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Nichtraucherschutz

Dampfen statt rauchen — E-Zigaretten an der Schule erlaubt?

Dass auf und vor dem Schulgelände nicht geraucht werden darf, ist seit Jahren eine feststehende Regelung. Wie aber verhält es sich mit den sogenannten E-Zigaretten? Hier ist die Rechtslage unklar und wird auch unterschiedlich ausgelegt.

Nichtraucherschutz: Dampfen statt rauchen — E-Zigaretten an der Schule erlaubt? Auch die mit sogenannten Liquids gefüllten E-Zigaretten schaden der Gesundheit © JPS - Fotolia.com

Inzwischen ist es knapp ein Jahr her, dass der Lehrer Christoph Wilmering auf E-Zigaretten umgestiegen ist. Er ist begeistert: „Kurzatmigkeit und morgendliche Hustenanfälle sind kein Thema mehr, meine Kleidung riecht nicht mehr nach kaltem Zigarettenrauch und ich spare eine Menge Geld.“ Der Konsum von E-Zigaretten, das sogenannte „Dampfen“ ist etwas völlig anderes als Rauchen und bleibt deswegen vom Nichtraucherschutz unberührt. So sehen es zumindest viele Befürworter der elektronischen Tabak-Alternative. Verwaltungsgerichte vertreten kontroverse Auffassungen, derzeit ist die Rechtslage unklar.

Um E-Zigaretten ist in den letzten Jahren eine regelrechte Szene entstanden. Viele Nutzer sind im Internet organisiert wie Angehörige einer Subkultur. In Foren diskutieren sie über die verschiedenen Aspekte des rauchfreien Rauchens. Da in E-Zigaretten nichts brennt oder schwelt, sondern eine Flüssigkeit vernebelt wird, bezeichnen sich ihre Konsumenten als „Dampfer“. Die Mittel, die „gedampft“ werden heißen „Liquids“.

Hochwertige E-Zigaretten erinnern eher an edle Schreibgeräte als an schnöde Glimmstengel. Die Message ist klar: Rauchen und Dampfen — so dass Selbstverständnis der E-Zigaretten-Fans — ist etwas völlig Unterschiedliches. Dabei können die Dampfer einige interessante Argumente geltend machen. Obwohl noch keine Langzeiterfahrungen mit E-Zigaretten vorliegen, wird allgemein davon ausgegangen, dass sie weit weniger schädlich für die Lunge sind, als konventioneller Tabakqualm.

Gesundheitlich keinesfalls unproblematisch

Zudem fällt der sogenannte Nebenstromrauch, der Rauch, der bei einer Zigarette entsteht, wenn nicht an ihr gezogen wird, weg. Der exhalierte Dampf bleibt nicht im Raum stehen wie verbrannter Tabak, Anwesende werden kaum belästigt. Auch andere Ärgernisse wie Asche, Brandlöcher und Zigarettenkippen fehlen.

Links zum Thema:

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hält nicht viel davon, E-Zigaretten an Schulen zuzulassen. Hier ist nachzulesen, warum.

Wer den Zigaretten, ganz gleich ob elektrisch oder nicht, abschwören will, findet auf rauchfrei-info.de, einer Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, hilfreiche Informationen.

Viele E-Zigaretten-Nutzer tauschen sich im Internet mit Gleichgesinnten aus. Zu den mitgliedsstärksten Communities zählt das e-rauchen-forum.

Nichtsdestotrotz wäre es ein Trugschluss anzunehmen, dass Dampfen nicht gesundheitsschädlich sei. Es gibt zwar nikotinfreie Liquids, die meisten enthalten jedoch welches. Und das verursacht die bekannten Spätschäden, ganz gleich, ob es durch E-Zigarette oder Glimmstengel aufgenommen wird. Zudem ist über die Toxizität der Liquids und mögliche Langzeitfolgen ihres Konsums einfach zu wenig bekannt, als dass Entwarnung gegeben werden könnte — und das betrifft in besonderem Maße natürlich auch Heranwachsende.

E-Zigaretten und die zugehörigen Liquids gelten — ebenso wie Tabakprodukte — als Genussmittel und dürfen nicht von Minderjährigen konsumiert werden. Ob sie allerdings auch unters Nichtraucherschutzgesetz fallen, ist derzeit noch unklar.

Unklare Rechtslage bei E-Zigaretten

So ist beispielsweise in Bayern und Niedersachsen das Dampfen in Gaststätten erlaubt. In Nordrhein-Westfalen gab im Februar das Verwaltungsgericht Köln einem Gastwirt Recht, der seinen Kunden den Konsum elektrischer Zigaretten in seinem Restaurant erlauben wollte (Aktenzeichen: 7 K 4612/13). Die Richter folgten seiner Auffassung, dass das Dampfen nicht dem per Gesetz verbotenen Rauchen entspreche. Sie monierten allerdings, dass eine genaue Regelung fehlte. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft Gesetzesänderungen vorgenommen werden.

Anders in Hessen: Einem in Marburg unterrichtenden Lehrer war von seinem Schulleiter untersagt worden, seine E-Zigarette zu nutzen. Der Pädagoge klagte dagegen — und verlor. Das Gericht ging davon aus, dass das Rauchverbot an Schulen die Schüler nicht bloß vor dem gefährlichen Passivrauchen schützen soll. Indem man auf dem gesamten Schulgrundstück, auch im Außenbereich, das Rauchen nicht erlaubt, werde deutlich, dass Schüler „… durch das schulische Vorbild nicht in die Versuchung geführt werden [sollten], etwas nachzuahmen, das nach der Bewertung fachkundiger Stellen … ein gesundheitliches Gefährdungspotential aufweise“, so die Urteilsbegründung.

Wer das Hausrecht hat, kann Dampfen verbieten

In Bayern fordert die SPD ein Verbot von E-Zigaretten auf Schulhöfen. Zumindest nach Ansicht der Sozialdemokraten sind diese offenbar nicht durchs Nichtraucherschutzgesetz untersagt. Insgesamt besteht jedoch eine weitgehende Unklarheit. Anfragen bei Personalräten und Gewerkschaften führten zu keinem Ergebnis. Lisa Thurn von der E-Zigaretten-Handlung Dreams of Steam sagt: „Grundsätzlich ist das Dampfen überall dort erlaubt, wo es nicht verboten ist. Man sollte sich jedoch mit seinen Kollegen absprechen, ehe man sie mit seiner E-Zigarette möglicherweise irritiert. Auch der Vorgesetzte, in Ihrem Fall der Schuldirektor, sollte einverstanden sein.“ Dasselbe gilt fürs Dampfen in Gaststätten und anderen öffentlich zugänglichen Gebäuden: „Die Entscheidung, ob gedampft werden darf oder nicht, liegt bei demjenigen, der das Hausrecht hat. Im Zweifel sollte er zunächst gefragt werden.“ Dass die Antwort nicht immer im Sinne des Fragenden ausfällt, liegt auf der Hand, ist jedoch, solange keine Rechtssicherheit besteht, die einzige Möglichkeit, Konflikte zu vermeiden.

Stefan Hirsch

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