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Die wichtigsten Tools

Classroom-Management in der inklusiven Grundschule — so geht‘s

Ein paar wenige Tools fürs Classroom-Management sorgen für eine wohl organisierte, ruhige und vertrauensbildende Lernumgebung. So können alle Kinder gleichermaßen gut lernen und Lehrer gut unterrichten.

Die wichtigsten Tools: Classroom-Management in der inklusiven Grundschule — so geht‘s Klare Regeln bei Gruppenarbeitsphasen helfen den Schülern, konzentriert zusammenzuarbeiten © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Frank hat zum dritten Mal in den letzten zwei Wochen seine Hausaufgaben nicht gemacht. Sein Lehrer ist darüber sehr verärgert. Dennoch stellt er bei der Kontrolle Frank nicht vor der ganzen Klasse zur Rede, sondern bittet ihn zu einem Zweiergespräch. Er möchte herausfinden, woran es liegt und ob es eine Lösung für dieses Problem gibt.

Ein auf den ersten Blick kleines Problem kann sich leicht zu einem Konflikt ausweiten greift der Lehrer nicht präventiv und mit Einfühlungsvermögen ein. Das gilt in besonderem Maße für inklusive Klassen, die oftmals sehr heterogen zusammengesetzt sind. Häufig passieren viele Dinge im Unterricht gleichzeitig: Schüler, die den Ablauf bewusst stören, andere, die gerade in diesem Moment Hilfe brauchen, Spannungen zwischen zwei Schülern, die sich gerade beschimpfen. Das Geschehen im Klassenraum passiert recht schnell und verlangt, dass der Lehrer zügig eingreift und sofort den Überblick gewinnt.

Mangelnde Disziplin und Störungen auf der Beziehungsebene zu den Schülern bedeuten eine starke Belastung für Lehrer. Unangemessene Gewohnheiten sollten sich nicht einschleichen. Das Classroom-Management kann an dieser Stelle und besonders in inklusiven Klassen eine entscheidende Hilfe sein. Es bedeutet Klassenführung und unterstützt eine positive Beziehungsebene zwischen Schülern und Lehrer. In der Klasse wird gelobt und ermutigt statt getadelt und verurteilt.

Dies ist besonders wichtig bei Kindern mit Unterstützungsbedarf. Sie sind in ihrer Konzentrationsfähigkeit und ihrem Auffassungsvermögen stark eingeschränkt und verlieren schnell die Lust am Lernen. Sie brauchen besonders viel Ermutigung, einen geregelten Tagesablauf und ein geordnetes Klassenzimmer. Zu einem guten Classroom-Management gehört eine gute Unterrichtsvorbereitung und ein effektiver Umgang mit Unterrichtsstörungen. Bei einer guten Klassenführung treten Konflikte weniger auf. Das heißt für den Lehrer, ein sicheres Konzept und gute Methoden an der Hand zu haben.

Tool 1: Die Schüler genau kennenlernen

Die ersten Unterrichtswochen in einer Klasse, die ein Lehrer neu übernommen hat oder wenn er mit dem ersten Schuljahr beginnt, sind besonders wichtig. Eine gute Hilfe könnte sein, die Schülerakten im Vorfeld zu lesen. Diese Arbeit lohnt sich. So verschafft man sich einen besseren Einblick in die Lernvoraussetzungen und die sozialen Perspektiven und Hintergründe der Kinder. Die Klasse lässt sich besser überblicken und einige Fragen erklären sich schneller, wenn man die Schüler ein wenig einschätzen kann. Zum Beispiel:

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Materialien zum Classroom-Management der Pädagogischen Hochschule Freiburg finden Sie hier, wenn Sie in die Suchmaske „Classroom-Mangament“ eingeben.

Angela Hentschel: Konflikte lösen im inklusiven Unterricht. Hamburg 2014

Welche Erwartungen kann ich an die Klasse stellen? Welche Regeln will ich zuerst einführen? Wann greife ich ein? Welche Konsequenzen wähle ich bei Nichteinhaltung? Wichtig ist, bestimmte Maßnahmen in der gesamten Stufe abzustimmen, damit alle Lehrer gleich agieren.

Tool 2: Regeln und Rituale einführen

Dazu gehören zum Beispiel Rituale und Regeln, die gemeinsam im überschaubaren Rahmen aufgestellt und konsequent eingehalten werden. Der Unterricht beginnt zum Beispiel immer mit einem Morgenkreis, in dem jeder (oder eine festgelegte Anzahl von Schülern) von einem Erlebnis vom Vortag berichten kann. Dabei ist allerdings der Hinweis auf Augenkontakt und Wertschätzung des anderen, bei dem, was er erzählt, besonders wichtig. Dies schafft Ruhe und ein Wir-Gefühl.

Eine Arbeitspause wird immer mit einem Gong eingeleitet. Stört zum Beispiel ein Kind extrem den Unterricht und reagiert nicht darauf, nicht beachtet zu werden (Probleme sollten möglichst klein gehalten werden), wird sofort — wenn es möglich ist — der Unterricht unterbrochen und das Problem kurz besprochen. Gibt es keine Lösung, tritt sofort die besprochene Konsequenz in Kraft. Beispiel: Der betroffene Schüler bekommt eine kurze Auszeit im Flur, in der er sich durch Rennen abreagieren kann. Oder der Schüler darf in der „Auszeitecke“ im Klassenraum eine bestimmte Aufgabe allein bearbeiten etc.

