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Filmprojekt gegen Vorurteile

Freundschaft ist cooler als Hass!

Der Film „Kaddisch für einen Freund“ erzählt die Geschichte einer unmöglichen Freundschaft zwischen einem alten Juden und einem palästinensischen Flüchtlingsjungen. — Ein Lehrstück für Toleranz und Versöhnung.

Filmprojekt gegen Vorurteile: Freundschaft ist cooler als Hass! Freundschaft kann Vorurteile überwinden und lehrt Toleranz © luaeva - Fotolia.com

Der 14-jährige Ali Messalam ist in einem palästinensischen Flüchtlingslager aufgewachsen. Von klein auf hat er gelernt, „die Juden“ zu hassen. Nach seiner Flucht aus dem Libanon lebt er mit seiner Familie in Berlin-Kreuzberg. Hier sucht er Anschluss bei einer Gruppe von gewaltbereiten arabischen Jugendlichen im Kiez, die dem 14-Jährigen eine Mutprobe auferlegen: Ali muss in die Wohnung seines jüdisch-russischen Nachbarn Alexander einbrechen; und die Gang verwüstet die Wohnung des alten Mannes. Doch der kommt rechtzeitig zurück, erkennt Ali und zeigt ihn an.

Alis Familie droht die Abschiebung. Damit Alexander die Anzeige zurückzieht, hilft Ali ihm bei der Renovierung seiner Wohnung. Nach anfänglicher Feindseligkeit entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Migranten unterschiedlicher Generationen.

Der Film „Kaddisch für einen Freund“ (hier der Trailer) erzählt die Geschichte von Ali und Alexander, eine Geschichte von Toleranz, Begegnung und Versöhnung als Gegenkonzept zu Gewalt, Hass und Vorurteilen gegenüber bestimmten Nationalitäten oder Religionsgruppen. Der spannende und sensibel erzählte Film bietet für Jugendliche ab 12 Jahren viele Möglichkeiten zur Identifikation mit dem jungen Helden Ali: Ablösung und Probleme mit den Eltern, die erste Liebe, Freundschaft und der Versuch, bei gleichaltrigen der Peergruppe Anschluss zu finden, das sind Themen, die alle Jugendlichen betreffen und emotional berühren, völlig unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit oder Nationalität.

„Kaddisch für einen Freund“ enthält vielfältige Aspekte für den Unterricht in verschiedenen Fächern. Im Folgenden dazu einige Anregungen und Materialien.

Ein Gegenkonzept zu Hass und Vorurteilen

Die zentrale Aussage des Filmes: Hass, Vorurteile und Ausgrenzung können nur aus der Distanz aufrechterhalten werden. Versöhnung, Toleranz und friedliche Koexistenz hingegen sind nur möglich, wenn man die starre Grenze zwischen dem Fremden und dem Eigenen durchbricht und sich einander annähert.

Diese positive Entwicklung vollziehen alle wichtigen Protagonisten des Films: Ali und sein Vater reduzieren Alexander anfangs auf sein Judentum und blenden alle anderen Aspekte seiner Persönlichkeit aus. Alexander ist in seiner Sichtweise gegenüber Ali ebenfalls zunächst ambivalent: Er erinnert sich in einer Filmszene plötzlich daran, dass sein Sohn bei einem Angriff im Libanon umgekommen ist und wirft Ali aus der Wohnung. Auch die jüdischen Freunde von Alexander warnen vor Ali: „Er ist eine Gefahr. (...) Wir reden von unseren Feinden“. Die wachsende Freundschaft zwischen Ali und Alexander verändert das jeweilige Umfeld der beiden. Nach Alexanders Tod darf der Araber Ali am Grab sogar das Kaddisch sprechen, das Totengebet, das im Judentum traditionell von dem nächsten männlichen Angehörigen vorgetragen wird.

Der einfache Plot des Films (zwei Feinde werden Freunde) ist eindrücklich und die Botschaft kommt an. Auch dann, wenn die Schüler den Film, zum Beispiel in einer Doppelfreistunde oder vor den Ferien, ohne Vor- oder Nachbereitung ansehen.

