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Tablets im Unterricht

Tools für die Sprachförderung per Tablet

Das Tablet oder spezieller das iPad eröffnen viele Chancen für die sonderpädagogische Sprachförderung. Lesen Sie hier, wie Sie thematische und kreative Apps erfolgreich im Schulalltag einsetzen. 

Tablets im Unterricht: Tools für die Sprachförderung per Tablet Einsatz von Apps für die Sprachförderung. © vejaa - stock.adobe.com

Tablets und iPads bieten für die sonderpädagogische Sprachförderung ein enormes Potenzial. Mit vielfältigen Anwendungen und Lernprogrammen fördern Sie Ihre Schüler/-innen gezielt in jedem Bereich wie z. B. Sprachverstehen, Aussprache, Wortschatz, Grammatik, Redefluss, Schriftspracherwerb, Lesen oder Schreiben. Viele Lernprogramme motivieren Kinder und Jugendliche auch zum eigenständigen Üben gemäß ihren individuellen Lernvoraussetzungen. Außerdem ist natürlich gerade bei Jugendlichen der „Coolness-Faktor“ von iPads und Tablets nicht zu unterschätzen.  

Doch welche Apps eignen sich für die sonderpädagogische Sprachförderung? Und wie nutzen Sie die Tools ganz konkret im Unterricht? Diese Fragen beantwortet für Sie der folgende Beitrag mit probaten Praxistipps und Unterrichtsbeispielen aus den verschiedenen Förderbereichen. 

Themen-Apps vs. Kreativ-Apps 

Die Sonderpädagogin und Logopädin Dr. Marina Ruß nutzt Apps nicht nur zur Sprachförderung in ihrer Praxis, sondern entwickelt auch eigene digitale Sprachförderübungen und -programme. In ihrem Beitrag „Das iPad in der schulischen und sprachtherapeutischen Arbeit“ stellt sie eine kommentierte Auswahl von Apps vor, die sich in ihrer Arbeit „sehr bewährt“ (PDF, S. 9) haben. Sie unterscheidet dabei zwei Arten von Apps:  

  1. Themen-Apps: Dazu gehören Spiele, Bücher oder Lernprogramme, bei denen „nach dem Öffnen ein vorgegebener Inhalt mehr oder minder interaktiv“ abläuft.  
  2. Kreativ-Apps:  Damit können die Schüler/-innen eigene Contents erstellen und gestalten.  

Weiterführende Hinweise  

Sprachbildung und Medienbildung zählen zu den fächerübergreifenden Bildungszielen der Lehrpläne. Wie Sie bei der digitalen Sprachförderung im Unterricht beides verbinden, zeigt Dr. Karin Reber in diesem Video

Das kommunale Integrationszentrum Köln hat hier eine Linkliste zum Thema Sprachförderung mit Apps und browsergestützten Anwendungen zusammengetragen. 

Die Li La Lolle-App unterstützt speziell Kinder mit Down-Syndrom beim Schreiben-Lernen. 

Worauf Lehrer/-innen beim Einsatz des iPads in der Förderschule grundsätzlich achten sollten, fasst Thomas Moch, Berater für Digitale Bildung, in diesem E-Book zusammen.   

Wer sich über das aktuelle Angebot von digitalen Werkzeugen für den Sprachförderunterricht informieren möchte, findet auf der Website der Sprachheilpädagogin Dr. Karin Reber eine laufend aktualisierte App-Liste mit Angaben zu den Lerninhalten, Lernzielen und Zielgruppen der einzelnen Tools. 

Handlungsorientierte Sprachförderung mit iPad-Apps 

Kreativ-Apps lassen sich bereits im Sprachförderunterricht mit einer zweiten Klasse vielseitig nutzen, wie Marina Ruß in einem Pilotprojekt zeigen konnte. Zum Einsatz kam unter anderem der schon in der Grundschule häufig eingesetzte „Book Creator”: Mit dieser App erstellten die Kinder „interaktive Bücher“ (PDF, S. 15) mit multimedialen Inhalten. Zunächst gestalteten Sie ein Tagebuch über ihren Schulalltag, wobei die Sprachförderung sogar in Mathematik im Mittelpunkt stand. Hier zeigten die Schüler/-innen eine Rechnung „in verschiedenen Formen: mit Zahlen, als Bild, mit Text und einer kleinen Geschichte“ (ebd.). Die Kinder waren begeistert und viele nutzten die App auch in ihrer Freizeit, zum Beispiel für ein Ferientagebuch. In der Sprachtherapie leistete die App ebenfalls gute Dienste. Es wurden damit „mundmotorische Übungen“ zu verschiedenen Zeitpunkten gefilmt und die Therapiefortschritte dokumentiert. 

