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Digitaler Unterricht

Die Krise als Chance: Digitalisierung an Schulen

Lange Zeit wurde in Deutschland wenig in Digitalen Unterricht investiert. Aus diesem Grund hatten viele Schulen große Schwierigkeiten, als der Corona-bedingte Lockdown schnelle Maßnahmen und digitale Konzepte abverlangte. Die Digitalisierung von Schulen ist unvermeidbar und die Pandemie entpuppt sich als Treibstoff, der diesen Prozess beschleunigt.

Digitaler Unterricht: Die Krise als Chance: Digitalisierung an Schulen Der Weg zum digital ausgestatteten Klassenzimmer © Gorodenkoff - stock.adobe.com

Der Weg vom Präsenz- zum Distanz- beziehungsweise Wechselunterricht war mehr als holprig. Vor Corona hat Deutschland wenig in digitalen Unterricht an Schulen investiert. Die Konsequenz: Zu Beginn der Pandemie mangelte es bundesweit an nötiger Ausstattung. Laut einer Statista-Studie gaben 60 % der Befragten an, kein technisches Equipment von der Schule bereitgestellt bekommen zu haben. 

Also starteten viele Schulen nahezu unvorbereitet in den Distanzunterricht: „Wir arbeiten von zu Hause aus mit unseren persönlichen Endgeräten und dem persönlichen Risiko, hierbei versehentlich und unwissentlich gegen die Datenschutzgrundverordnung zu verstoßen. An ein Homeschooling-Szenario, wie es in den Medien geschildert […] wird, ist nicht zu denken.“ schreiben Pädagog/-innen einer Filderstädter Schule in einem Brief ans Ministerium. Keine große Überraschung, dass Lehrkräfte das Corona-Management durchschnittlich mit der Schulnote 4,2 bewerteten.

Jetzt stellt die Regierung eine halbe Milliarde Euro für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung. Ob die Ausstattung vor Ende der Pandemie überhaupt alle Schulen erreichen wird, steht aus.

Wenn zwei sich streiten leidet der Dritte

Bund und Länder waren sich lange Zeit uneinig und die Vereinbarung zum Milliardenpaket trat erst Monate nach den Verhandlungen in Kraft. Besonders öffentliche Schulen, die von der Finanzierung des Staats abhängig sind, müssen erst lange Wege über Gemeinden oder Landkreise gehen, um digitale Endgeräte zu beantragen. 

Doch es hapert nicht nur an finanziellen Kapazitäten, um Anschaffungen von technischem Zubehör selbst vorzustrecken. Digitaler Unterricht erfordert medienpädagogische Kompetenzen. Kompetenzen, die zwar erwartet werden, aber längst nicht von allen erfüllt werden können. Derzeit scheitert der Wunsch nach zeitgemäßem Unterricht an der selbsterbauten Realität.

Immerhin: Ein Nachhilfe-Programm von Bund und Ländern, soll jetzt Lernrückstände bei Schüler/-innen aufholen. „Anschluss“ ist einer von mehreren Bausteinen eines künftigen Konzepts zur Lernförderung, das die Schulbehörde zurzeit erarbeitet. Besondere Relevanz hat das Konzept für Schüler/-innen, bei denen ein Wechsel auf eine weiterführende Schule oder eine Ausbildung bevorsteht. In den Sommerferien soll es erste Angebote geben.

Weitere Infos

Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie entstand bei etwa 1,5 Millionen Schulkindern - vor allem aus bildungsferneren Haushalten - ein stark erhöhter Förderbedarf. Auch um eine Verschärfung von Ungleichheiten zu vermeiden, müssen schnellstmöglich staatliche Hilfspakete auf den Weg gegeben werden.

Vorbildschulen weisen den Weg in die Zukunft

Knapp 400 Schulen bewarben sich 2020 mit lösungsorientierten Digitalkonzepten für den Deutschen Schulpreis im Umgang mit Corona-Krise. „Überall in Deutschland wachsen Schulen in dieser herausfordernden Zeit über sich hinaus und erproben neue Lehr- und Lernformate. Wir wollen diese Ideen in die Breite tragen und suchen Konzepte, die langfristig Bestand haben können.“, erklärt Michael Schratz, Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises.