Filmmaterial:

Lehrkräfte können „Kaddisch für einen Freund“ auf der Website MATTHIAS FILM bestellen. Auch Unterrichtsmaterialien sind bei MATTHIAS-FILM erhältlich.

Eine differenzierte Sichtweise relativiert Klischees und Vorurteile

Nachhaltiger wirkt „Kaddisch für einen Freund“ natürlich, wenn im Unterricht herausgearbeitet wird, wie das gegenseitige Kennenlernen im Verlauf des Films das simple Feindbild nach und nach bröckeln lässt, zum Beispiel so: Der Lehrer zeichnet die Umrisse von Ali und Alexander auf die linke Seite der geschlossenen Tafel. Überschriften: „Araber“ und „Jude“. Während die Klasse den Film ansieht, notiert der Lehrer (oder auch die Schüler auf einem entsprechenden Arbeitsblatt) die Attribute, die die „verfeindeten“ Gruppen (Juden und Araber) einander zuordnen: „Terrorist“, gefährlicher Feind“, „Nazi“ etc.

Anschließend tragen die Schüler in Gruppenarbeit zusammen, was Ali und Alexander im Verlauf der Beziehung voneinander erfahren und wie sich dabei das jeweilige Bild vom anderen verändert hat. Der Arbeitsauftrag lautet dabei „Wie erlebt Alexander Ali?“ bzw. umgekehrt „Wie erlebt Ali Alexander?“ Im Plenum sammelt der Lehrer die Ergebnisse und überträgt sie in das Tafelbild (rechte Hälfte aufklappen: Umrisse von Ali und Alexander mit den Überschriften „Ali“ bzw. „Alexander“). Im Unterrichtsgespräch reflektieren Lehrer und Schüler, was dazu geführt hat, dass beide ihre Vorurteile und ihren Hass abbauen konnten: Ali und Alexander haben sich kennengelernt, Verständnis für den jeweils anderen entwickelt und einander geholfen.

Materialien für Unterrichtsstunden in verschiedenen Fächern

Wie bereits eingangs angedeutet, bietet der vielschichtige Film diverse Ansatzpunkte für den Unterricht in verschiedenen Fächern. Direkt übernehmbare Konzepte und Arbeitsblätter im Netz ersparen Lehrern einigen Vorbereitungsaufwand und setzen unterschiedliche Akzente:

„Vorurteile und Nächstenliebe im Religionsunterricht“, so lautet der Titel einer 9- bis 10-stündigen Unterrichtseinheit von Alena Herrmann für die Jahrgangsstufen 8 bzw. 9. Die Schüler denken über eigene Vorurteile nach und befassen sich in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit mit den Vorurteilen und den Veränderungen der Protagonisten im Film. Sie parallelisieren „Kaddisch für einen Freund“ mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter im Lukas-Evangelium und fokussieren dabei besonders auf die Nächstenliebe als konfessionsübergreifenden Wert. In jeder der vier bis fünf Doppelstunden werden die Schüler selbst aktiv: Sie antizipieren z. B. den weiteren Verlauf des Films mithilfe von Rollenspielen, recherchieren zum Thema Nächstenliebe und fertigen Collagen aus Zeitungsartikeln und Bildern an (Thema: „Wie kann ich Gutes tun?“).

Die filmpädagogischen Begleitmaterialien von Holger Twele fassen die wichtigsten Hintergrundinformationen zum Film zusammen und liefern Arbeitsblätter, die sich für den Einsatz in „Sozial- und Gemeinschaftskunde, Religionslehre/Ethik, Deutsch, Geschichte, Kunst und Medienerziehung“ (S. 2) eignen. Mit den Texten im Materialheft können die Schüler eigenständig z. B. über die filmrelevanten politischen Ereignisse recherchieren oder auch Begriffe wie „Kaddisch“, „Talmud“ und „Rabbiner“ klären. Die Arbeitsblätter mit Fotos aus dem Film fokussieren u. a. die Veränderungen der Figuren und ihre Beziehungen (Arbeitsblatt 1: Figurenzeichnung“, S. 11) oder auch Vorurteile und Klischees (Arbeitsblatt 2, S. 13). Sie eignen sich für Beobachtungsaufträge parallel zum Ansehen des Films.

