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Barrieren abbauen

Inklusion als Thema im Unterricht

Wenn Schüler mit und ohne Förderbedarf plötzlich gemeinsam in einer Klasse lernen, ist das für alle Beteiligten eine neue Situation. Vorbehalte und gedankliche Barrieren müssen dabei ausgeräumt. Fertige Stundenkonzepte aus dem Internet können dabei helfen.

Barrieren abbauen: Inklusion als Thema im Unterricht Was bedeutet Inklusion eigentlich? Eine grafische Darstellung gibt den Impuls für eine Unterrichtsgespräch © Zerbor - Fotolia.com

Paul und Steffi besuchen in diesem Schuljahr zum ersten Mal in ihrem Leben eine Regelschule. Gemeinsam mit ihrem neuen Klassenlehrer Albert Schwarz kommen die beiden „Neuen“ am ersten Schultag in die Klasse 9 b. Herr Schwarz weist ihnen Plätze zu: „Steffi (…), du setzt dich da neben Lisa. — Lisa, stellst du mal den Stuhl nach hinten?“ Steffi fährt in ihrem Rollstuhl an den Tisch neben Lisa. Paul nimmt in der ersten Reihe Platz und begrüßt mit einem freundlichen „Hallo!“ ein braunhaariges Mädchen, das zu ihm herübersieht. Sie antwortet nicht und sieht weg. Tags darauf fährt Steffi mit dem Rollstuhl den Gang entlang. Eine Feuerschutztür aus Glas wird für sie zum unüberwindbaren Hindernis. Dahinter stehen drei Schüler und scheinen nicht zu bemerken, dass Steffi Hilfe braucht. „Ihr könnt ruhig mal ein bisschen die Augen auf machen, Sven und Mark!“, sagt Albert Schwarz, der den Gang entlangeilt, um Steffi zu helfen. — Diese beiden Szenen aus dem Spielfilm „Inklusion — gemeinsam anders“ (Deutschland, 2011) zeigen realistisch, dass es nicht nur bauliche Barrieren sind, auf die behinderte Kinder oder Jugendliche stoßen, wenn Sie plötzlich in die Regelschule kommen. Es sind auch die Barrieren „in den Köpfen“, die Inklusion behindern. Die vorgestellten Unterrichtsideen in diesem Beitrag helfen Ihnen, das Thema Inklusion und die besondere Situation im gemeinsamen Unterricht zu behandeln.

Barrieren am eigenen Leib erfahren

Wie ist das, wenn zum Beispiel eine Treppe zum unüberwindbaren Hindernis wird? Wenn alles länger dauert als bei den anderen? Wenn vieles gar nicht möglich ist? Wie fühlt sich das an, wenn die Mitschüler wegsehen anstatt zu helfen? Wirklich „hautnah“ erleben die Schüler unterschiedliche Barrieren mit Selbsterfahrungsübungen, zum Beispiel:

  • mit dem Rollstuhl durchs Schulgebäude oder über das Gelände fahren,
  • sich mit verbundenen Augen führen lassen,
  • sich mit dem Blindenstock und verbundenen Augen auf dem Pausenhof bewegen,
  • einhändig schreiben, essen, sich die Jacke anziehen …,
  • komplizierte Texte lesen (etwa in einem medizinischen Lehrbuch),
  • etwas nachzeichnen, das wir nur im Spiegel sehen
  • oder auch ohne zu sprechen nach dem Weg fragen.

Eine solche handlungsorientierte Annäherung an das Unterrichtsthema „Inklusion“ hilft den Schülern, sich in Menschen mit Behinderung hineinzuversetzen und sensibilisiert sie für Barrieren. — Ein notwendiger Bewusstseinsprozess, der in dem dreiminütigen Film „Inklusion. Einfach erklärt“ so beschrieben wird: „Barrieren sorgen für Verhinderung und Ausgrenzung. Und manchmal tragen wir selbst dazu bei, ohne dass wir uns das bewusst machen. Wie unpassend und ungerecht das ist, merken wir immer dann, wenn wir selbst von Ausgrenzung betroffen sind.“

Ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt

Die Website „Aktion Mensch“ bietet Lehrkräften vielfältige Materialien zu verschiedenen Aspekten des Unterrichtsthemas „Inklusion“ in Grund- und weiterführenden Schulen. Die meisten Materialien stehen zum Download oder können als Printversion — kosten- und portofrei — direkt bestellt werden. Die komfortable Materialsuche auf der Website erlaubt eine differenzierte Suche nach Themen, Formaten und nach der „Art des Angebots“.

