Fach/Thema/Bereich wählen
Bundesweiter Integrationswettbewerb

„Alle Kids sind VIPs“ belohnt Integrationsprojekte an Schulen

Wenn Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft im schulischen Alltag zusammenleben, gibt es oft Reibereien. Dagegen setzt der bundesweite Wettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ auf ein „faires Miteinander in Vielfalt“: Die Initiative der Bertelsmann Stiftung honoriert integrative Projekte und Ideen im schulischen Alltag mit attraktiven Preisen.

Bundesweiter Integrationswettbewerb: „Alle Kids sind VIPs“ belohnt Integrationsprojekte an Schulen Gemeinsame Projekte stärken das Selbstbewusstsein von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft © Kzenon - Fotolia.com

Alljährlich lobt die Bertelsmann-Stiftung den Jugendintegrationswettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ aus. Gefragt sind „Ideen, die als kleine Leuchttürme das Miteinander und das gute Zusammenleben von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft im Schulalltag voranbringen“, so heißt es auf der Website des Projekts „Alle Kids sind VIPs“. Das Video „Mach mit!“ richtet sich in altersgerechter Sprache an Kinder und Jugendliche: „Ihr seid zwischen 11 und 21 Jahre alt und habt ein spannendes Projekt, mit dem ihr euch für Vielfalt an der Schule einsetzt? Klasse! Denn: Wir suchen euch!“, heißt es da.

Den Gewinnern winken „coole Preise“: Sie fahren nicht nur nach Berlin, um an der „Siegerehrung und Auszeichnung“ teilzunehmen, sondern sie können auch ein bis zwei Vertreter für die „Kids-Jury“ beim nächstjährigen Wettbewerb benennen. Den größten Anreiz bietet jedoch der Hauptgewinn: Die Schüler verbringen einen Tag mit einem „Star“, zum Beispiel mit dem Fußballer Gerald Asamoah, dem Comedian Bülent Ceylan, der Band Culcha Candela oder der Schauspielerin und Moderatorin Sharry Reeves. Sie und viele weitere bekannte Künstler engagieren sich als „Botschafter“ für das Integrationsprojekt und gestalten an der Schule der Siegergruppe einen Workshop für die Schüler.

Videos über Gewinnerprojekte animieren zum Mitmachen

Hilfreich, wenn es darum geht, die Schüler für das Projekte zu begeistern, sind die etwa dreiminütigen Videos, die verschiedene Siegerprojekte der letzten drei Jahre dokumentieren: Im Vordergrund steht jeweils der Workshop mit den Stars, doch auch die Projekte werden kurz umrissen und liefern Anregungen für neue Ideen: So gewannen zum Beispiel im Jahr 2010/11 die Schüler der Klassen 5 bis 7 der Pestalozzi-Schule in Hagen einen Tanz-Workshop mit den Breakdance-Weltmeistern „Flying Steps“. Prämiert wurde damit ihr Projekt „Meine Freunde – meine Nachbarn“: Dafür sammelten die Schüler Wissenswertes über europäische Nachbarländer und gestalteten daraus informative Kollagen auf großformatigen Plakaten. Gemeinsam mit der städtischen Ballettkompanie Hagen entwickelten sie anschließend eine Tanzaufführung mit Musik verschiedener Länder.

Ideenpool: Unterrichtsprojekte in verschiedenen Fächern

Eine umfangreiche Lehrer-Broschüre (im Folgenden abgekürzt mit „LB“) zeigt, wie sich das Thema „Vielfalt“ sinnvoll in den Unterricht verschiedener Fächer integrieren lässt. Die Beispiele behandeln ein breites Themenspektrum aus den Fächern Geschichte, Deutsch, Sport, Musik, Religion/Ethik, Erdkunde/Geographie/Sachkunde, Politik/Sozialwissenschaften und Theaterpädagogik sowie aus dem Bereich „AG, Seminar, Projektwoche“. Hier einige Beispiele, die gute Anregungen für Unterrichtsprojekte oder für eigene „wettbewerbsfähige“ Ideen liefern:

