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Medienkompetenz

So produzieren Schüler eigene kleine Trickfilme

Trickfilme ziehen Kinder in den Bann. Diese Faszination kann auch als Lernmotor genutzt werden, indem Schüler kurze Trickfilme zu Unterrichtsthemen oder eigenen Geschichten produzieren. Dabei entdecken sie spielerisch ihre Fähigkeiten und lernen Medieninhalte zu reflektieren.

Medienkompetenz: So produzieren Schüler eigene kleine Trickfilme Mit Knetfiguren lassen sich recht einfach kleine Trickfilme erstellen © ChristArt - Fotolia.com

Ob Mickey Maus, Bob der Baumeister oder Shaun das Schaf — Kinder lieben Trickfilme und Animationen. Viele haben sogar Spielzeugfiguren von ihren Serienhelden. — Wecken sie die Neugier bei den Kindern und verwandeln Sie ihren Unterricht in ein Trickfilmstudio. Das geht wunderbar, wenn Sie im Deutschunterricht Geschichten oder Märchen lesen und diese dann „lebendig“ werden lassen, ja, selbst Themen im Sachunterricht kann man in kleinen Trickfilmen umsetzen. Denn wenn Schüler sich einen eigenen Trickfilm ausdenken und realisieren, müssen sie nicht nur den Inhalt verstehen und transportieren, sie lernen auch eigenständig und ihre Kreativität wird gefördert. Dabei reflektieren sie nicht nur das Medium selbst, sondern gewinnen auch Fach- und Sozialkompetenzen.
Mit gar nicht so viel Aufwand und in wenigen Schritten entsteht ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Schritt 1: Der „Trick“ beim Trickfilm

Das Grundprinzip eines Trickfilms lässt sich ganz einfach anhand eines Daumenkinos verdeutlichen. Dafür  basteln die Schüler ein Daumenkino mit einem Din-A6-Notizbuch. Einfache Motive sind Strichmännchen, ein hüpfender Ball oder eine Schnecke, die von links nach rechts kriecht. Mit dieser Übung lernen die Schüler kreativ und spielerisch, wie es dazu kommt, dass sich Zeichentrickfiguren bewegen. Am Ende haben die Schüler verstanden, dass ein Trickfilm aus einzelnen Bildern besteht — und das Auge eigentlich „ausgetrickst“ wird.

Wie ein Trickfilm im Studio entsteht, können die Schüler in einem Video mitverfolgen. Empfehlenswert ist zum Beispiel das „Making of Shaun das Schaf“ von der Sendung mit der Maus.

Schritt 2: Eigene Geschichten ausdenken

Infos und Hinweise zum Thema:

Eine Sammlung hilfreicher Trickfilm Tutorials finden Sie auf der Seite des Vereins kinomobil Baden-Württemberg. Ein Trickfilm-Wettbewerb für die Grundschule startet jetzt. Infos finden Sie hier.

Bastelbögen für Trickfilme.

Trickbox — Leitfaden für die Praxis.

Bauanleitung für die Trickbox.

Eine Anleitung zur Trickfilmproduktion mit der App Stop Motion Studio finden Sie hier.

Jeder Trickfilm benötigt ein Storyboard. Was das ist, können die Schüler wiederum handelnd erfahren. Dazu zeichnen die Schüler eine selbst ausgedachte Bildergeschichte/ein Comic auf ein Din-A4-Blatt. Vielleicht einigt sich die Klasse auf ein gemeinsames Thema oder der Lehrer schlägt ein Thema vor.

Danach sieht sich der Tischnachbar das Storyboard an und versucht anhand der Bilder zu erklären, worum es in der Geschichte geht. So erfährt der Zeichner, ob seine Bilder „funktionieren“ und die Geschichte auch wirklich wiedergeben.

Die Schüler lernen so, dass man sich sehr genau überlegen muss, was und in welcher Reihenfolge auf den Bildern gezeigt wird, damit der Betrachter die Geschichte versteht. Und genau das erfüllt ein Storyboard.

Sind die Comics fertig, kann in Gruppen weitergearbeitet werden, denn bei den nächsten Schritten ist Teamarbeit gefragt.

