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Anleitung zum Glücklichsein

So geht das Glücklichsein

Der folgende Beitrag begibt sich auf Spurensuche nach dem positiven Wohlbefinden. Das Thema wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und gibt eine Menge Anregungen für eine "Anleitung zum Glücklichsein".

Anleitung zum Glücklichsein: So geht das Glücklichsein Der Weg zum Glück ist ganz leicht © VITTA GALLERY/Westend61 - stock.adobe.com

Kennen Sie die Geschichte mit dem Hammer? In diesem Video erzählt Paul Watzlawick die Episode aus seiner bekannten „Anleitung zum Unglücklich-Sein“. Da will ein Mann ein Bild aufhängen, hat aber keinen Hammer und will sich einen von seinem Nachbarn ausleihen. Auf dem Weg dorthin beschleichen ihn Zweifel: „Was, wenn der Nachbar ihn mir nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig!“ Der Mann sucht Erklärungen dafür und geriert sich dabei immer mehr als Opfer und den Nachbarn als Aggressor: „Vielleicht war er in Eile, aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan. Der bildet sich da etwas ein ...“ Der Mann gerät immer mehr in Rage, und als er schließlich klingelt und der Nachbar öffnet, schreit er ihn an: „Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!“ 

So klappt’s mit dem Glücklichsein also schon mal nicht. Aber wie dann? Der folgende Beitrag begibt sich auf Spurensuche nach dem Glück bzw. dem subjektiven Wohlbefinden, wie es in der Psychologie eher genannt wird. 

Rezepte für ein glückliches Leben

In allen Medien sind Ratgeber-Artikel mit Praxistipps für ein glücklicheres Leben ein Dauerbrenner. Oft stellen die Beiträge ein paar allseits bekannte Empfehlungen aus der Glücksforschung zusammen, ohne allerdings explizit die Studien bzw. Quellen zu nennen: Im Hier und Jetzt leben, sich über kleine Dinge freuen und bei kleinen Missgeschicken gelassen bleiben, lachen, Sport treiben und gut schlafen, Freunde haben und für andere da sein, sich mit anderen freuen können und öfter mal den Fernseher aus lassen – das sind die „Zehn Anzeichen für ein glückliches Leben“ des gleichnamigen Artikels in der Frankfurter Rundschau. 

Weiß man eigentlich alles schon, spannender sind da schon die Erkenntnisse von Glücksforscherin Maike van den Boom, die die glücklichsten Menschen der Erde in 13 Ländern besucht und befragt hat. Im Radiosender Deutschlandfunk Kultur erzählt sie von ihren Reisen, bei denen sie „einfach auf die Menschen zugegangen“ ist und „ganz direkt“ gefragt hat: „Was macht dich glücklich, was ist das Wichtigste für dich?“ 

Da ist der arme Papiersammler in Bogotá, der in einem Nobelviertel „den miesesten Job eigentlich hat“ und doch „so beseelt“ war „von dem was er tat“ und strahlt. Ihn treibt an, wenn er etwas Sinnvolles beitragen kann, „dass die Leute nicht so viel wegschmeißen“ und dass der Wertstoff recycelt wird. Glück sei „immer mit der Sinnfrage verbunden“. Und van den Boom ist „überzeugt: Der Sinn des Lebens ist das Gespräch. Damit eng verbunden sind viele Glücksmacher (...): Gemeinschaft, Konsens, Mitmenschlichkeit“. Vertrauen „aber auch Selbstverantwortung“ seien ebenfalls wichtige Glücksfaktoren. (ebd.)

Glaube und Spiritualität helfen in Krisen 

Auch das ist eine Erkenntnis, die Maike van den Boom bei ihren Reisen gewonnen hat: Wer sich in einem höheren Zusammenhang aufgehoben fühlt, „kann das Leben (...) entspannter angehen“. Diese Beobachtung spiegelt sich auch in Martin Seligmans PERMA-Modell wider: In dem Akronym PERMA steht das „M“ für Meaning. Darunter verstand der Pionier der positiven Psychologie das „Gehören zu und/oder Dienen einer Sache, die größer ist als wir“ (engl.: „belonging and/or serving something greater than ourselves“), erläutert die Website positivepsychology.com.

Weiterführende Hinweise

Anlässlich des Weltglückstags im Corona-Jahr 2021 hat die Redaktion der Website BR Wissen ein buntes Dossier zum Thema Glücksforschung zusammengestellt. Hier findet sich übrigens auch das Fontane-Zitat am Ende des obigen Beitrags.

