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Medienkompetenz

So lernen Schüler, was wirklich in ihren Smartphones steckt

Medienbildung beinhaltet nicht nur den richtigen Umgang mit Smartphone und Tablet, sondern auch das Verständnis der Technik, die sich dahinter verbirgt. Hier hilft es Schülern, die Geräte auseinanderzubauen und einen Blick hinter den Screen zu werfen.

Medienkompetenz: So lernen Schüler, was wirklich in ihren Smartphones steckt Auch ist Teil der Medienbildung: das technische Innenleben eines Smartphones entdecken © Olexandr - Fotolia.com

Immer mehr Schulen setzen Smartphones und Tablets im Unterricht ein. Nicht jedem Lehrer ist wohl dabei. Schüler werden künftig nur noch auf Bildschirme starren und Wischen — so lautet die Kritik. Dabei geht Medienbildung weit darüber hinaus: Die Schüler sollen Medien verstehen und bedienen können, aber auch kritisch hinterfragen und einen vernünftigen Umgang damit erlernen.

Dafür gibt es reichliche Methoden, zum Beispiel wenn man die Geräte einfach ausschaltet und aufschraubt. Denn in Handys und Tablets steckt so einiges, was den Schülern nicht bewusst ist — angefangen von Plastikteilen und Schräubchen bis hin zu Edelmetallen und seltenen Erden. Besonders im Werkunterricht und in den Fächern Physik, Chemie und Erdkunde lohnt es sich, Handys und Tablets einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ab in die Handywerkstatt!

Von wegen nur Wischen: Im Werk-/Technikunterricht können Schüler ihr handwerkliches Geschick beweisen, indem sie sämtliche Teile eines Handys oder Tablets auseinander- und wieder zusammenbauen. Dafür benötigen sie ein altes oder defektes Endgerät und etwas Werkzeug. Bei Ebay sind sogenannte „Bastel-Handys“ schon für einen Euro erhältlich. Alternativ können die Schüler ein altes Gerät von zu Hause mitbringen. Außerdem wird ein Satz Mini-Schraubenzieher benötigt, die günstig im Baumarkt erhältlich sind.

Dann kann es losgehen: In Teamarbeit versuchen die Schüler, ein Handy oder Tablet in alle Einzelteile zu zerlegen. Wenn es zu kompliziert wird, können sie auch eine Schraub-Anleitung bei YouTube zu Rate ziehen. Zu jedem Handymodell lässt sich ein entsprechendes Tutorial im Internet finden.

Wenn die Einzelteile zerlegt sind, müssen sie sauber sortiert und beschriftet werden, denn nur so können die Schüler nachher alles wieder richtig zusammensetzen. Jedes Team erstellt eine Skizze aller Einzelteile, die anschließend vor der Klasse präsentiert wird. Die Schüler können dabei das Arbeitsblatt „Aufbau eines Handys“ zu Hilfe nehmen, das alle wichtigen Teile und Begriffe veranschaulicht.

Weiterführende Informationen:

Die Publikation „Folgen der Globalisierung am Beispiel Handy“ stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die Globales Lernen am Beispiel Handy vermitteln.

Die Begleitbroschüre zu dem Projekt „Die Handy Connection — eine entwicklungspolitische Detektivtour“ gibt Anregungen für den Unterricht und Hintergrundinformationen zur globalen Lieferkette eines Handys.

Wie ein Handy oder Tablet beschaffen ist, wird für die Klasse überraschend sein: Selbst bei teuren Marken sind Plastikteile billig verklebt, damit das Gerät möglichst leicht ist. Mehr als die Hälfte des Geräts besteht aus Kunststoff, ein Viertel aus Metallen, ein Achtel aus Glas und Keramik und ein winziger Teil aus Edelmetallen und seltenen Erden.

Um alle Einzelteile wieder richtig zusammenzubauen, erfordert es viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Nachdem alle Schüler es geschafft haben, die Geräte wieder zusammenzusetzen, kann der Lehrer eine Diskussionsrunde über die Produktion von Handys und Tablets einleiten. Denn dort, wo die Geräte hergestellt werden, arbeiten die Menschen meist unter hohem Zeitdruck und zu Niedriglöhnen. Dadurch, dass die Schüler die Geräte mit eigenen Händen auseinander- und zusammengebaut haben, können sie besser nachvollziehen, was die Massenproduktion solcher Geräte bedeutet. Mit den Arbeitsblättern der Broschüre „Die Handy Connection — eine entwicklungspolitische Detektivtour“ kann das Thema vertieft werden.