Schritt 3: Figuren und Kulissen basteln

Die Schüler können mit Papier arbeiten und den sogenannten „Legetrick“ anwenden: Erst werden alle Gegenstände und Figuren gezeichnet. Die Zeichnungen sollten nicht zu kleinteilig sein, sondern schematisch, wie etwa die Skizzen in einem Malbuch. Dann werden die Figuren aus Papier ausgeschnitten. Arme, Beine und der Kopf der Papierfiguren können auch getrennt ausgeschnitten und zusammengelegt werden. So sind die Figuren beweglicher.

Alternativ können die Schüler auch Figuren aus Knete formen und bewegen. Das ist der sogenannten „Puppentrick“. Bei den Knetfiguren sollte ein stabiler Rumpf mit robusten Armen und Beinen geknetet werden, damit die Figuren nicht einsinken, wenn sie nachher gefilmt werden.

Schritt 4: Eine „Trickbox“ basteln

Sind alle Figuren und Gegenstände fertig, dann geht es zum nächsten Schritt: Die Schüler bauen eine sogenannte „Trickbox“. Dafür benötigt man einen Karton, der zur Seite geöffnet ist, damit die Schüler die Figuren und Kulisse darin aufbauen und bewegen können — wie eine Art Guckkastenbühne. Oben schneidet man ein Loch in den Karton, über dem man die Kamera oder das Tablet platziert.
Nachdem alles aufgebaut ist, ist Geduld gefragt: Jedes Mal, wenn die Figuren ein Stückchen weiterbewegt werden, muss man ein neues Foto machen. Damit es so aussieht, als ob sich die Figuren bewegen, müssen es sehr viele Fotos sein. Eine Sekunde eines Trickfilms besteht aus 12-13 Bildern. Das heißt, wenn der Trickfilm 60 Sekunden lang sein soll, braucht man bis zu 780 Fotos. Für die Schüler reicht es daher, wenn ihr erster Trickfilm 10 Sekunden lang ist. Sie finden dabei selbst heraus, wie viel Arbeit hinter einem Trickfilm steckt. Regen sie, nachdem alle Fotos geschossen wurden, die Diskussion unter den Schülern an: Wie lange braucht man wohl für einen Trickfilm, der eine Stunde dauert?

Schritt 5: Trickfilme schneiden und präsentieren

Nun müssen die Fotos nacheinander abgespielt werden, damit es wie eine Bewegung aussieht. Der Schnitt des Trickfilms geht einfach. Die Fotos werden mit einem Programm wie dem kostenlosen Windows-Movie-Maker oder Apples kostenloser Software iMovie hochgeladen. Auf dem Tablet eignet sich die App Stop Motion Studio. Bei den Schnittprogrammen lässt sich die Dauer der einzelnen Bilder einstellen. Die Schüler können die Länge der Bilder selbst variieren: Wie sieht es aus, wenn jedes Bild 0,8 Sekunden lang ist? Ziemlich langsam. Wie wirkt es, wenn die Länge der Bilder bei 0,1 liegt? Dann sind die Bewegungen fließender. Optimal ist eine Bilddauer von 0,3 Sekunden, damit es nach einer fließenden Bewegung aussieht.

Wenn jede Gruppe ihren Trickfilm fertiggestellt hat, können sie ihre Ergebnisse den Mitschülern präsentieren. In einer anschließenden Reflektionsphase sollten die Schüler festhalten: Worum geht es in den Filmen? Was war gut an dem Trickfilm? Was hätte man anders/besser machen können? Welcher Film ist besonders gut gelungen und warum?

Abschließend kann noch ein kleines Experiment folgen, dass die Bedeutung von Musik bei einem Film verdeutlicht: Die Filme mit unterschiedlicher Musik abspielen — mal fröhlich, mal traurig. Die Schüler werden feststellen: Ein Trickfilm kann je nach Musik ganz anders wirken.

Die Schüler haben am Ende nicht nur einen eigenen Trickfilm produziert, den sie stolz Freunden und Eltern zeigen können, sondern sie haben auch spielerisch Medienkompetenz erworben und den Teamgeist gestärkt. Trickfilme sind eine spannende Möglichkeit für die Schüler, sich kreativ und intensiv mit verschiedenen Unterrichtsinhalten auseinanderzusetzen.

Ananda Bräunig

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