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Apps und Tools

Digitalisierung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Für Schüler/-innen mit einer schweren Behinderung kann der Präsenzunterricht durch digitale Tools sinnvoll ergänzt werden. Weitere Impulse dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Apps und Tools: Digitalisierung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung Digitalisierung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung © Ekaterina - stock.adobe.com

Homeschooling und Distanzunterricht prägen uns nicht nur schulisch bereits seit über einem Jahr, die brisante Krise entwickelt sich hierbei immer weiter und bringt inzwischen so etwas wie eine neue Alltäglichkeit mit sich. In kürzester Zeit wurden der Einsatz und die souveräne Meisterung von digitalen Tools sowohl von Lehrern wie auch von Schülern abverlangt. Blickt man auf das vergangene Corona-Schuljahr zurück, stellt man fest, dass beide Lernformen – Präsenz und Distanz – Vorteile bieten. Das sog. Blended Learning als aktiver Lernraum kann die Chancen und Stärken von Präsenz- und Fernunterricht zugleich nutzen und diese sinnvoll miteinander verzahnen. Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung zeigen Schüler häufig neben der kognitiven Einschränkung auch weitere Fördernotwendigkeiten, beispielsweise im visuellen oder motorischen Bereich. Dies gilt es natürlich besonders zu berücksichtigen, denkt man das Blended Learning für diese Schülerschaft weiter.

Präsenzunterricht stärkt erfahrungsgemäß in besonderer Weise die unterschiedlichen persönlichen Beziehungsebenen und dient der Motivation. Innerhalb der Lerngruppe und auch zur Lehrkraft hin helfen die vielfältigen sozialen Beziehungen, den eigenen Lernimpuls mit direktem Feedback, direkter Unterstützung und Klärungsmöglichkeiten sowie einer ganzheitlichen Kommunikation ohne Gesichtsmaske zu verfolgen. Mimik und Gestik sind hier entscheidend wichtig, damit Schüler/-innen mit eingeschränkter Wahrnehmung, beispielsweise bei Autismus-Spektrums-Störung, ganzheitlich folgen können. Auch das besonders stark notwendige handlungsorientierte Lernen als die zentrale Zugangsweise funktioniert zwangsläufig im Präsenzunterricht besser. Und für Schüler/-innen mit einer schweren Behinderung stellt der Präsenzunterricht ohnehin eine unverzichtbare individualisierte Interaktions- und Lernmöglichkeit dar, die wohl eher nicht über die digitalen Tools erreichbar scheint, sondern lediglich durch diese ergänzt werden kann.

Die asynchronen Formen des Fernunterrichts erfordern eine hohe Kompetenz im Bereich des selbstgesteuerten Lernens, beispielsweise bei der eigenständigen Erstellung von Lernprodukten oder beim Durcharbeiten von Materialien. Erklärvideos, Höraufgaben, Padlets, Whiteboards und Screencasts stellen sicherlich attraktive neuartige Lernformen dar, benötigen jedoch insgesamt eine hohe Mediennutzungskompetenz, die zunächst zusammen mit anderen erworben und sinnvoll angeleitet werden muss. Diese Kompetenzen brauchen eine sinnvoll geplante, stetige und konsequente Vermittlung, Übung und Sicherung. Dies geschieht einerseits im aktiven Tun, findet im Förderbereich Geistige Entwicklung aber andererseits auch eine Metaebene im Präsenzunterricht, da man hier miteinander vor Ort üben und reflektieren kann.

Gerade über die elektronischen Hilfsmittel, wie sie zum Beispiel in der Unterstützten Kommunikation seit einigen Jahren für diese Schüler/-innen eingesetzt werden, wirken digitale Geräte als attraktive Lerngegenstände motivierend auf die Ausdauer und Lernbereitschaft. Der Einsatz von Lernsoftware und geeigneten Apps stellt eine echte Erweiterung für die unterrichtlichen Angebote im Förderschulbereich dar. Hier müssen Lehrpersonen ohnehin oft kreativ eigene, individualisierte Materialien entwickeln. Es gibt kaum Schulbücher oder fertige Kaufmaterialien. Gerade im Bereich des individualisierten Lernens kann man daher als Lehrkraft diesen Schülern auch mit digitalen Medien zeitgemäße Lernangebote im eigenen Lerntempo geben, die zu ihren Fähigkeiten und dem Entwicklungsniveau passen.

Die Schüler/-innen erleben trotz ihrer Einschränkungen im Umgang damit Selbstwirksamkeit und können mit einfacher Lernsoftware kognitiv gefördert werden. Besonders die visuelle Wahrnehmung und die Motorik werden gefördert, sodass eine gute App mindestens einen der beiden Bereiche von kognitiver Entwicklung oder visueller Wahrnehmung gezielt ansprechen sollte.

Die Auswahl des schier unerschöpflichen Angebots an Lernsoftware und Apps richtet sich nach den Kriterien für jedes Unterrichtsmaterial: Die Lernsoftware sollte  

  • Schülerorientiert
  • lebensbedeutsam
  • und motivierend sein,
  • die persönlichen Vorlieben des Lernenden ansprechen
  • und auch dem Lebensalter entsprechen.

Notwendige Kompetenzen werden aufgegriffen und das Handlungsrepertoire wie auch der allgemeine Entwicklungsstand des Schülers berücksichtigt. Nicht zuletzt sollten digitale Angebote Erfolgserlebnisse ermöglichen, um weiteren Lernanreiz zu bieten. Damit findet das digitale Lernen Anschluss an die aktuellen Erfordernisse und Entwicklungen einer Zeit, die Lernen auf Distanz erfordert.

Claudia Omonsky


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