Mit der App „TinyTap” entwickelten die Zweitklässler selbst erfundene, kleine Spiele, indem sie z. B. zu Bildern „eigene Fragen und Antworten“ aufnahmen. „Mit keinem Arbeitsblatt kann ein dermaßen variierendes Vokabular vorbereitet werden und die Kinder lernen, sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen“, schreibt Marina Ruß (PDF, S. 16). 

Mit der App „MakeDice” kann man zwei bis drei Würfel mit Zahlen, Wörtern oder Bildern versehen und rollen lassen. Marina Ruß beschriftet z. B. den einen Würfel mit Personalpronomen (ich, du, er ...), den anderen mit „Grundbausteinen von Verben (schwimm_, kauf_, ...)“ und „schon können die Kinder konjugieren üben“ (ebd.).  

Ein Pool von konkreten Ideen für iPad-Klassen 

Das Förderzentrum SBBZ Luise von Baden in Neckarsgmünd erprobt mit seinen Schüler/-innen „die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten eines iPads“ im Förderschwerpunkt Hören und Sprache. Auf der Schulwebsite finden sich viele konkrete Ideen für eine erfolgreiche Sprachförderung in therapeutischen Settings, Projekten und Unterrichtssequenzen. Wie das aussieht, demonstrieren die beiden folgenden Beispiele:  

Die Lehrkraft einer zweiten Klasse der Schule nutzte den Book Creator für ein Rechtschreib- und Lesetraining der besonderen Art. Zur Vorbereitung auf ein Diktat erstellte sie ein digitales Übungsbuch mit Arbeitsaufträgen: Die Kinder sollten sich mit Diktattexten auseinandersetzen, indem sie diese aufnehmen, abspielen und „sich damit selbst diktieren“ (vgl. iPad.Übungsbuch Diktat.pdf). Bei der Aufnahme trainierten sie sowohl das laute Lesen als auch das Schreiben eines Diktattextes. Undeutlich Gesprochenes konnte erneut aufgenommen werden, die Kinder korrigierten sich dabei sozusagen selbst. Beim Schreiben konnten die Kinder den gesprochenen Text auch beliebig oft anhören und arbeiteten in ihrem eigenen Tempo (Binnendifferenzierung).  

Wie animiert man Kinder mit selektivem Mutismus oder mit angstbesetztem Sprechverhalten dazu, sich zu äußern? Am besten „durch motivierende Übungsformate“, die „einen sprachlichen Input erfordern“ und so „zu mehr Sprechanteilen“ motivieren. Die Lehrkraft nutzt im Unterrichtsversuch dafür vier verschiedene Apps:

  1. Zunächst blasen die Kinder mit „Free Candle” auf dem Bildschirm eine Kerze aus – die erste Herausforderung, denn dabei muss schon „ein gewisses Pustegeräusch“ erzeugt werden.
  2. Im zweiten Schritt kommt die App „Talking Tom” zum Einsatz, bei der eine Katze mit verstellter Stimme alles nachspricht, was die Kinder vorsprechen.
  3. Ganz ähnlich funktioniert die dritte App „Voice Changer”, die das Vorgesprochene nach bestimmten Mustern verzerrt (Roboter, Schnecke, alter Mann etc.).
  4. Die vierte App „EinsZweiDreiTier” präsentiert interaktive Bilder, wobei das Kind das Reimwort finden und sagen muss, das zum letzten Bild passt.  

Der Ideenpool auf der Website stellt nicht nur viele gute Apps für die Sprachförderung vor, sondern gibt auch viele Anregungen für die sonderpädagogische Sprachförderung in unterschiedlichen Altersgruppen und Fächern. Und weil der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler, enden die kurzen, einseitigen Erfahrungsberichte immer mit einer kurzen Beurteilung des Lernerfolgs, der Ausdauer und des „Spaßfaktors“ auf Schülerseite: Meist arbeiteten die Schüler/-innen hochmotiviert und begeistert mit. 

Martina Niekrawietz


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