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Medienkompetenz

Bring Your Own Device — aber bitte nachhaltig!

Wenn Schüler Ihre eigenen digitalen Endgeräte im Unterricht nutzen, können leicht soziale Ungerechtigkeiten entstehen. Wenn aussortierte Smartphones & Co aber wieder für alle nutzbar gemacht werden, hat das einen zusätzlichen und nachhaltigen Lerneffekt.

Medienkompetenz: Bring Your Own Device — aber bitte nachhaltig! Lernen im digitalen Zeitalter: mit verschiedenen Endgeräten, die womöglich durch die Schüler gewartet wurden © Rawpixel.com - Fotolia.com

Smartphones, Tablets und Co. begleiten Kinder und Jugendliche fast überall. Laut einer Studie von Bitcom aus dem Jahr 2013 besitzen 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ein Handy. In ihrer Freizeit spielt besonders das Smartphone eine wichtige Rolle, zum einen, weil sie damit überall telefonieren können, zum anderen, weil sie gern WhatsApp-Nachrichten verschicken, auf Facebook posten oder Fotos bei Instagram hochladen.

Nach Plänen der NRW-Landesregierung sollen Schüler sogar künftig ihr eigenes Handy, Tablet oder Laptop im Unterricht einsetzen. Bildungsverbände befürchten eine weitere Kluft zwischen Arm und Reich und fordern, dass die Schulen genügend Gelder für eine eigene Ausstattung erhalten und investieren.

Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit, die Kosten spart und noch dazu einen guten Lerneffekt hat: Die Schüler werden selbst aktiv und rüsten den Computerraum mit eigenen Altgeräten auf. Dabei erfahren sie eine Menge über den weltweiten Handykonsum, die globale Lieferkette und Recycling. In nur drei Schritten lernen die Schüler, vernünftiger mit Handys, Tablets und Co. umzugehen und der Computerraum bekommt ein umweltfreundliches Upgrade.

Über eigenes Konsumverhalten nachdenken

Stets das neuste Smartphone zu besitzen ist eigentlich gar nicht „cool“. Das ist aber nur wenigen Jugendlichen klar: Durch die Massenproduktion von Smartphones und Tablets entsteht enormer (Gift-)Müll und schreckliches Leid auf der Welt. Trotzdem kommen ständig neue Modelle auf den Markt und überdauern nicht besonders lang: In Deutschland werden Handys durchschnittlich 18 Monate lang genutzt. Mobilfunkanbieter bieten Verträge an, mit denen der Kunde alle 12 bis 24 Monate ein neues Smartphone erhalten kann. Nach spätestens zwei Jahren hält jeder ein neues Handy in der Hand und die Altgeräte landen im Müll oder in der Schublade.

Um die Schüler Schritt für Schritt an die Problematik heranzuführen, sollen sie sich zunächst über ihren eigenen Konsum Gedanken machen: Wie viele Smartphones, Tablets und Laptops nutzen wir zu Hause? Wie oft kaufen wir neue Geräte? Wie viele Altgeräte liegen ungenutzt in der Schublade? Jeder Schüler erstellt daraufhin eine Verbrauchertabelle (passende Vorlagen bietet die Broschüre „Die Handy-Connection — eine entwicklungspolitische Detektivtour“), um sich einen Überblick über die verschiedenen Geräte zu verschaffen. Im Anschluss zählt die Klasse alle Handys, Tablets und Laptops, die jeder Schüler zu Hause hat. Dabei kommt einiges zusammen: Wenn eine Familie im Durchschnitt vier Handys, ein Tablet und zwei Laptops besitzt, ergibt das bei einer Klasse mit 30 Schülern 210 digitale Geräte. Wenn jede Familie alle zwei Jahre neue Geräte kauft, werden innerhalb von 10 Jahren 1050 digitale Geräte konsumiert.

Weiterführende Informationen:

Die Publikation „Folgen der Globalisierung am Beispiel Handy“ stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die Globales Lernen am Beispiel Handy vermitteln.

Die Begleitbroschüre zu dem Projekt „Die Handy Connection — eine entwicklungspolitische Detektivtour“ gibt Anregungen für den Unterricht und Hintergrundinformationen zur globalen Lieferkette eines Handys.

Weltweit betrachtet hat der Handyboom noch viel größere Ausmaße erreicht. Mit dem „Vier-Ecken-Spiel“ der Broschüre „Die Handy-Connection“ können die Schüler ihr Wissen zu diesem Thema vertiefen. Die Fragen beziehen sich auf den Konsum und die Entsorgung digitaler Endgeräte. Jede Frage hat vier Antwortmöglichkeiten. Die Schüler positionieren sich je nach Antwort in einer Ecke des Raumes und erklären vor der Auflösung, warum sie sich für eine bestimmte Ecke entschieden haben. Dabei ist es interessant zu sehen, wie die Schüler das Thema selbst einschätzen. Die richtigen Antworten werden viele überraschen, zum Beispiel dass im Jahr 2013 weltweit über 1 Milliarde Smartphones verkauft wurden.

