Fach/Thema/Bereich wählen
Multikulturelle Schule

Interkulturelles Lernen fördert Verständnis und Toleranz

Wer das Fremde kennenlernt und sieht, dass Menschen anderer Länder und Kulturen Mitmenschen sind, lernt, dass Vielfalt bereichern kann. Interkulturelles Lernen trägt wesentlich zu einem toleranten und friedlichen Miteinander bei.

Multikulturelle Schule: Interkulturelles Lernen  fördert Verständnis und Toleranz Afrikanische Masken sind sehr beeindruckend. Die Schüler werden angeregt, selbst welche zu gestalten © SibelErkoc - stock.adobe.com

Beobachtet man junge Vorschulkinder beim Spiel, kann man sehen, wie unkompliziert sie miteinander umgehen können, ohne die Sprache des Anderen zu verstehen oder eine andere Hautfarbe als bedrohlich wahrzunehmen. Das gemeinsame Spiel und die fantasievolle Auseinandersetzung mit dem Material stehen im Vordergrund. Erst wenn Kinder älter werden, wenn sie geprägt werden durch Urteile von Erwachsenen oder durch unbearbeitete Erfahrungen, beginnen Kinder abzuwägen. Sie entwickeln Vorbehalte oder lernen, andere Kinder abzulehnen, weil sie eben „anders“ sind.

Für Kinder ist es wichtig, schon früh mit unterschiedlichen Kulturen und deren Alltagssituationen konfrontiert zu werden, um einen gegenseitigen Lernprozess in Gang zu setzen. Die Schule übernimmt dabei eine entscheidende Rolle. Die sprachlichen, kulturellen und religiösen Unterschiede stellen an die Schule große Anforderungen. Je früher damit begonnen wird, umso leichter fällt es Schülern, selbstverständlich mit diesen Unterschieden im Alltag zu leben.

Ein UNESCO-Bericht wies bereits 1996 auf die schwierige Rolle der Lehrer hin, interkulturelles Lernen nachhaltig zu vermitteln: „Die Wichtigkeit der Rolle des Lehrers als Akteur des Wandels, der Verständnis und Toleranz fördert, war noch nie so augenfällig wie heute und wird im 21. Jahrhundert noch an Bedeutung gewinnen. […] Dies bedeutet für Lehrer, die die Charaktere und den Geist der Zukunft formen, eine enorme Verantwortung.“ (UNESCO-Bericht 1996, Jaques Delors: Lernfähigkeit: unser verborgener Reichtum. München 1997, S.123)

Vielfalt ist der schulische Alltag

Eine multikulturelle Schule, die gut funktioniert, übernimmt eine Schlüsselrolle in der Schullandschaft und auch in der Gesellschaft. Dazu gehören ein spezielles Leitbild und eine Philosophie, die mithilfe gemeinsamer Ziele auch eine kulturoffene und tolerante Perspektive impliziert. Die Aneignung von Grundkenntnissen über die sozialen und kulturellen Lebensbedingungen der Schüler seiner Klasse, ist für jeden Lehrer eine hilfreiche und wichtige Voraussetzung für interkulturelle Projekte.

  • Noch immer lässt sich auf dem Schulhof beobachten, dass Kinder mit dunkler Hautfarbe von ihren Mitschülern beschimpft oder ausgeschlossen werden. Angst vor dem „Andersartigen“, Unsicherheit im eigenen Selbstwertgefühl oder das Fehlen von Empathie und Wertehaltung sind oft Gründe dafür.

Die Vielfalt im schulischen Alltag sollte jedoch bedeuten:

  • Jeder sieht anders aus.
  • Jeder kann etwas anderes gut.
  • Wir sprechen verschiedene Sprachen.
  • Wir haben unterschiedliche Religionen.
  • Es ist ein Gewinn, dass wir so verschieden sind.

Wichtig aber ist, dass wir verschieden sein können, ohne Angst haben zu müssen, dass es Konflikte gibt, nur weil wir eine andere Hautfarbe haben oder eine andere Sprache sprechen.

