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Barrierefreier Unterricht

Leichte Sprache leicht gemacht

Es ist gar nicht so einfach, sich allen Schülern in einer heterogenen Lerngruppe verständlich zu machen: Viele Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten begreifen nur Texte in Leichter Sprache. Worauf Sie bei der Unterrichtskommunikation achten sollten, erfahren Sie hier.

Barrierefreier Unterricht: Leichte Sprache leicht gemacht Leichte Sprache ist das fehlende Puzzleteil zwischen Nicht-Verstehen und Verstehen © fotogestoeber - Fotolia.com

Ein Blick in den Ratgeber „Leichte Sprache“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, und es ist sofort klar, was „Leichte Sprache“ bedeutet: Der Ratgeber erklärt die Regeln für Leichte Sprache. „Benutzen Sie einfache Wörter“, heißt es da etwa (S. 22), dann folgen zwei Beispiele: „Schlecht: genehmigen — Gut: erlauben“, das ist alles. Klar strukturiert arbeitet der Regelkatalog die Kriterien für verständliche Texte ab: Wörter, Zahlen und Zeichen, Sätze, Texte, Gestaltung und Bilder. Am Ende steht immer eine Prüfphase, denn: „Prüfen ist für Leichte Sprache sehr wichtig. Prüfen gehört zur Leichten Sprache. Das Prüfen machen Menschen mit Lernschwierigkeiten. Nur sie können sagen, ob ein Text leicht genug ist.“ (S. 21)

Deutschlehrer müssen sich bei Leichter Sprache von manchen Grundsätzen verabschieden. Wortwiederholungen beispielsweise sind ausdrücklich erwünscht: „Benutzen Sie immer die gleichen Wörter für die gleichen Dinge.“ Verpönt ist hingegen der Genitiv: „Schlecht: Das Haus des Lehrers (…) Gut: Das Haus vom Lehrer.“ Wichtig ist allein, dass ein Text verständlich ist, auch wenn das auf Kosten der Genauigkeit mancher Aussagen geht: „Vermeiden Sie alte Jahres-Zahlen. Schlecht: 1867 — Gut: Vor langer Zeit. Oder: vor mehr als 100 Jahren.“ (S. 35)

Richtig kommunizieren im gemeinsamen Unterricht

Weiterführende Hinweise:

Das Netzwerk Leichte Sprache bietet u. a. eine Bücherliste zu wichtigen Themen wie Selbstbestimmung, Religion + Politik, Partner + Familie oder Gesundheit.

Im Büro für Leichte Sprache setzen sich Menschen mit und ohne Behinderung dafür ein, dass die Kommunikation in allen Lebensbereichen klappt. Sie coachen z. B. Lehrerkollegien beim Erlernen der Leichten Sprache, übersetzen Texte und prüfen sie auf Verständlichkeit.

Aktuelle Wochenmeldungen in Leichter Sprache bietet die Website „Nachrichten leicht“, die von Redakteuren des „Deutschlandfunks“ betreut wird. Die Beiträge verteilen sich auf die Rubriken „Nachrichten“, „Kultur“, „Vermischtes“ und „Sport“. Immer mit dabei ist eine Audioversion und Begriffserklärungen zum Anklicken.

Auf der Suche nach einer geeigneten Schullektüre im gemeinsamen Unterricht der Sekundarstufe? „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf gibt es jetzt auch in Leichter Sprache. Über diese und weitere Publikationen in Leichter Sprache informiert die Website einfachebuecher.de. Auch Lesebegleithefte und Unterrichtsmaterialien dazu können hier bestellt werden.

Wie und was fühlen Schüler mit Einschränkungen im Unterricht? Wie kommunizieren sie? Und was wünschen sie sich von der Lehrkraft? Diese Frage beantwortet der „Quick Guide 1: Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen einbeziehen“ in Form von persönlichen Briefen von Schülern mit Handicap an ihre Lehrer.