Akku, Touchscreen und Handystrahlung verstehen

Das Innere von Handys und Tablets ist wie gemacht für den Physikunterricht: Die Schülerteams können untersuchen, wie die einzelnen Bausteine funktionieren. Warum reagiert ein Touchscreen zum Beispiel auf den Finger? Und warum klappt es nicht, wenn man Handschuhe anhat?

Die Schüler können sich auf der Website der Sendung „Planet Schule“ schlau machen. Dort finden sich verschiedene Videos zum Thema Handy: Eine Folge befasst sich mit der Funktionsweise eines Touchscreens, eine andere Folge  mit der Frage, wie ein Akku die Energie speichert.

Noch ein interessantes Thema für den Physikunterricht ist die Frage, was Handystrahlung ist und ob sie schädlich sein kann. Die Schüler können in Teamarbeit online nach der viel diskutierten Frage recherchieren und versuchen, selbst eine Antwort darauf zu finden. Besonders eignen sich dafür die Artikel auf der Seite handysektor.de.

Elemente eines Tablets entdecken

In jedem Smartphone oder Tablet steckt ein winziger Schatz: Silizium, Kobalt, Lithium, Silber, Gold, Platin und vieles mehr. Im Chemieunterricht können die Schüler diese wertvollen Handy-Elemente genauer unter die Lupe nehmen. Sie werden staunen, dass sich zirka 30 verschiedene (Edel-)Metalle und seltene Erden in ihren Handys verbergen. Noch erstaunlicher ist, für was diese sonst noch verwendet werden können: Silizium steckt nicht nur in Microchips von Handys, Tablets und Computern, sondern auch in Glas und Porzellan oder Solarzellen. Lithium wird nicht nur für die Herstellung von Handy-Akkus benötigt, sondern auch für den Flugzeugbau, Raumfahrttechnik und Panzerplatten. In Teamarbeit erstellen die Schüler Plakate, die veranschaulichen, welche Stoffe in einem Handy zu finden sind und in welchen anderen Bereichen sie auch verwendet werden. Dabei lernen sie zum einen, was in ihren Handys steckt, zum anderen vertiefen die Schüler ihr Wissen über chemische Elemente und Verbindungen.

Weltreise eines Smartphones

Im Fach Erdkunde können die Schüler sich mit ihren Geräten auf eine Expeditionsreise begeben: Gemeinsam recherchieren sie im Internet, in welchen Ländern die verschiedenen Handy-Rohstoffe vorkommen, und unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden. Dabei lernen die Schüler einiges über die Welt und Globalisierung: Die Produktionskette eines Handys kann über Russland führen (Erdöl), Bolivien, Chile oder Argentinien (Lithium), Peru (Kupfer), den Kongo, Indonesien, Australien und Brasilien (Zinn), Südafrika (Gold) und so weiter. Meistens arbeiten arme Menschen unter gefährlichen Bedingungen, um die Rohstoffe heranzuschaffen.

Wie verworren die Produktionskette ist, wird am besten veranschaulicht, wenn die Schüler sie mit einem Wollknäuel auf einer imaginären Weltkarte selber spinnen, wie es in der Handreichung „Folgen der Globalisierung am Beispiel Handy“ beschrieben wird. Auch die Broschüre „Die Handy Connection — eine entwicklungspolitische Detektivtour“ enthält hilfreiches Unterrichtsmaterial zum Thema „Schritte der Lieferkette“.

Abschließend können die Schüler in Teamarbeit überlegen, wie man ein Handy fair produzieren kann. Dafür eignen sich die Informationstexte und Videos auf der Website von „Fairphone“. Aber auch außerhalb der Unternehmensseite sollte recherchiert werden, inwieweit Smartphones „fair“ produziert werden können. Abschließend diskutieren die Schüler, ob es überhaupt zu hundert Prozent möglich ist, alle Materialien fair zu beschaffen, vor allem dann, wenn der globale Handykonsum und die Preise gleich bleiben sollen.

Die Schüler lernen bei diesen Übungen — ganz ohne Wischen —, was Medien bedeuten und entwickeln ein besseres Bewusstsein für ihre Smartphones und Tablets. Sie erfahren auf praktische Weise, was alles in den Mediengeräten steckt. Ganz nebenbei vertiefen sie dabei ihr Wissen in den Bereichen Physik, Chemie und lernen eine Menge über das Weltgeschehen.

Ananda Bräunig

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