Folgende Schwerpunkte können Inhalte für Projekte mit Schülern sein und helfen, Hindernisse zu überwinden:

  • Die Erfahrungswelt der Schüler mit Migrationshintergrund und ihre Kultur den Mitschülern vermitteln.
  • Die Neugier auf Fremdes sollte geweckt und gleichzeitig vermittelt werden, denn Unbekanntes kann spannend sein. Es kann unser Wissen erweitern.
  • Es ist wichtig, dass Schüler lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und das Andersartige zu akzeptieren.
  • Schüler sollten angeleitet werden, sich einzubringen, um Mitschülern mit z. B. Sprachbarrieren zu helfen, wenn diese etwas nicht verstanden haben.
  • Schüler können lernen, dass solidarische Verhaltensweisen ein friedliches Miteinander bewirken. Das heißt, wenn ich jemandem helfe und ihn unterstütze, schaffe ich einen Konsens für ein positives Sozialverhalten.
  • Eine Wertschätzung der Herkunftskultur der Menschen wird durch eine intensive Elternarbeit unterstützt.

Ein Beispielprojekt: Afrika näher kennenlernen

Da in der Schule täglich mit Kindern sehr unterschiedlicher Kulturkreise gearbeitet wird, sollten die verschiedenen Kulturen auch im Unterricht thematisiert werden. Afrika ist ein gutes Beispiel dafür, ein Land mit vielen verschiedenen Völkern, Sprachen, Religionen und Bräuchen kennenzulernen.

Aus Afrika kommende Kinder haben sehr häufig Schwierigkeiten, deutsche Regeln oder Gepflogenheiten zu verstehen. Beispielweise haben Kinder aus Nigeria einen völlig anderen Unterricht und auch andere pädagogische Maßnahmen kennengelernt, als dies bei uns hier üblich ist... In vielen afrikanischen Schulen geht es sehr streng zu. Spielerisches Lernen gibt es nicht. Mit Ohrfeigen oder einem Stock strafende Lehrer haben manche Kinder geprägt.

Wenn eine Familie vier oder fünf Kinder hat, kann oft nur eines zur Schule gehen, weil das Schulgeld für alle zu teuer wäre.  

Ein fächerübergreifendes Projekt greift also diese Erfahrungen der Kinder/Jugendlichen und ihrer Eltern auf und integriert diese als wesentlichen Bestandteil in die Projektarbeit. Darüber hinaus tragen alle beteiligten Schüler Informationen zusammen über die Lebendbedingungen der Menschen, Pflanzen- und Tierwelt, geografische und politische Besonderheiten, kulturelle Errungenschaften usw. Afrika bietet darüber hinaus eine große Vielfalt, sich auch handlungsorientiert und auf, künstlerische Weise mit diesem Land auseinanderzusetzen.

Ein beispielhaftes Projekt zu dem Thema „Afrika künstlerisch erfahren“ beinhaltet  verschiedene Bausteine:

  1. Informationen und Bilder zu den Menschen und Landschaften
  2. Behausung
  3. Kleidung
  4. Schmuck
  5. Masken
  6. Markttag: Präsentation der hergestellten Produkte

Methodisch kann es sinnvoll sein, eine große Kiste zu diesem Thema im Vorfeld vorzubereiten. Zu jedem Baustein gibt es die Materialien und entsprechenden Fotos. Vielleicht haben Schüler auch Materialien dazu zu Hause und können die Kiste damit zusätzlich füllen. Zum Abschluss der Bausteine kann man einen Markttag in der Klasse (oder der ganzen Schule) veranstalten. Die gestalteten Gewänder, der Schmuck, die Masken oder Hausobjekte werden ausgestellt und den Eltern oder anderen Klassen gezeigt. Vielleicht gibt es Eltern, die durch kulinarische Beiträge den Tag mitgestalten wollen.

Jungen Menschen verschiedene kulturelle Lebens- und Sichtweisen zu vermitteln, kann wesentlich dazu beitragen, in Frieden und respektvoll miteinander zu leben. Die Initiierung interkultureller Lernprozesse ist ein wesentlicher Bestandteil antirassistischer Politik, die mehr denn je wichtig ist. Diese Lernprozesse führen zu einer Identifikation mit Menschen anderer Kulturkreise und tragen zu einem besseren Verständnis untereinander bei — ein lohnenswerter Beitrag für unsere Gesellschaft.

Angela Hentschel

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Migration
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×