Die Schüler lernen bei dieser Übung spielerisch, wie sich der weltweite Handymarkt verhält und denken auch über ihr eigenes Konsumverhalten nach.

Handys wachsen nicht auf Bäumen

Als nächstes gehen die Schüler der Frage nach, wie ein Smartphone überhaupt entsteht. Spannend wird‘s, wenn die Schüler die Lieferkette ihres eigenen Handys analysieren. Dafür eignet sich das Material „Schritte der Lieferkette“ der Broschüre „Die Handy-Connection“: Die Schüler bilden sechs Gruppen, die sich jeweils mit der Entwicklung, Rohstoffgewinnung, Produktion, Nutzung, Recycling und illegaler Entsorgung von Handys befassen. Nachdem jeder sich die Texte sorgfältig durchgelesen hat, werden die wichtigsten Punkte der Klasse vorgetragen und auf der Karte markiert, wo diese Schritte stattfinden.
Zusätzlich können die Schüler die Lieferkette auf einer imaginären Weltkarte darstellen. Dazu verteilen sie sich auf den verschiedenen Kontinenten, die sie am besten mit Kreide auf dem Boden markieren, und reichen dann ein Wollknäuel herum: Der erste Schüler steht in Europa und reicht den Faden an die Mitschüler weiter, die sich in Asien befinden, wo die meisten Gerätemodelle zusammengebaut werden. Dann führt der Faden nach Afrika, wo bestimmte Rohstoffe geschürft werden, andere werden wiederum in Südamerika gewonnen und so weiter. Am Ende entsteht ein Netz, das sich über die gesamte Karte erstreckt. Die Schüler erkennen dadurch auf einen Blick, wie verworren die Lieferkette ist.

Die Schüler sollen erkennen, dass Menschen auf der ganzen Welt in die Produktion von Smartphones eingebunden sind und das meistens zu lebensbedrohlichen Arbeitsbedingungen: Kinderarbeiter schürfen in ungesicherten Minen, Fabrikarbeiter setzen die Einzelteile unter hohem Zeitdruck bis zur Erschöpfung zusammen.

Mit dem Online-Spiel „Handy-Crash“ lernen die Schüler spielerisch und beispielhaft, was es mit der weltweiten Ungerechtigkeit genau auf sich hat. Die Levels befassen sich mit den Themen Handynutzung und -recycling, Rohstoffabbau und Handyproduktion. Um zur nächsten Lerneinheit zu gelangen, müssen die Schüler erst ein Puzzle-Spiel lösen, das ähnlich wie „Candy-Crush“ funktioniert. Weitere Vertiefungen, Kreuzworträtsel und Übungen zum Thema finden sich in der Handreichung „Folgen der Globalisierung am Beispiel Handy“.

Computerraum umweltfreundlich aufrüsten  

Die Schüler sollen sich daraufhin überlegen, wie man der weltweiten Ungerechtigkeit entgegenwirken kann. Dies kann man zum Beispiel erreichen, indem jeder weniger Smartphones, Tablets und Laptops konsumiert  und sich gleichzeitig für faire Produktionsbedingungen und fairen Handel einsetzt. Ganz zu schweigen davon, dass und so weniger Elektroschrott entstehen würde. Die Schüler diskutieren gemeinsam, ob es wirklich so wichtig ist, stets das neuste Handymodell zu besitzen. Und sie machen sich darüber Gedanken, wie man Altgeräte weiterverwendet kann — indem zum Beispiel defekte Handys repariert werden oder alte, noch funktionstüchtige Geräte weiterverschenkt werden.   

Schließlich können die Schüler selbst aktiv werden und funktionierende Altgeräte, die bei ihnen zu Hause in der Schublade herumliegen, mitbringen und damit den Computerraum aufrüsten. Ganz nach dem Motto: „Aus Alt mach Neu!“ So bekommen die alten Handys, Tablets und Laptops ein zweites Leben und der Computerraum wird umweltfreundlich aufgerüstet.

Vorher müssen die Eltern beim Elternabend darüber informiert werden, was der Nutzen und Lerneffekt dieser „Spendenaktion“ ist. Die Eltern können ihren Kindern bei der Suche nach den Altgeräten helfen, mit ihnen zusammen alle Daten sichern und die Geräte auf die Werkseinstellungen zurücksetzen, damit alle privaten Daten gelöscht sind.

Am Ende sind die Schüler stolz, dass sie ihre alten Handys für einen guten Zweck einsetzen konnten und dass sie dem Computerraum ein ökologisches Upgrade verpasst haben. Auch die folgenden Jahrgänge können mit ihren alten Handys & Co den Computerraum jedes Mal erneut aufrüsten, ausgediente Geräte sammeln und diese einmal im Schuljahr mithilfe der App „E-Schrott“ beim nächsten Recyclinghof entsorgen.

Ananda Bräunig

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