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Tipps und Anregungen

Schulradio on Air

Eine Schulradio-AG zu betreuen ist für viele Lehrer eine echte Herausforderung. Wer seinen Arbeitsaufwand in Grenzen halten möchte, kann professionelle Coaches hinzuziehen und die Informationsquellen im Internet nutzen.

Tipps und Anregungen: Schulradio on Air Ganz so professionell muss es nicht aussehen. Schon mit weit einfacheren Mitteln lässt sich ein Schulradio einrichten © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Als Franz-Josef Scheidhammer im Schuljahr 2001/2002 mit dem neuen Wahlfach „Schulradio“ startete, musste er erst einmal Überzeugungsarbeit leisten: Seine Schülerinnen verbanden mit Radio „Songs auflegen (…) und diese (…) anmoderieren. Woraus würde Radiomachen denn bitteschön sonst bestehen?“ Ihrem Lehrer hingegen schwebten eher anspruchsvolle Wortbeiträge à la „Deutschlandradio Kultur“ vor. — Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss, erinnert sich der Deutschlehrer in seinem „Erfahrungsbericht mit dem Wahlunterricht Schulradio“: „Jedem Lied muss ein mehrminütiger Wortbeitrag vorausgehen“.

Doch welche technische Grundausstattung ist für ein Audioprojekt erforderlich? Fallen für die Sendung von Musik GEMA- oder GVL-Gebühren an? Und welche journalistischen Beitragsformen bieten sich für Wortbeiträge an? Viele recherche-intensive Fragen stehen am Beginn der Schulradioarbeit. Hier einige Handreichungen und Anregungen im Internet, mit deren Hilfe Lehrer und Schüler schnell in die komplexe Materie hineinfinden.

Low-Budget-Lösungen für das technische Equipment

Besonders zu Beginn eines Radioprojektes fehlt es oft noch an den nötigen Geldern. Davon sollte man sich nicht entmutigen lassen, denn für den Anfang tut es auch eine Low-Budget-Lösung: „Bereits mit rund hundert Euro kann man seinen PC oder Laptop mit wenigen Handgriffen zu einem kleinen einsatzfähigen Heimstudio erweitern“, so die beiden Medienpädagogen Danilo Dietsch und Sabine Reichel in ihrem praxisorientierten E-Book „Radio in der Schule“ (im Folgenden abgekürzt mit „RidS“). Verschiedene preisgünstige Einsteiger-Pakete enthalten meist einen kleinen Mixer, „ein einfaches Mikrofon samt Tischständer, Kopfhörer, Kabel und eine brauchbare Audioschnitt-Software.“ (S. 8) In Bayern kann bei der „Bayerischen Landeszentrale für neue Medien“ (BLM) sogar ein kostenloses Starterpaket für die praktische Radioarbeit an Grund- und weiterführenden Schulen bestellt werden.

Dietsch und Reichel erläutern außerdem, welche Voraussetzungen Aufnahmegeräte, Mischpult und Mikrofone erfüllen sollten (S. 7 f.) und geben hilfreiche Tipps für eine budgetschonende Wahl bei der Schnittsoftware: „Audacity“ zum Beispiel steht im Internet zum freien Download, und die ebenfalls kostenfreie „Digitale Schultasche“ kann auch mit USB-Stick genutzt und hier heruntergeladen werden.

Ideal ist es, wenn dem Radioteam neben einem Raum für die meist recht „lebhafte“ redaktionelle Radioarbeit zusätzlich ein „ein Raum ohne störende Außengeräusche wie z. B. Straßenlärm, lärmende Mitschüler oder das Getrappel im Treppenhaus“ als Studio zur Verfügung steht. Wie solch ein Studioraum eingerichtet sein könnte, und mit welchen einfachen Maßnahmen sich der Raumhall vermindern lässt, kann dem Infoleitfaden Schülerradio entnommen werden (S. 41 f.)

Musik im Schulradio: GEMA-pflichtig oder nicht?

Grundsätzlich gilt: „Auch für Schul-Radio müssen Gebühren an GEMA und GVL gezahlt werden“, informieren die Autoren der Handreichung „PLAY FAIR. Fragenkatalog zum Urheberrecht“. Entsprechende Schulradiosendungen dürfen auch nur ein Jahr lang archiviert werden, dann müssen sie gelöscht werden (ebd.). Ob ein Titel GEMA-pflichtig ist, kann hier überprüft werden. Mit GEMA-freier Musik, die mit einer „Creative Commons“-Lizenz versehen ist, fährt man deshalb günstiger. — Praktische Tipps dazu sowie Quellen für gebührenfreie Titel finden sich auf der Website schulradio-bayern.de.