Es gibt klare Regeln, wovon eine Regel jeden Morgen noch einmal angesprochen werden kann. In der ersten Klasse könnte jede zweite Woche eine neue dazu kommen. Die Anzahl muss allerdings überschaubar bleiben, da sie sonst die Kinder überfordern. Regeln sind beispielsweise:

  • Wir hören zu, wenn andere erzählen.
  • Wir kommen nach der Pause leise in den Klassenraum.
  • Wir schlagen niemanden, sondern versuchen, über unsere Probleme zu reden etc.

Diese Regeln hängen in der Klasse sichtbar aus. Für Schüler mit Unterstützungsbedarf sollten sie visualisiert und gut erkennbar angebracht werden. Sie nur zu besprechen reicht allein jedoch nicht aus. Sie müssen stets wiederholt und geübt werden.

Wenn Schüler einen strukturierten und auf Vertrauen basierenden Rahmen haben, lernen sie besser und gehen gern zu Schule. Der Lehrer kann durch sein konsequentes Handeln, durch Lob und Ermutigung einen motivierten Unterricht schaffen. Dazu gehören auch Abwechslung und Methodenvielfalt. Durch klare Anweisungen und eingehaltene Disziplinierungsmaßnahmen fühlen die Schüler sich sicherer und haben mehr Vertrauen.

Hierzu zählt auch ein Training kommunikativer und sozialer Kompetenzen: Wie lerne ich, Konflikte im Gespräch zu lösen? Wie kann ich Mitschülern helfen, die in einen Konflikt geraten sind? Wie bahne ich Konfliktanalysen durch Gespräche an? Hilfreich sind ein Konzept bzw. ein Maßnahmenkatalog, den alle Lehrer anwenden können, wenn Störungen oder Konflikte entstanden sind. (siehe Beispiel oben)

Tool 3: Klare Anweisungen und Erklärungen geben

Um konzentrationsschwachen Kindern zu helfen, die Aufgaben zu verstehen und zu behalten, sollten Hinweise und Arbeitsaufträge durch die Schüler verbal wiederholt werden. Erklärungen kann besser gefolgt werden, wenn sie kurz und verständlich gehalten werden. Dabei sollte ein Lehrer sich so hinstellen, dass er alles und alle im Blick hat. Werden die Kinder unruhig, sollte er sofort überprüfen, was in der Klasse passiert — und ggf. gegensteuern.

Damit Regeln und Anweisungen sich festigen, ist es ebenso wichtig, sie mit den Eltern zu besprechen. Eine vertrauensvolle, kooperative Ebene zu den Eltern unterstützt das Classroom-Management. Besonders Familien von Schülern mit Unterstützungsbedarf brauchen genaue Informationen und Anregungen, wie sie ihrem Kind helfen können, um in der Klasse zurechtzukommen. Dabei können strukturierte Pläne und klare Hinweise auf Unterrichtsmethoden und Maßnahmen helfen. Teilen Sie den Eltern ihre Maßnahmen und Regeln mit.

Tool 4: Den Klassenraum einrichten

Wenn Schüler sich wohlfühlen und sie eine gute Lernumgebung vorfinden, können sie besser lernen. Daher bringt es viele Vorteile, wenn der Klassenraum übersichtlich und strukturiert ausgestattet ist. Das hat Einfluss auf eine gute Lernatmosphäre. Das Anordnen der Schülertische und die entsprechende Sitzordnung können manchmal helfen, Konfliktsituationen vorzubeugen. Zum Beispiel:  Je nah Gruppendynamik Einzeltische, U-Formen oder Reihen zu bilden.

Es ist auch nicht immer günstig, wenn z. B. schwierige Schüler unbedingt nach hinten gesetzt werden, damit sie die anderen nicht stören. Sie sind dort mehr abgelenkt und fühlen sich allein gelassen. Hier ist eine Analyse der Klassenraumsituation hilfreich.

Im Laufe des Schuljahres kann man die Tische immer wieder verschieben, je nach Dynamik der Lerngruppe. Stehtische für Kinder, die besser im Stehen arbeiten können, sollten in jeder Klasse vorhanden sein. Je nach Fachunterricht kann die Sitzordnung für die Kinder mit Unterstützungsbedarf vollkommen flexibel sein. So können immer neue Lern- bzw. Tischgruppen entstehen.

Tool 5: Unterstützende Organisationssysteme schaffen

Schubladenschränke und für jedes Kind ein eigenes Fach sind nötig. Für die zu unterstützenden Schüler sind oft visualisierte Hinweise oder Symbole auf den Schränken hilfreich. Bei lärmempfindlichen und konzentrationsschwachen Kindern (z. B. mit ADHS), sind Kopfhörer eine gute Möglichkeit, Ablenkungen zu vermeiden.

Ein wichtiger Aspekt für selbstständiges Lernen sind unterschiedliche Lernräume, falls in der Schule genügend Räume vorhanden sind. Das sind besondere „Ecken“ im Klassenraum, im Flur oder ein anderer Raum. Für die Schüler mit Unterstützungsbedarf ist ein separater Raum, z. B. (Name selbst gewählt) die „Lernoase“ empfehlenswert. Hier können sie zu bestimmten Zeiten in Kleingruppen ihrer Beeinträchtigung entsprechend gefördert werden. Denn Kleingruppen helfen Kindern mit emotionalen Störungen und mit Lernstörungen, sich besser zu konzentrieren.

Fazit: Gutes Classroom-Management vermeidet Konflikte

Es ist heute nicht leicht, guten Unterricht zu machen und gleichzeitig die Kinder zu sozialem, konfliktfreien und kooperativem Verhalten zu erziehen. Classroom-Management ist so konzipiert, dass ein Lehrer präventiv arbeiten und viele Konflikte so vermeiden kann. Die Beziehung zu den Schülern wird besser, leichter und das Unterrichten macht wieder Spaß.

Angela Hentschel

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