Fach/Thema/Bereich wählen
Diklusive Lernhelfer

Digitale Tools für erfolgreichen „Fernunterricht“

Digitale Medien sind als unterstützende, diklusive Tools auch in der Sonderpädagogik nicht mehr wegzudenken. Sie erweitern die Möglichkeiten des individualisierten Lernens und Förderns – und die Teilhabe an der Schulgemeinschaft, gerade auch beim „Fernunterricht“.

Diklusive Lernhelfer: Digitale Tools für erfolgreichen „Fernunterricht“ Apps können Schüler/-innen zum Lesen und Schreiben animieren. © MNStudio - stock.adobe.com

Sonderpädagogin Dr. Lea Schulz hat eine Zeitlang Unternehmen beraten, die im Bereich E-Learning pädagogische/schulische Inhalte oder auch Apps entwickeln. Es folgten viele Jahre Unterrichtserfahrung an einem Förderzentrum in Flensburg. Dann wechselte sie ans Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein, wo sie für den Fachbereich Digitale Medien und Inklusion in der Aus- und Fortbildung verantwortlich ist. Digitale Medien und inklusiver Unterricht – mit dem von ihr geschaffenen Begriff DiKlusion verbindet sie die beiden Bereiche, die für sie eng verknüpft sind. 

Diklusive Tools bieten in sonderpädagogischen Settings große Chancen, etwa wenn sie individualisiertes Lernen ermöglichen oder zur Kollaboration anregen. Und dann gibt es natürlich auch die assistiven Tools, die überhaupt erst das Lernen mit digitalen Medien möglich machen: z. B. eine Augensteuerung, mit der Nutzer/-innen einen Cursor über den Bildschirm bewegen können oder die kostenfreie App „SpreadTheSign”, die das weltweit größte interaktive Wörterbuch der Gebärdensprache enthält.

Dass Dr. Lea Schulz, die auch in der Fort- und Weiterbildung tätig ist, ihr Wissen für die Praxis verfügbar machen möchte, zeigt ihre Website: Hier veröffentlicht die Expertin u. a. die Texte ihrer Vorträge und verlinkt überdies auf ihre zahlreichen Artikel in Fachmedien. Der folgende Beitrag greift für Sie einige besonders hilfreiche Tipps für Ihren digitalen Unterricht im sonderpädagogischen bzw. inklusiven Umfeld heraus.

Checkliste zum Bewerten digitaler Medien

Ob sich eine App oder Website für den Einsatz in Ihrer Lerngruppe eignet, zeigt sich oft erst im praktischen Einsatz. So kann etwa eine „ganz einfache App“ zum Erstellen von Stop-Motion-Filmen im digital-inklusiven Unterricht „eine unglaubliche Hilfe sein“, erläutert Lea Schulz, während eine „allumfassende App mit individualisiertem Feedback“ und „Inhalten (...) in verschiedenen Differenzierungsstufen“ kaum Lernerfolge bringt. Oft sind es auch Kleinigkeiten, die dafür den Ausschlag geben. Etwa eine App, die bei der Erarbeitung die Klassenstufe anzeigt: Das könne besonders für Schüler/-nnen mit kognitiven Beeinträchtigungen „äußerst demotivierend“ sein , wenn sie etwa als Drittklässler/-innen Aufgaben lösen sollen, die sichtlich für niedrigere Klassenstufen angesetzt sind., so Lea Schulz auf ihrer Website

Mit der ausführlichen Checkliste von Lea Schulz (ebd.) beurteilen Sie Ihre Unterrichtsmedien sicher und sorgfältig. Auf insgesamt acht Seiten liefert Ihnen die Checkliste Bewertungskriterien differenziert nach den zentralen Aspekten in inklusiven Lernsettings (individualisiertes Lernen, Sprache, Motivation, Lernfortschritt/Adaptivität, Kollaboration etc.). Sie sehen zudem, worauf Sie besonders bei Apps in den Fächern Deutsch und Mathematik achten sollten. – Ein wirklich nützliches Tool, um zum Beispiel bei der Ausstattung des digitalen Klassenraums mit Lernsoftware so zu entscheiden, dass nicht nur Ihre aktuelle Lerngruppe, sondern auch Ihre künftigen Schüler/-innen mit den Unterrichtsmedien der Schule gut zurechtkommen.

Bewährte diklusive Lernhelfer

„Welche Software empfehlen Sie konkret?“ – Das ist vermutlich eine Frage, die Lea Schulz bei ihren Fortbildungen oft hört. Im Grundschul-Blog nennt die erfahrene Sonderpädagogin einige digitale Lernhelfer, die sich im Unterricht bewährt haben:

„ClaroScanPen“ etwa ist eine assistive App, die Lernende unterstützt, die Schwierigkeiten im Lesen haben: Das Tablet wird über den zu lesenden Text gehalten und die App liest dann vor. Parallel dazu sollte natürlich unbedingt die Leseförderung vorangetrieben werden. Und falls das – aufgrund von Corona – derzeit im Präsenzunterricht nicht möglich ist, bringt bestimmt Lurs, das Lesemonster auf der Website von LegaKids, Ihre Schüler/-innen mit spannenden Lesespielen und lustigen Videos zum eigenständigen Üben. „Leseludi“ ist eine weitere Website zur differenzierte Leseförderung in Grundschulen und in Klassen mit Kindern mit Förderbedarf.Zum selbstständigen Üben innerhalb von heterogenen Lerngruppen eignen sich besonders solche Apps bzw. Lernplattformen, die die Ergebnisse Ihrer Schüler/-innen auswerten und auf dieser Basis neue Lerninhalte anbieten. Lea Schulz nennt hier beispielhaft die Mathematik-Plattform bettermarks.com, bei deren Entwicklung sie mitgewirkt hat.

Es gibt auch Lernsoftware, mit der die Schüler/-innen Ihre Ergebnisse eigenständig überprüfen können, zum Beispiel beim freien Schreiben im Anfangsunterricht mit der App „Zebra Schreibtabelle“. Dabei können die Lernenden Wörter oder kurze Sätze in ein Textfeld schreiben und ggf. direkt verbessern. 

Weiterer Link zum Thema:

„Hybridunterricht 101“ nennt Tim Kantereit seinen interessanten Leitfaden zum Blended Learning für Lehrkräfte. Besonders lesenswert darin ist der Beitrag von Dr. Lea Schulz, die sich dem Thema „Inklusion und Fernunterricht“ widmet (ab. S. 153).

Die Erstellung von individualisierten Unterrichtsangeboten für heterogene Lerngruppen kostet normalerweise viel Zeit und Mühe. Doch zum Glück gibt es ja das Lehrerbüro mit einer Vielzahl an differenzierten Arbeitsmaterialien für alle wichtigen Fächer.

Eine ausführliche Linkliste mit kostenfreien digitalen Lernangeboten findet sich auf dem Deutschen Bildungsserver. Ganz schnell identifizieren Sie hier genau die digitalen Tools, die sich für Ihre Schüler/-innen eignen, denn jeder Link ist mit einer Kurzbeschreibung zu Inhalten, Fächern und Zielgruppen versehen.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Neue Medien im Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×