Fach/Thema/Bereich wählen
Tablet & Co

Einsatz von Lernsoftware bei Schülern mit schwerer Behinderung

Der Einsatz von Lernsoftware bei Schülern mit schwerer Behinderung kann bei der Förderung bestimmter Fähig- und Fertigkeiten eine echte Bereicherung im Unterricht sein. Es kommt aber auf eine sorgfältige und zielgerichtete Auswahl an.

Tablet & Co: Einsatz von Lernsoftware bei Schülern mit schwerer Behinderung Lernsoftware hilft behinderten Schülern, aktiv am Unterricht teilzunehmen © wavebreakmedia/shutterstock.com

Neue interaktive Medien wie iPad, Tablet und Co faszinieren zunehmend viele Menschen aufgrund ihrer einfachen und intuitiven Bedienung und den zahlreichen Möglichkeiten der Beschäftigung. Im Zuge der Digitalisierung halten die Geräte auch Einzug in die Schulen und wollen auch methodisch-didaktisch gut eingesetzt werden. Welche Vorteile bieten Tablets für die Arbeit mit Schülern mit schwerer Behinderung? Welche Lernsoftware eignet sich und ist für die Förderung gut nutzbar?

Schüler mit einer schweren Behinderung weisen häufig neben der kognitiven Einschränkung auch weitere Förderbereiche auf, zum Beispiel in der visuellen und motorischen Entwicklung. Mit einer sensomotorischen Zugangsweise lernen die Schüler, über die Sinne und in Verbindung mit Bewegung zu handeln. Mit zunehmendem Interesse steigt die Aufmerksamkeit für die Umwelt, interessante Erlebnisse werden vorzugsweise immer wieder wiederholt.

Trotz eines meist höheren Lebensalters (Schulalter) weisen die Schüler mit schwerer Behinderung oft ein junges Entwicklungsalter auf. Darum eignen sich ab einem Entwicklungsalter von einigen Monaten bereits auch Tablet oder iPad, um damit interessante Effekte selbstwirksam auszulösen. Sie sind damit für diese Schüler attraktive Lerngegenstände und wirken motivierend auf die Ausdauer und Lernbereitschaft. Da es im schulischen Bereich oft in der kreativen Hand der Lehrkraft liegt, passende Lernmaterialien für Schüler mit einer schweren Behinderung zu erstellen, ist der Einsatz von Lernsoftware und geeigneten Apps eine echte Erweiterung für die unterrichtlichen Angebote.

Mithilfe digitaler Medien erleben Schüler Selbstwirksamkeit

In der Individualisierung kann man diesen Schülern auch mit digitalen Medien Lernangebote im eigenen Lerntempo geben, die zu ihren Fähigkeiten und dem Entwicklungsniveau passen. Die visuelle Wahrnehmung und die Motorik werden gefördert, die Schüler erleben trotz ihrer Einschränkungen Selbstwirksamkeit und können mit einfacher Lernsoftware kognitiv gefördert werden. Dabei sollte klar sein, dass die Begleitung durch eine erwachsene Bezugsperson unerlässlich ist. Eine positive Beziehung zur Lehrkraft ist die Basis für das Lernen und die aktive Erkundung.

Die Auswahl der schier unerschöpflichen Angebote an Lernsoftware und Apps richtet sich nach den Kriterien für jedes Unterrichtsmaterial: Die Lernsoftware sollte schülerorientiert, lebensbedeutsam und motivierend sein, die persönlichen Vorlieben des Lernenden ansprechen und auch dem Lebensalter entsprechen. Sie sollte dem Handlungsrepertoire gerecht werden und die notwendigen Kompetenzen des Schülers aufgreifen. Sie berücksichtigt den allgemeinen Entwicklungsstand, insbesondere hier die Kognition, Bewegung und visuelle Wahrnehmung. Und nicht zuletzt sollte sie Erfolgserlebnisse ermöglichen, um weiteren Lernanreiz zu bieten.

Hierbei kann eine Lernsoftware unterschiedliche Aspekte ansprechen, zum Beispiel Aufmerksamkeit lenken, etwas bewirken, erkunden und experimentieren, wiedererkennen, visuelles Interesse und visuelle Wahrnehmung fördern, die Visumotorik schulen u.v.m.

Auswahl an Lernsoftware

Der schwedische Anbieter LÄRAMERA & LERIPA bietet Anwendungen an, die zum Teil ohne Maus und mit nur einem Taster oder zwei Sensoren bedient werden können:

  • Abrakadabra — Programm zur Ein- und Zweitasterbedienung
  • Hipp! — Ein erstes Taster-Lernprogramm zur Festigung eines Verständnisses für Ursache-Wirkungsrelationen.
  • Happenings — Klick für Klick Bilder zaubern
  • Teddyspiel — Programm zum Entdecken, Lernen und Erleben mit Aufgaben zum Training von Wahrnehmung, Mengenverständnis, Ursache-Wirkung und Sprachentwicklung
  • Mega Mix Retro — Sammlung von Computerspielen. Sechs bekannte Computerspiele können mit einem oder zwei Sensoren bedient werden

Das gemeinnützige Unternehmen LIFEtool bietet neben Beratung und Forschung auch unterschiedliche Hilfsmittel an, unter anderem auch Lernsoftware (vgl. hier):

  • BigBang — Lernen von Ursache-Wirkungsrelationen
  • SwitchSkills1 — Lustige Spiele zum Erlernen der Tasten-Bedienung
  • SwitchTrainer — Erlernen der 2-Tasten-Bedienung. SwitchTrainer ist ein Programm zum Erlernen des Umgangs mit zwei Tastern am Computer.
  • CatchMe 2.0 — Spielerisches Erlernen der Maussteuerung
  • KlickTool Literacy AAC — Multimediales Bilderbuch für Unterstützte Kommunikation
  • ShowMe AAC 2.0 — Erlernen und Üben von Begriffen

Die Firma HIDREX bietet ein Lernspiel zur Anbahnung der Augensteuerung an, mit dem Schüler spielerisch zu der überaus wertvollen Kommunikationshilfe hingeführt werden: LookToLearn — Lernspiel zur Anbahnung der Augensteuerung.

Die Firma REHAVISTA® kümmert sich um die Hilfsmittelversorgung von Menschen, die auf unterstützte Kommunikation angewiesen sind. Mit der Lernsoftware LifeTools Pablo beispielsweise wird in sechs Spielen die Wahrnehmung trainiert sowie die Handhabung der Eingabegeräte.

Mit einer Auswahl an geeigneten Lernsoftware-Programmen kann man als Lehrkraft in Einzelfördersituationen sinnvolle Lernaktivitäten anregen. Aufbauend können die motorischen Fertigkeiten zur Bedienung eines Tablets auch mithilfe von Tastern oder Sensoren trainiert und gefestigt werden. Mit kindgerechten Lernangeboten werden auf diese Weise auch Schüler mit einer schweren Behinderung an sinnvolle und motivierende digitale Medien herangeführt.

Claudia Omonsky


Mehr zu Ratgeber Neue Medien im Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×