Schreiben und Sprechen fürs Hören

Radiospiele eignen sich hervorragend dazu, die Schüler für die Möglichkeiten des Mediums Radio zu sensibilisieren. Vielfältige Anregungen dafür bietet das E-Book „Radio in der Schule“ (Link s. o.): Bei der „Geräusch-Geschichte ‚Mein Tag‘“ etwa geht es darum, mit Geräuschen einen typischen Tagesablauf vom morgendlichen Weckerklingeln bis zum abendlichen Zähneputzen darzustellen. (S. 12) Beim „akustischen Kochbuch“ überlegen sich die Schüler, wie Spaghetti-Kochen oder das Mixen eines Drinks klingt. Noch interessanter werden die Spiele, wenn die Schüler gegenseitig zu erraten versuchen, welche Speise oder welches Getränk Thema der Klangcollage ist. Eingebaut werden können dabei natürlich auch Atmos und Geräusche, Instrumente oder Laute aus frei verfügbaren Sound-Sammlungen wie zum Beispiel hoerspielbox.de.

Damit die Schüler eigene Ideen für Wortbeiträge entwickeln können, sollten sie die wichtigsten journalistischen Beitragsformen kennen: Der „Infoleitfaden Schülerradio“ (Link s. o.) erläutert die wesentlichen journalistischen Darstellungsformen (Umfrage, Interview, „gebauter“ Beitrag, Bericht und Nachricht) verständlich in jugendgerechter Sprache und liefert auch gleich Beispiele und Tipps für eine mediengerechte Aufbereitung dazu (ab S. 10). Die Radioredakteurin Sandra Müller liefert auf ihrer Website Anregungen für Übungen und Hörbeispiele. Regeln für mediengerechtes Texteschreiben („Schreiben fürs Hören ist Schreiben fürs Sprechen“) fasst Brigitte Hagedorn auf der Website akademie.de zusammen.

Schulradio wird gefördert und honoriert

Gerade der schulische Alltag bietet zahlreiche Themen, die für das Schulradios natürlich besonders interessant sind: z. B. eine Befragung des Schulleiters zum Thema „Hitzefrei“, Lehrerinterviews zum traditionellen Streich der Abschlussklasse — mit solch spannenden Themen sammeln die Schüler Punkte bei Mitschülern und Lehrern.

Doch nicht nur die „Schulfamilie“ ist an gelungenen Beiträgen interessiert: Verschiedene Institutionen wie Landesmedienanstalten, Journalistenschulen, Kultusministerien oder öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten bieten bezuschusste Workshops und Wettbewerbe an mit dem Ziel, den radiojournalistischen Nachwuchs zu fördern: So können sich Schulradio-AGs bundesweit für eine Teilnahme am „SchoolRadioDay“ bewerben. Vier Redaktionsmitglieder dürfen dann gegen einen geringen Unkostenbeitrag (im Schuljahr 2014/15 waren das 20 €) zu einem Workshop mit professionellen Radiomachern reisen. Dabei gilt allerdings: „Früher Vogel fängt den Wurm“, denn die Anzahl der Plätze ist begrenzt.

Auch auf Länderebene gibt es immer wieder kostenfreie Coaching-Angebote: Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien zum Beispiel vermittelt und finanziert „den Schulklassen, die noch keine Radioerfahrung haben, erfahrene Schulradio-Coaches aus dem lokalen Rundfunk“. Der Bayerische Rundfunk etwa richtet sich mit seinem Projekt „TurnOn“ an „Schulradio-Gruppen aller Schularten aus Bayern ab Jahrgangsstufe 6“. Neben Workshops und Coaching der Redaktion direkt vor Ort in der Schule bietet „TurnOn“ auch einen Wettbewerb für alle beteiligten Schulradios, bei dem die besten Reportagen eines Schuljahres ausgezeichnet werden. (Hier die TurnOn-Preisträger des Wettbewerbes 2015 zum Nachhören.)

Die Medienanstalt Berlin Brandenburg setzt ebenfalls auf Schulradio-Coaching durch Profis. Auch in vielen anderen Bundesländern fördern Lokalsender, Bürgermedien und vergleichbare Einrichtungen Schulradios durch verschiedene unterstützende Aktionen. Und wo das bisher nicht angeboten wird, könnte eine Zusammenarbeit vonseiten der Schule angebahnt werden. Schließlich profitieren davon nicht nur die Schulradioakteure, sondern auch die Lokalsender, wenn sie neue Talente entdecken.

Martina Niekrawietz

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