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Hörbehinderung

Gebärdensprache: interessante Webangebote für Lehrer

Ob im Zuge der Inklusion in der Regelschule oder in Schulen mit Förderschwerpunkt Hören – Lehrer von Schülern mit schwerer Hörbehinderung sollten zumindest die Grundbegriffe der Deutschen Gebärdensprache kennen. Das Internet bietet Tutorials für die ersten autodidaktischen Schritte.

Hörbehinderung: Gebärdensprache: interessante Webangebote für Lehrer Es ist von Vorteil, wenn auch Lehrer Grundkenntnisse in der Gebärdensprache erworben haben © Monika Wisniewska - Fotolia.com

„Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen“ — dieses bekannte Zitat der blind-tauben Schriftstellerin Helen Keller beschreibt den Alltag vieler Menschen mit Hörbehinderung: Sie fühlen sich isoliert, weil die sprachliche Verständigung schwierig ist.

Die Lautsprache ist für sie eine Fremdsprache und die Deutsche Gebärdensprache (DGS), quasi die Muttersprache für viele Menschen mit schwerer Hörbehinderung, findet nur zögerlich ihren Weg in deutsche Klassenzimmer. Selbst an Schulen mit Förderschwerpunkt „Hören“ sind „die meisten Lehrer (…) nicht in der Lage [,] den Kindern Unterricht in der einzigen Sprache, die sie verstehen, zu geben“, bemängelt die Gebärdendolmetscherin Karin Kestner im Interview mit Forum Wissenschaft am 24.09.2012. Der Grund: Es werde „in den Universitäten nicht verlangt, dass Gehörlosenpädagogen Gebärdensprache beherrschen.“ Doch insgesamt habe sich „sehr viel verändert“ und die DGS werde zunehmend präsenter. Zum Beispiel an der Hochschule Landshut: Dort gab es — auf Anregung der Studierenden — im Sommersemester 2014 erstmals einen Gebärdensprachkurs, der auf große Resonanz stieß. (Website der Fachmesse REHACARE, Beitrag vom 07.01.2015)

Schritt 1: Das Fingeralphabet

Lektion 1 war in Landshut das Fingeralphabet, mit dem man einzelne Wörter buchstabieren kann. Einen Überblick über die Handzeichen, die mit der rechten oder auch linken Hand ausgeführt werden, bietet die Website visuelles-denken.de im Rahmen eines kleinen „Schnupperkurses“ zur Deutschen Gebärdensprache. Hier lernt man auch gleich das Handzeichen für den international üblichen Solidaritätsgruß ILY (Abkürzung für „I Love You“). Und bei You Tube findet sich ein Video zum Fingeralphabet zum Mit-Gebärden.

Schritt 2: „Schnupperkurs“ Gebärdensprache

Weiterführende Hinweise:

„Wissen macht Ah!“ erklärt in diesem kurzen unterhaltsamen Video, wie sich Gehörlose verständigen.

Ist Gebärdensprache international verständlich? Diese Frage beantwortet die ARD-Sendung „Frag doch mal die Maus“.

Ein internationales Lexikon für Gebärdensprachen in vielen unterschiedlichen Sprachen bietet das Europäische Gebärdensprachzentrum. Besonders interessant: die Möglichkeit, Wörter in unterschiedlichen Sprachen zu sehen.

Der Deutsche Bildungsserver hat zum Thema Gebärdensprache eine umfangreiche kommentierte Linkliste zusammengestellt.

Die insgesamt 11 Lektionen des eben genannten „Schnupperkurses Gebärdensprache“ auf der Website visuelles-denken.de bringen das Wesentliche auf den Punkt: „Mit DGS können Sie wirklich alles erzählen“: Kochrezepte, Gedichte oder „komplizierte Themen wie Quantenmechanik und Molekularbiologie“ — alles kann ausgedrückt werden, genau wie in jeder anderen Sprache auch.

DGS ist eine visuelle Sprache: Beim Kommunizieren sind nicht nur die Gesten Bedeutungsträger, sondern auch die Mimik. Die Gebärde für „Buch lesen“ — ausgeführt mit neutralem Gesichtsausdruck — heißt „Ich lese ein Buch“. Hebt der Sprechende dabei aber die Augenbrauen und lächelt, sagt er: „Ich lese ein tolles Buch.“ Neben Gebärden und Mimik formt der Mund (ohne Stimme) die Laute bestimmter Wörter, zum Beispiel bei „Du kommst zu mir“ das Wort „kommen“.

Was eine Gebärde bedeutet, hängt von der Handform beziehungsweise -stellung, der Bewegung und dem Ausführungsort (zum Beispiel dicht vor dem Körper oder weiter entfernt vom Rumpf) ab. Feste Regeln gibt es auch für die Syntax in DGS: Verben kommen am Schluss, Fragewörter oft noch nach den Verben, und zeitliche Angaben stehen am Anfang eines Satzes.

Schritt 3: Erste Sprechversuche

Wie die meisten Sprachkurse starten auch die praktischen Lektionen bei visuelles-denken.de mit den Basiskenntnissen für eine erste Begegnung: Sich namentlich vorstellen und erste kleine Fragen, um ein Gespräch in Gang zu bringen sind anschaulich mit Fotos und Bewegungspfeilen dargestellt. Hilfreich für den praktischen Einstieg sind auch die vielen frei zugänglichen Videos bei You Tube. Eines davon zum Beispiel „POL — Ohne Worte“, bei dem einzelne Wörter und kurze Sätze jeweils zwei Mal in Zeitlupe wiederholt werden.

Schritt 4: professionelle Sprachkurse

Wer dann als Selbstlerner tiefer einsteigen möchte, dem empfiehlt der Wissenschaftsjournalist Dr. Olaf Fritsche, Autor der Website visuelles-denken.de, den „Grundkurs Deutsche Gebärdensprache“ mit Lehrbuch und DVD. Einen weiteren Basiskurs für Autodidakten finden Sie hier. Nur bedingt zum Selbstlernen ist das professionelle Lehr- und Lernkonzept „Fliegende Hände“ geeignet, das das Kompetenzzentrum für Gebärdensprache und Gestik der RWTH Aachen erarbeitet hat. Natürlich lernt man DGS — wie alle Sprachen — am besten in einem Sprachkurs vor Ort.

Martina Niekrawietz

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