Auch das Christoph-Probst-Gymnasium wusste sich selbst zu helfen, setze bereits verstärkt auf digitale Medien im Schulalltag und legte ein ausgefeiltes Digitalkonzept vor, als es zum ersten Lockdown kam. Hier fungiert der Schulserver gleichzeitig als private Cloud, über die schulische Dokumente und Daten von Lehrkräften und Schüler/-innen abgerufen und bearbeitet werden können. Eine solche Schulcloud erleichtert erheblich die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung und schützt vor allem Lehrer/-innen davor, datenschutzrechtliche Risiken einzugehen. Lernende und Lehrkräfte können über einen solchen Server von überall aus kommunizieren, kollaborativ arbeiten, Materialien archivieren und wieder aufrufen.

Neue Chancen durch die Krise

Was sind also neben technischen Voraussetzungen Faktoren, die einen guten digitalen Unterricht bestimmen? Das letzte Jahr hat gezeigt, wie unausweichlich der Weg mit der Digitalisierung für Schulen ist. Zwar haben Lehrkräfte die Möglichkeit, sich digital weiterzubilden, um über die Risiken und Chancen des Internets aufzuklären. Entsprechende Ansätze sollten aber auch fester Bestandteil des Lehramtstudiums sein, was aktuell leider noch nicht in jedem Bundesland der Fall ist.

Trotz allen Strapazen haben sich Schulen, Lehrkräfte und Schüler/-innen mit kreativen und zukunftsorientierten Konzepten einen Weg aus der Krise gebahnt. „Viele Lehrkräfte und Schulen sind in den vergangenen Monaten über sich hinausgewachsen“, so Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung.

Laut einer Umfrage des Deutschen Schulportals kommunizierten im Dezember 73 % der Schulen im Fernunterricht über digitale Lernplattformen. Im April 2020 hingegen waren es nur 45 %.

So gelingt der Distanzunterricht!

Die Bundeszentrale für Bildung hat mit Hilfe von Lehrkräften Kriterien für einen erfolgsversprechenden Distanzunterricht zusammengestellt. Die wichtigsten Faktoren im Überblick:

  • Schulserver und Lernplattformen: Sie bilden das Fundament für einen erfolgreichen digitalen Unterricht und schaffen eine datenschutzkonforme Organisation und Kommunikation.
  • Klare Lernstrukturen definieren (Materialien finden Sie hier): Wann sind Ihre Sprechstunden für Schüler/-innen, Eltern und Kolleg/-innen? Klare Strukturen sind notwendig, um den Schüler/-innen einen festen Unterrichtsrahmen und ein Gefühl von Routine zu geben. Digitale Unterrichtsmaterialien und Arbeitshilfen helfen Ihnen dabei, Ihren Fern- oder Präsenzunterricht zu strukturieren.
  • Feedback! Holen Sie regelmäßig das Feedback Ihrer Schüler/-innen ein. Besonders im Distanzunterricht zählt der Kontakt zwischen Lehrkraft und Klasse. Ein starkes Band schafft ein Gefühl der Normalität, verbessert das Vertrauensverhältnis und trägt erheblich zur gelungenen Kommunikation bei.  
  • Auch der interne Austausch zwischen Lehrkräften kann helfen, anfängliche Unsicherheiten gemeinsam zu bewältigen. Ersparen Sie sich Frust durch einen transparenten Umgang mit Ihren Kolleg/-innen zum Thema E-Learning.  
  • Das Material: Probieren Sie neues aus, seien Sie kreativ und erkunden Sie die Fülle der digitalen Möglichkeiten und verwenden Sie abwechslungsreiche Materialien. Vielfältige Unterrichtsmaterialien, Online-Seminare und interaktive Übungen fördern die Motivation der Schüler/-innen und dynamisieren den digitalen Unterricht enorm.

Im Lehrerbüro Podcast finden Sie noch mehr Tipps zur Gestaltung Ihres digitalen Unterrichts.

 

 

 

Alina Weinack


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