Die Broschüre „Unterricht kann einfach sein“ bringt die wesentlichen Regeln für Unterrichtskommunikation in einfacher Sprache mit Beispielen auf den Punkt (S. 6 ff.):

  • Langsam, klar und in Leichter Sprache sprechen.
  • Immer wieder überprüfen, ob die Schüler das Gesagte verstanden haben. Am besten durch offene Fragen, die sich nicht durch „Ja“ oder „Nein“ beantworten lassen: „Kannst du mir mit einfachen Worten erklären, was ich gesagt habe?“ Bei Kindern und Jugendlichen, die sich nicht gut ausdrücken können, sollte auch auf die Körpersprache geachtet werden.
  • Mit Zugänglichkeitskarten können die Schüler zeigen, wenn sie zustimmen (grün), wenn die Lehrkraft zu schnell spricht (gelb) oder wenn sie etwas nicht verstanden haben oder eine Frage stellen möchten (rot).  
  • Unterstützend sollten visuelle Hilfen eingesetzt werden: „Zeigen Sie Ihren Schülern Dinge, über die Sie sprechen. Diese Dinge können die Schüler ansehen, wenn sie dem Lehrer zuhören.“ Kontraproduktiv dabei sind allerdings Abbildungen oder Filme, die die Schüler verwirren.
  • Den Schülern zuhören, ihnen beim Reden Zeit geben und nicht ungeduldig Sätze vollenden.
  • Die Schüler ernst nehmen, auch wenn sie schwer zu verstehen sind und den Inhalt ihrer Beiträge noch einmal mit eigenen Worten zusammenfassen.
  • Unterricht interaktiv gestalten: Die Schüler sollten häufig selbst zu Wort kommen und aktiv werden können, zum Beispiel bei Rollenspielen oder Diskussionen.

Grundsätzlich gilt: Kinder mit Lernschwierigkeiten können sich nicht so gut konzentrieren und benötigen mehr Pausen.

Auch ein Vortrag ist in Leichter Sprache möglich

Tests, Noten, Klassenarbeiten, Sitzenbleiben etc. — „Das müsste eigentlich alles weg“ im inklusiven Unterricht, sagt Inklusionsexperte Prof. em. Dr. Hans Wocken in einem Vortrag zu seinem Buch „Die inklusive Schule“. Alternativ dazu könnten die Schüler in der Phase der Unterrichtsevaluation zum Beispiel Präsentationen machen oder Vorträge halten. Doch diese müssen im gemeinsamen Unterricht bestimmten Regeln folgen, um auch von Schülern mit Lernschwierigkeiten oder migrationsbedingten Sprachverständnisschwierigkeiten verstanden zu werden.

Was sollten Schüler und Lehrer dabei beachten? Das fasst der eingangs verlinkte Ratgeber „Leichte Sprache“ ab Seite 101 ff. zusammen. Die kurzen eingängigen Texte in Leichter Sprache vermitteln allen Schülern, worauf es bei einem wirkungsvollen Vortrag ankommt: Man sollte sich gut vorbereiten und auf die wichtigen Dinge beschränken, Beispiele verwenden und die Menschen in den Vortrag einbinden: „Sie können Fragen stellen. Sie können kleine Aufgaben lösen.“ (S. 106)

Wichtig ist es auch, langsam und laut genug zu sprechen, Sprechpausen zu setzen, Verständnisfragen zu ermöglichen und das Publikum oft anzuschauen: „Schauen die Menschen interessiert? Schlafen die Menschen fast ein? Schauen die Menschen verzweifelt? Wenn das so ist, können Sie etwas noch mal mit anderen Worten beschreiben“ (S. 105). Vermeiden sollte man Ironie, Sarkasmus, bildliche Sprache, abstraktes Sprechen und Verneinungen. Sind Fremdwörter unvermeidlich, sollte man sie in Leichter Sprache erläutern.

Leichte Sprache soll nicht trennen, sondern verbinden

Leichte Sprache sollte im inklusiven Unterricht eine gemeinsame Basis für Verständigung bilden und nicht zur Gettoisierung einzelner Schüler mit Sprachschwierigkeiten führen. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an alle Schüler ins Boot zu holen. Hierzu bieten sich gemeinsame Unterrichtsprojekte an, bei denen die Schüler in Teamarbeit Leichte Sprache anwenden und prüfen: Bei der Übersetzung der Schulwebsite in Leichte Sprache etwa oder auch im Redaktionsteam einer gemeinsamen Schülerzeitung bringen alle gleichermaßen ihre Fähigkeiten ein und jeder hat eine wichtige Funktion. — Das fördert das Selbstvertrauen der Einzelnen und stärkt den Zusammenhalt der Gruppe.

Martine Niekrawietz

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