Hier findet sich zum Beispiel Materialien mit vielseitig einsetzbaren Vorschlägen für den Unterricht: Sie eignen sich für Schüler aller Schulformen in der Sekundarstufe und für unterschiedliche Fächer. Und wie bei allen Unterrichtsmaterialien auf dieser Website geht es auch hier um projekt- und handlungsorientierten Unterricht, der einen affektiven Zugang zum Thema vermittelt.

Die methodischen Empfehlungen bleiben nicht in der Theorie stecken, sondern liefern machbare Anregungen für einen lebendigen Unterricht: Die Schüler bringen persönliche Erfahrungen mit Behinderten ein, gestalten eine Wandzeitung mit den Arbeitsergebnissen, knüpfen Kontakte zu gleichaltrigen Behinderten, um Berührungsängste abzubauen, versetzen sich bei Rollenspielen in Behinderte oder recherchieren im Internet praxisrelevante Themen: zum Beispiel, welche Einschränkungen mit bestimmten Behinderungen verbunden sind.

Abgeschlossene Unterrichtseinheiten für Schüler aller Jahrgangsstufen

Auch Anregungen für einzelne kürzere Unterrichtseinheiten in verschiedenen Jahrgangsstufen finden sich auf der Website der „Aktion Mensch“. So behandeln zum Beispiel die Lernmaterialien „Selbstbestimmung“, „Menschenrechte“ und „Vielfalt“ drei zentrale Aspekte, die für Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gleichermaßen bedeutsam sind. Die drei Unterrichtseinheiten sind jeweils auf ein bis zwei abgeschlossene Schulstunden ausgelegt, wodurch sie auch für spontane Vertretungsstunden bestens geeignet sind. Immer mit dabei sind Ideen für den Stundeneinstieg, fertige Arbeitsblätter und breit gefächerte Möglichkeiten für einen methodisch abwechslungsreichen und handlungsorientierten Unterricht in unterschiedlichen Sozialformen.

Die Lernmaterialien gibt es in drei Versionen jeweils für die Primarstufe, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II, sodass die Themen in den unterschiedlichen in Jahrgangsstufen immer wieder aufgegriffen werden können. Bemerkenswert: In den methodischen Anregungen finden sich — zumindest vereinzelt — auch Hinweise für die Umsetzung im gemeinsamen Unterricht. So heißt es beispielsweise beim Thema „Selbstbestimmung“ für die Klassen 5–7: „Schülerinnen und Schüler mit einer Beeinträchtigung sollten freiwillig und nicht ohne vorherige Absprache in den Fokus gerückt werden. Auch ist die Situation der Schülerin oder des Schülers in der Klasse zu bedenken.“

Inklusion als Unterrichtsthema im gemeinsamen Unterricht

Der Kurzfilm „Der Vertretungslehrer“ zeigt auf humorvolle Weise, wie Lehrer im Unterricht nicht über Behinderungen sprechen sollten. Doch wie spricht man als Lehrkraft über Inklusion im gemeinsamen Unterricht? Hilfreich können dabei Spielfilme sein, die den Prozess der Annäherung von Behinderten und Nicht-Behinderten realistisch schildern. Damit können sich alle Schüler identifizieren und ein gemeinsames Filmerlebnis trägt zu einem offenen Gesprächsklima bei, in dem alle Schüler auch problematische Situationen im gegenseitigen Umgang ansprechen können.

Filme zum Thema Inklusion

Wie setzt man das Medium Film überhaupt in inklusiven, heterogenen Lerngruppen ein? Der 80-seitige Praxisleitfaden „Inklusion und Film — Methoden, Tipps und Informationen für eine inklusive Filmbildung“ zeigt vielfältige Möglichkeiten für alle Altersgruppen. Die Publikation berücksichtigt die Voraussetzungen für ein barrierefreies Filmerleben und bietet praxisgerechte Filmübungen für lernschwächere Schüler oder Schüler mit kognitiven Beeinträchtigungen.

Was bedeutet Inklusion? Das erklärt in 80 Sekunden ein Film in einfacher Sprache, der sich auch als Stundeneinstieg bestens eignet. Etwas weiter fasst die Heinrich-Böll-Stiftung den Begriff Inklusion in einem dreiminütigen Video — mit Untertiteln für Hörgeschädigte.

Unterrichtsmaterialien für den Religions- und Ethikunterricht der Sekundarstufe I zum eingangs erwähnten Film „Inklusion — Gemeinsam anders“ stehen auf der Seite des katholischen Filmwerks zum Download.

Martina Niekrawietz

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