Gute Impulse für Glücks-Interessierte gibt der „Glückstifter-Blog“ des Soziologen Dominik Dallwitz-Wegner, der sich auch für Glück als Schulfach einsetzt.

Ein Besuch der Website lehrergesundheit.eu der Lüneburger Leuphana Universität lohnt sich unbedingt. Zum Beispiel, wenn Sie z. B. ein Blended Training besuchen möchten.

Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist auch eine aktuelle Studie zur Fragestellung „Welche Eigenschaften haben glückliche Lehrkräfte?“ Der „Glückstifter-Blog“ von Dominik Dallwitz-Wegner berichtet über die Untersuchung im Rahmen der Dissertation von Kathi V. Thönes von der Universität Osnabrück, die demnächst erscheint: „Ältere und religiöse deutsche LuL sind glücklicher (höherer positiver Affekt, geringerer negativer Affekt)“. Selbstwirksamkeit und Erfolgserleben fördern ebenfalls das subjektive Wohlbefinden (=SWB), wohingegen Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit „eher Risikofaktoren für das SWB“ zu sein scheinen.  

Glück üben mit positiven Interventionen

In Analogie zu Paul Watzlawicks eingangs erwähnter Publikation „Anleitung zum Unglücklich-Sein“ hier noch eine „Anleitung zum Glücklich-Sein“: Es ist die Dissertation der Diplom-Psychologin Daniela Blickhan, in der sie sich mit der „Wirkung von Ausbildungen in Angewandter Positiver Psychologie auf Wohlbefinden und Flourishing [Anm.: Aufblühen] der Teilnehmenden“ befasst.

Besonders spannend für alle, die ihr Glücks-Erleben durch Übungen stärken möchten, ist ihre „Übersicht über Wirksamkeitsstudien Positiv Psychologischer Interventionen“ ab S. 61 der Dissertation. Hier finden Sie konkrete Anregungen für Übungen und Praktiken (Positive Interventionen) kurz beschrieben und sehen auch gleich, welche davon bei Evaluationen starke und nachhaltige Effekte hatten. 
Die Übungen selbst sind handlungsorientiert, oft einfach und schnell zu bewerkstelligen: Da schreiben die Teilnehmenden „einer Person einen Dankesbrief und überbringen ihn persönlich“ („Dankbarkeitsbesuch“), oder sie „setzen eine Woche lang jeden Tag eine anderer ihrer Top-Stärken auf neue Weise ein“ („Signaturstärken erkennen“) oder schreiben über ihre Stärken und reflektieren täglich über den Text („Me at my Best“) (ebd., S. 62). 

Eine schöne Übung für Menschen, die viel sitzen, ist auch der sogenannte „Pleasure Walk“. Dabei machen die Teilnehmenden täglich einen 20-minütigen Spaziergang und versuchen, möglichst viele positive Dinge bewusst wahrzunehmen. 

Selbstfürsorge und die kleinen Dinge schätzen

Oft sind es die kleinen Pausen, die uns im Schulalltag – zu Hause oder im Klassenzimmer – wieder Kraft und Energie geben. Grundschullehrerin und Coachin Martina Schmidt ist Expertin dafür und gibt in ihrem Podcast „Die kleine Pause“ Praxistipps für Lehrkräfte, um gesund und ausgeglichen durch den Schultag zu kommen. Bei ihren Coachings trainiert sie mit den Teilnehmenden oft zunächst, „körperliche Bedürfnisse wieder bewusst wahrzunehmen“, erzählt sie im Interview mit dem Deutschen Schulportal. „Essen, Trinken, Toilettengang, Bewegung“ – das alles werde im stressigen Unterrichtsgeschehen oft unterdrückt.

Zudem rät sie dazu, in den Alltag „kleine Selbstfürsorge-Rituale zu integrieren“: Beim Händewaschen hat sie sich etwa angewöhnt, „vor dem Spiegel die Schultern zu bewegen und ganz bewusst lange auszuatmen.“ Diese kleinen Übungen können bewirken, dass wir aus unserem Autopiloten-Modus ausbrechen und damit unserem Hamsterrad für kurze Zeit entkommen.
Und wenn uns wieder einmal „der Blues“ einholt – wegen Corona-Einschränkungen oder anderer schwieriger Lebenssituationen – dann hilft es vielleicht auch einfach, sich klar zu machen, wie wenig wir doch im Grunde wirklich brauchen: „Gott, was ist Glück?“, fragt zum Beispiel Theodor Fontane, „Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen, das ist schon viel.“ 
 

Martina Niekrawietz


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