniert: Aktiv beteiligten die Schüler sich an der Geldbeschaffung für neue Schultoiletten. Auswechselbare Grafitti-Flächen schützen die Wände und geben den Schülern Freiraum für Gestaltung und Gelegenheit zum Emotionsabbau. Auch in die Planung wurden sie involviert, indem sie Wünsche äußern durften, die das Planungsteam auch berücksichtigte. An drei Projekttagen halfen die Jugendlichen selbst bei der Sanierung mit. Seitdem und bis heute übernehmen sie gern Eigenverantwortung für Ordnung und Sauberkeit in den Schul-WCs.

Martina Niekrawietz

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