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Unterstützende Medien

Apps helfen Schülern mit schwerer Behinderung im Unterricht

Für Schüler mit einer schweren Behinderung können die neuen Medien ein Segen sein, wenn passgenaue Apps Ihnen bei der Wahrnehmung und beim Lernen helfen. Ein Kriterienkatalog kann dabei helfen, geeignete Apps zu finden.

Unterstützende Medien: Apps helfen Schülern mit schwerer Behinderung im Unterricht Apps sind eine große Hilfe beim Lernen und für die Teilhabe am Unterricht © Olesia Bilkei - stock.adobe.com

„Kannst du mir bitte vorlesen, was auf dem Preisschild steht?“, fragt der Mann am Telefon, als der Anruf über die App „Be my Eyes“ hereinkommt. Bei dieser App registrieren sich Blinde oder Sehbehinderte wie auch freiwillige Helfer weltweit. Im Falle einer Hilfeanfrage eines sehbehinderten Nutzers wird der Anruf bei der App auf einen Freiwilligen der gleichen Sprache geleitet, der diese über das Handy leicht beantworten kann. Im Moment sind etwa 80.000 sehbehinderte Menschen und über 1,5 Millionen freiwillige Helfer weltweit registriert.

Um am Ende zu so einer einfachen und lebenspraktischen Nutzung zu gelangen, ist es notwendig, Grundlagen für die digitale Bildung zu schaffen und unterrichtlich umzusetzen. Die Digitalisierung in Schulen bietet dann auch für Schüler mit einer schweren Behinderung viele Vorteile. Apps können die Bedienung von Tablets und Computern erleichtern und die Zugänglichkeit zu digitalen Inhalten verbessern. Wie im Beispiel genannt, gibt es Apps, die bei einer Sinnesbehinderung im Sehen oder Hören wichtige Hilfen im Bereich Kommunikation, Informationsbeschaffung, Mobilität oder bei lebenspraktischen Tätigkeiten leisten.

Mit einer Auswahl an geeigneten Apps kann man als Lehrkraft zudem sinnvolle Lernaktivitäten für Schüler anregen, die aufgrund der Schwere der Behinderung einfache und basale Angebote benötigen. Mit kindgerechten Lernangeboten werden sie umgekehrt aber auch an sinnvolle und motivierende digitale Medien herangeführt. Diese ermöglichen auch Spiel und Spaß und damit eine anregende Freizeitgestaltung.

Ein Kriterienkatalog hilft bei der Auswahl geeigneter Apps

Eine gute App sollte mindestens einen der beiden Bereiche von kognitiver Entwicklung oder visueller Wahrnehmung gezielt ansprechen. Wirksame Apps zur Förderung der visuellen Wahrnehmung zeichnen sich durch eine hohe Bildqualität aus: intensive und reine Farben, klare und einfache Muster, Formen und Bilder, ein kontrastreicher Hintergrund ist ebenso wichtig, der sich idealerweise auch anpassen lässt. Wirksame Apps zur Förderung der Kognition berücksichtigen eine schülerorientierte Themenwahl, Altersgemäßheit, eine unmittelbare optische und akustische Rückmeldung und die Verwendung der Muttersprache des Schülers.

Bei der Auswahl von Apps achtet die Lehrkraft auf eine gute Mischung von Vertrautem und Neuem, um eine Überforderung zu vermeiden. Es sollte möglich sein, unterschiedliche Einstellungen bezüglich Anzahl, Reihenfolge, Niveaustufe usw. innerhalb der App vornehmen zu können. Störende Begleitgeräusche oder Fremdsprachen sollten ausgeschaltet werden können.

Bei den Endgeräten wie Tablet oder iPad muss die Lautstärke gut regulierbar sein. Die Helligkeitsregulierung des Geräts sollte sich an die Bedürfnisse des Schülers anpassen lassen. Empfehlenswert ist auch die verlängerte Einstellung der Dauer der automatischen Sperre, um ein Abschalten in den Ruhezustand bei längerer Inaktivität zu vermeiden. Passendes Zubehör wie eine robuste, wasserfeste Schutzhülle oder eine Art von Fixierungsmöglichkeit an einem Tisch/Rollstuhl ist ebenfalls hilfreich.

Wie findet man als Lehrkraft nun in der Flut der Apps die passende, die den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird? Das Internet bietet eine Vielfalt an Links und Hilfstipps, um passende Apps zu finden. Hier eine kleine Auswahl, die natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann:

  1. Active Communication, Schweiz: App-Vorschläge im Bereich Kommunikation
  2. Das CLUKS-Forum bietet App-Vorschlags-Listen  zum computergestützten Lernen und zur Unterstützten Kommunikation für Schülerinnen und Schüler mit einer körperlichen/geistigen Behinderung.
  3. FST Stiftung für elektronische Hilfsmittel, Schweiz: Umfangreiche Auflistung von Apps für Menschen mit Behinderung
  4. HeyDuDa einfach lernen: Spiele & Lern-Apps
  5. LIFEtool, Computerunterstützte Kommunikation, Österreich: Gute App-Tipps & Anwendungs-Tipps
  6. Little Bear Sees Foundation, USA: App-Vorschläge für Kinder mit zerebraler Sehstörung (CVI)
  7. My first App, Israel: Spiele & Lern-Apps
  8. UK-App-Blog von I. Krstoski, Deutschland: Ein sehr umfangreicher Blog mit App-Vorschlägen zu Ursache-Wirkung, Bilderbüchern inkl. Videos, Tipps zum iPad

Als Lehrkraft wird man sorgfältig auswählen, mit welchen und auch mit wie vielen Apps man einen Schüler mit einer schweren Behinderung konfrontiert. Wie bei jedem Unterricht gelten auch hier die didaktisch-methodischen Grundsätze zum Einsatz von Medien und Materialien. Dies wirkt hinsichtlich der Reduktion auch entlastend für die Lehrkraft, sodass sich Lehrer und Schüler gemeinsam auf den digitalen Lernweg machen können.

Claudia Omonsky

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