Schüler erleben Geschichte „hautnah“

Im Fach Geschichte gewann im Jahr 2010 ein Projekt von Neuntklässlern der Berliner Friedensburg-Oberschule. Die Schüler wollten ein „Bewusstsein dafür schaffen, dass Migration etwas ganz Normales und Gutes ist“. (LB, S. 9) Dafür interviewten sie Berliner Migranten und konzipierten eine Broschüre mit Hintergründen, Dokumentation der Gespräche und ihren Schlussfolgerungen. Erklärtes Projekt-Ziel war es, die Schüler für die vielfältigen Gründe von Migration zu sensibilisieren: politische Verfolgung etwa, gezielte Anwerbung von Arbeitskräften, Bürgerkrieg oder ethnische Verfolgung. „Aus diesem Wissen heraus lernen die Schüler, dass hinter jeder Migrationsbiographie ein Mensch mit einer einzigartigen Lebensgeschichte steht“, berichtet Lehrerin und Projektleiterin Seyran Yildiz. Die Schüler seien mit „viel Spaß“ dabei gewesen, „denn sie konnten die Migrationsgeschichte Deutschlands hautnah erleben und nicht nur darüber in Geschichtsbüchern lesen“. (ebd.) Weitere Lernerfolge: Die Jugendlichen übten sich in strukturierter Gesprächsführung, wandten verschiedene Recherche-Möglichkeiten an und erstellten in Eigenregie ein Medium zur Präsentation ihrer Ergebnisse.

„Ebersbach kickt“: Eine integrative Schüler-Fussball-WM

Eine Gruppe von etwa 40 Schülern mehrerer weiterführender Schulen in Ebersbach organisierte zusammen mit einem deutschen und einem türkischen ortansässigen Sportverein eine eigene WM: Wie bei der FIFA standen 32 Teams „unterschiedlicher Nationalitäten“ auf dem Rasen – die Nationalität wurde kurz vor dem Turnier ausgelost. In verschiedenen Teams teilten sich die Schüler die vielfältigen Aufgaben: „Eine Schülergruppe entwirft eine neue Homepage, ein weiteres Team ist auf Sponsorensuche, damit das Turnier finanziert werden kann. Wieder andere kümmern sich um das Rahmenprogramm oder das Catering.“ (LB, S. 12) Die gemeinsame Organisation schweißt alle Beteiligten zusammen. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können und das Projekt zeigt: „Alle – unabhängig von Schulart, Nationalität, Geschlecht und sozialer Herkunft – haben Talente, ob bei der Organisation, in der Teamarbeit oder auf dem Fußballplatz.“ (ebd.)

Romeo und Julia – ein deutsch-türkisches „Youthical“

Die Schüler der Geschwister-Scholl-Mittelschule in Röthenbach setzten Konflikte zwischen Deutschen und Türken an ihrer Schule kreativ in Szene: Auf der Grundlage des klassischen Dramenstoffs „Romeo und Julia“ entwickelten sie „gemeinsam ihr eigenes Stück, texten und choreographieren die Szenen und Dialoge.“ (LB, S. 17) Durch die intensive gemeinsame Arbeit lernten sich die Schüler untereinander überhaupt erst kennen und legten Vorurteile ab: „Viele Schüler, die einander vorher aufgrund ihrer Herkunft im besten Falle ignorierten, werden Freunde.“ (LB, S. 18)

Didaktische Leitlinien der integrativen Projektarbeit

Dirk Lange, Professor für Didaktik in der politischen Bildung an der Leibniz-Universität in Hannover, bringt die übergeordneten Ziele der integrativen Projektarbeit im schulischen Kontext auf den Punkt (LB, S. 7 f.): Alle Schüler sollten die „ethnisch-kulturelle Heterogenität“ innerhalb der Lerngruppe grundsätzlich akzeptieren und sich über Migrations- und Integrationsfragen offen auseinandersetzen. Unterschiede sollten produktiv genutzt werden und gängige stereotype Vorstellungen, etwa von Integration als einseitiger Anpassung an bestehende gesellschaftliche Strukturen, reflektiert werden. Der Wissenschaftler versteht Integration als vielschichtigen und fortlaufenden „Prozess der Entstehung von etwas Neuem, dessen Gelingen durch die Mitwirkung aller Beteiligten (mit und ohne Migrationshintergrund) gesichert wird.“

In den Gemeinschaftsprojekten von „Alle Kids sind VIPs“ sind diese Leitlinien gelebte Realität und wirken nachhaltig. Heidi Mund, Projektleiterin bei einem der Siegerprojekte, beschreibt die Erfahrung ihrer Schüler so: „Unser Zusammenhalt hat gefruchtet. Und die Schüler haben gemerkt, wie kreativ (…) sie sind. Das ist was ganz Tolles. Ich denke, dass sie das nicht nur in diesem Jahr behalten, sondern das werden sie in ihrem Leben nicht mehr vergessen. Da bin ich mir ganz sicher.“ (LB, S. 4)

Für Lehrkräfte, die kooperative Projekte leiten, ist die Teilnahme am Wettbewerb sicherlich mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Doch das Engagement lohnt sich, denn nicht nur das Schulklima verbessert sich, sondern auch der Unterricht in unterschiedlichen Fächern gewinnt durch Handlungsorientierung und Gegenwartsbezug.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Migration
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×