Auch verschiedenen Aspekten der „Bildsprache“ sind zwei Arbeitsblätter gewidmet, die die Schüler zum genauen Hinsehen animieren, etwa um die Körpersprache der Protagonisten in bestimmten Situationen, um die Bedeutung des Motivs „Mauern und Wände“ zu analysieren oder auch um den gezielten Einsatz von Farben, Musik und Raumhintergrund bewusst wahrzunehmen. Wer beispielsweise im Geschichts- oder Politikunterricht den Nahost-Konflikt, die Bezüge zum Dritten Reich oder die Asylproblematik (Alis Familie ist nur geduldet, es droht die Abschiebung) behandeln möchte, findet dazu ebenfalls Arbeitsblätter, die allerdings vor dem Unterrichtseinsatz noch einmal auf Aktualität geprüft werden sollten (Vgl. z. B. auf S. 23 unten: „In Deutschland gibt es zurzeit etwa 200.000 ‚Fälle‘ von Duldung“ ...)

Kaddisch für einen Freund im DaZ- und DaF-Unterricht

Der überaus umfangreiche und sorgfältig ausgearbeitete „Didaktisierungsvorschlag des Goethe-Instituts Paris“ ist für den DaF-/DaZ-Unterricht auf Niveau A2 bis B2 konzipiert. Die anspruchsvollen Aufgabenstellungen eignen sich jedoch auch ohne weiteres für deutschsprachige Klassen der Jahrgangsstufen 8 bis 10 oder auch für den Deutsch-Förderunterricht in der Sekundarstufe I. Das Konzept stellt Lehrkräften 15 Arbeitsblätter zur Auswahl, wobei sich die Arbeitsaufträge in „Aktivitäten vor dem Sehen des Films“, „Beobachtungsaufgaben während des Kinobesuchs“ und „Aktivitäten für die Arbeit mit der DVD“ aufteilen.

Die Schüler recherchieren die historischen Hintergründe des Nahost-Konflikts, reflektieren und diskutieren eigene Vorurteile und Konflikte (Vorschläge dazu: Arbeitsblatt 14, S. 27), analysieren Kameraführung und Musik (mit Zeitleiste), blicken auf Mimik und Gestik der Darsteller („Schauen Sie sich folgende Sequenz zunächst OHNE TON an“ ...), ordnen den Figuren Aussagen zu u. v. m. Oft sind mit den Aufträgen Sprach- und Grammatikübungen verknüpft: Wenn die Schüler Alis Weg nach Deutschland anhand der Zeichnungen des Jungen nachvollziehen, üben sie z. B. das Präteritum, und wenn sie Vermutungen über die Rolle einzelner Figuren anstellen, Sätze mit „vielleicht“, „vermutlich“, „wahrscheinlich“ etc.
Auch die Arbeitsblätter und Texte dieser Materialsammlung sollten vor Gebrauch auf sprachliche Korrektheit überprüft werden, denn es fallen immer wieder kleinere Fehler auf („Sie verließen das Land mit dem Flugzeug und kamen in ein neues Land ohne Krieg an“, S. 7)

Die Schüler drehen ihren eigenen Film

Zum Abschluss einer mehrstündigen Unterrichtseinheit könnten die Schüler selbst kreativ werden und ein Drehbuch für einen von „Kaddisch für einen Freund“-inspirierten Handy-Kurzfilm entwickeln. Dabei könnten eigene Vorurteile und Klischees aufgegriffen werden und die Story sollte möglichst lebensnahe Konflikte aus dem Leben der Schüler widerspiegeln: Da könnte z. B. ein Außenseiter von der Klasse abgelehnt werden, es könnten Eltern vorkommen, die dem türkischen Freund ihres Sohnes oder ihrer Tochter Ressentiments entgegenbringen, oder die Handlung dreht sich um einen Pausenhof-„Krieg“ zwischen zwei Cliquen unterschiedlicher Nationalität oder Religion.

Martina Niekrawietz

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