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Erziehung

Elternzeit: Das müssen Sie beachten

Kinderzimmer einrichten, Namen finden, Vorbereitungskurs besuchen – schon vor der Geburt gibt es genug zu erledigen. Doch auch wenn Vieles spannender ist, als sich rechtzeitig über die gesetzlichen Grundlagen von Elternzeit und Elterngeld zu informieren: Es lohnt sich! Denn sonst drohen Enttäuschungen.

Erziehung: Elternzeit: Das müssen Sie beachten Beide Elternteile können sich bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes freistellen lassen © iStockphoto.com/bowdenimages

Verärgert knüllt Marianne Kampmann die Antwort auf ihren Elternzeitantrag zusammen. Eigentlich wollte sie, dass ihre Freistellung von der Arbeit zwei Wochen vor Beginn der Sommerferien endet – doch ihr Dienstherr lehnt das ab. Stattdessen soll die Realschullehrerin aus Passau erst nach den Ferien wieder anfangen zu arbeiten, also zwei Monate später als vorgesehen. Dadurch ist sie finanziell im Nachteil: Wäre Marianne Kampmanns Antrag so bewilligt worden, wie sie es sich vorgestellt hat, hätte sie in den acht Wochen ihr reguläres Gehalt bekommen. So bleibt ihr nur das Elterngeld – 65 Prozent ihres Nettoeinkommens. Marianne Kampmanns Dienstherr begründet seine Entscheidung mit §13 der „Verordnung über den Urlaub der bayerischen Beamten und Richter“. Hier heißt es, dass Schulferien bei Beginn und Ende der Elternzeit nicht ausgespart werden dürfen – mindestens sechs Wochen vor Ferienbeginn muss die Elternzeit demnach vorbei sein. Andere Bundesländer verfahren genauso.


Antrag muss rechtzeitig gestellt werden

Insgesamt können sich beide Elternteile bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Ist der Dienstherr einverstanden, können sie bis zu zwölf Monate der Elternzeit zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes nehmen. Mira Futász vom Verband Bildung und Erziehung nennt drei Punkte, die speziell Lehrer beim Thema Elternzeit beachten sollten:

Links zum Thema:

Mit seinem Familienwegweiser hält das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zahlreiche Infos zu Elternzeit und Elterngeld bereit.

Viele Online-Elterngeldrechner sind mit Vorsicht zu genießen – der des Familienministeriums hingegen liefert zuverlässige Zahlen.

Die Gesetze zu Elterngeld und Elternzeit stehen auf der Homepage des Justizministeriums.

Einen umfangreichen Frage-Antwort-Katalog hat die Arbeitnehmerkammer Bremen zusammengestellt.


1. Für Lehrerinnen und Lehrer gilt der gleiche Rechtsanspruch wie für andere Berufsgruppen.
2. Für das Antragstellen beim Arbeitgeber ist die personalführende Dienststelle verantwortlich. Je nach Bundesland kann das variieren.
3. Es empfiehlt sich, so früh wie möglich die Schulleitung in Kenntnis zu setzen.

Der Gesetzgeber verlangt, dass mindestens sieben Wochen vor dem gewünschten Elternzeitbeginn ein Antrag gestellt wird, doch um reibungslose Abläufe zu garantieren, sollte man hierbei keine Zeit verlieren.

Personalräte helfen beim Wiedereintritt in den Beruf

Wer bis zu zwölf Monate zu Hause bleibt, kommt automatisch wieder an seine alte Schule zurück. Danach kann es passieren, dass einem eine andere Stelle in Wohnortnähe zugewiesen wird. Wer davon abweichende Wünsche hat und zum Beispiel beim Wiedereintritt in den Beruf zugleich versetzt werden möchte, sollte sich an den zuständigen Personalrat wenden.
Als Einkommensersatz kann während der Zeit, in der nicht gearbeitet wird, für bis zu 14 Monate Elterngeld bezogen werden. Je nachdem, wie viel jemand verdient, beträgt es mindestens 65 Prozent vom Nettogehalt, höchstens jedoch 1800 Euro.
Mitunter gibt es hier lange Gesichter: So wird die Werbungskostenpauschale in Höhe von 920 Euro pro Jahr abgezogen, auch Weihnachtsgeld und andere Sonderzahlungen werden nicht berücksichtigt. Viele bekommen gut 100 Euro weniger als gedacht.

Steuerklassenwechsel kann Schwierigkeiten bereiten

Da das Nettoeinkommen Berechnungsgrundlage für das Elterngeld ist, kann es sich für Ehepaare lohnen, vor dem Antrag die Steuerklassen zu tauschen. Einige Behörden weigern sich, einen derartigen Wechsel anzuerkennen, doch die Gerichte sehen das anders – Klagen haben Aussicht auf Erfolg. So hielten die Sozialgerichte Augsburg (Az. S 10 EG 15/08) und Dortmund (Az. S 11 EG 8/07 und S 11 EG 40/07) einen Tausch der Steuerklassen für zulässig. Die Elterngeldstellen lehnen es allerdings ab, diese Urteile für die Allgemeinheit anzuwenden.

Stefan Hirsch


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