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Interaktive Whiteboards

Fluch und Segen des interaktiven Whiteboards

Interaktive Whiteboards erfreuen sich großer Aufmerksamkeit. Bereits viele Klassenräume sind mit den neuartigen Tafeln ausgerüstet. — Welche Vorteile bringt der Einsatz eines Whiteboards und mit welchen Nachteilen muss man rechnen?

Interaktive Whiteboards: Fluch und Segen des interaktiven Whiteboards Mehr als nur eine digitale Schultafel: das Whiteboard © rolafoto – fotolia.com

Ein interaktives Whiteboard besteht aus einer Tafel, einem Video-Projektor, der ein Abbild des Computerbildschirms auf das Board wirft und in fester Distanz kurz oberhalb des Boards sitzt.
Ist das Board mit dem eigenen Computer verkabelt, die mitgelieferte Software installiert, wird das Whiteboard zu einem gewaltigen druckempfindlichen Bildschirm. Er zeigt nicht nur ein Abbild des Computerbildschirms an, Lehrer können auch auf dem Board malen wie auf einer Tafel, während die projektierten Schaltflächen auf Druck reagieren.

Lehrer sitzen also nicht versteckt hinter dem Bildschirm, sondern stehen wie vor einer Tafel und können das Whiteboard wie eine solche benutzen. Zugleich scheinen sie eine Computermaus in der Hand zu halten, mit der der Computer Anweisungen vom Whiteboard aus empfängt. Wenn gewünscht, können auch Schüler von ihren Rechnern aus auf das Whiteboard zugreifen.

Vorteile

Wer sich mit der Technik vertraut gemacht hat, gewinnt eine Arbeitshilfe, wie sie flexibler nicht sein könnte, verbindet sie doch die Vorteile einer Tafel mit denen eines Computers.

Vielfalt und Indiviualisierbarkeit
Liegt der Vorteil des klassischen Tafelbildes darin, rasch Individualisierungen zuzulassen und schrittweise während des Unterrichts zu entstehen, stehen beim beim Computer die Fülle des vorhandenen Materials im Vordergrund, über dessen Auswahl Individualisierung entsteht. Das digitale Whiteboard bietet beides: Hier ein Video von YouTube, dort eine Tabelle aus Excel, ergänzt um handschriftliche Ergänzungen. Zusatzsoftware, kann zum Beispiel für den Geometrieunterricht einen beweglichen Winkelmesser und Millimeterpapier anzeigen.

Verfügbarkeit der Materialien für Schüler
Der zweite große Vorteil ist, dass Tafelbilder ausgedruckt, per E-Mail verschickt oder auf einen Server gelegt werden. Schüler haben so die Möglichkeit, sich zu Hause das Tafelbild noch einmal anzusehen. Auch praktisch: Während der Folgestunde kann das vorherige Tafelbild rasch wieder hervorgeholt werden.

Nachteile

Den zwei Vorteilen stehen auch zwei Nachteile gegenüber. Wenig überraschend heißt einer davon „Kosten“.

Anschaffungskosten
Hier kann die Schule kreativ werden und mithilfe von Sponsoren die Kosten decken, wie das einige Schule erfolgreich praktiziert haben. Zwar sind die Preise deutlich gesunken, ein Komplettsystem aus Whiteboard mit einer Diagonalen von rund 90 Zoll, einem Ultra-Kurzdistanz-Projektor, der Schattenwürfe minimiert und Schienen für eine höhenverstellbare Wandmontage kostet rund 4.500 Euro.

Folgekosten
Auch die Folgekosten müssen kalkuliert werden. Es wäre ärgerlich, wenn das teure Whiteboard verstaubt, weil das Geld für eine neue Glühbirne für den Projektor fehlt. Wer den Projektor häufig nutzt, muss mit einem Austausch nach drei, zuweilen auch zwei Jahren rechnen. Die meisten davon kosten zwischen 130 und 250 Euro. Außerdem muss die Software aktualisiert und die Hardware gewartet werden. Letztere verbraucht zudem viel Strom.

Literatur

Jürgen Schlieszeit
Mit Whiteboards unterrichten: Das neue Medium sinnvoll nutzen
Beltz Verlag

Links
Informatives Portal rund um interaktive Whiteboards

Zubehör
Manche Whiteboards verlangen nach batteriebetriebenen Stiften (ca. 25 Euro pro Stück) – und überhaupt Stifte: Wehe es malt jemand mit einem normalen Filzschreiber auf dem Board und ruiniert so die empfindliche Oberfläche, mit denen manche, nämlich so genannte analog-resistive, Boards bestückt ist. 

Anfälligkeit der Systeme
Den anderen Nachteil bildet die Technik selbst: Es gibt vier grundlegend verschiedene Systeme, von denen keines perfekt ist. Unterbrechungen, weil die Technik nicht so will wie sie soll, stören Unterrichtsablauf. Neben Lampen im Beamer können Batterien in aktiven Stiften für elektromagnetische Whiteboards ausfallen, die Software „Schluckauf“ haben und Kabel können Stolperfallen bilden. Gerade mobile Whiteboards müssen zuweilen neu kalibriert werden, damit das projizierte Bild mit den Koordinaten des Boards überein stimmt.

Ein anderes Argument gegen digitale Whiteboards möchte Jürgen Schlieszeit, Lehrer, Medienpädogoge und Betreiber des Online-Portals myBoard.de dagegen nicht gelten lassen: „Nicht das Whiteboard ist lehrerzentriert, sondern der Lehrer, der es nicht richtig einsetzt.“ Wer einen offenen und schülerzentrierten Unterrichtsstil pflege, würde ein  digitales Whiteboard als Medium einsetzten, das diese Art Unterricht unterstützt.

Norbert Busche

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