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Aerosole und Luftfilter

Alles über Luftfilter: Die wichtigsten Facts für Lehrkräfte

Es wurden Gelder für Luftfilteranlagen freigegeben. Doch wie ist der Stand der Dinge und gibt es eine budget-schonende Alternative zur Anschaffung mobiler Luftfilter? Die folgenden Informationen liefern Ihnen einen schnellen Überblick. 

Aerosole und Luftfilter: Alles über Luftfilter: Die wichtigsten Facts für Lehrkräfte Mit Luftfltern Schüler/-innen vor Infektionen schützen © Alexander Limbach - stock.adobe.com

Mit 200 Millionen Euro fördert die Bundesregierung die Anschaffung mobiler Luftfilter, „um den Präsenzbetrieb in Schulen und Kitas möglichst sicherzustellen“, meldete die Bundesregierung am 14.07.2021 auf ihrer Website. Mit Blick auf den Beginn des Schuljahres 2021/2022 kommt das erst im Juli beschlossene Bundesprogramm „viel zu spät“, kritisiert Heinz-Peter Meidinger: „Ich fürchte, dass im Herbst die Mehrzahl der Schulen nicht in den Genuss von Raumluftfilteranlagen kommen wird“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands am 02.08.2021 im Morgenmagazin. Zum einen sind die Gelder nur für Kitas und Schulen für Kinder unter 12 Jahren bestimmt. Zum anderen werden sich wahrscheinlich „die Lieferzeiten verzögern (...) wenn dann sehr spät plötzlich alle bestellen“, befürchtet Heinz-Peter Meidinger.

Doch wie ist der Stand der Dinge in puncto Förderung von Filteranlagen auf Länderebene? Gibt es eine budget-schonende Alternative zur Anschaffung mobiler Luftfilter? Und welche Voraussetzungen sollte die (technische) Hygieneausstattung im Klassenraum erfüllen, um die Lernenden optimal zu schützen? Mit den Links und Informationen im folgenden Beitrag verschaffen Sie sich den schnellen Überblick.

Ausstattung mit Luftfiltern – ein heterogenes Bild

Mit den oben genannten 200 Millionen Euro fördert der Bund mit einem „Förderanteil (...) bis zu 50 Prozent“ die Anschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte in den Ländern, so heißt es auf der Website der Bundesregierung. Die Länder ihrerseits sorgen für die Beantragung der Mittel und die Umsetzung in Schulen. Anders ausgedrückt: Auch die Länder müssen für die Luftfilter Geld in die Hand nehmen, und zwar in Höhe von mindestens 50 Prozent der Kosten für die Maßnahmen. Doch in den einzelnen Ländern gibt es bei der Entscheidung für Luftfilter offenbar „große Unterschiede“, wie Annette Kuhn im Beitrag „Lüften oder Luftreiniger?“ auf der Website „Das Deutsche Schulportal“ anmerkt. „Manche Bundesländer setzen stark auf mobile Luftfilter oder fest installierte Luftreinigungsanlagen, andere wollen vor allem beim Lüften bleiben und nur wenig in Luftfilteranlagen für Klassenräume investieren“, resümiert Frau Kuhn (ebd.) und berichtet über den aktuellen Stand der Dinge (Stand 27.07.21) in zehn Ländern sowie Berlin, Bremen und Hamburg. Und während beispielsweise Baden-Württemberg bereits im Juli mit einem „Förderprogramm von 60 Millionen Euro“ zielgerichtet für mobile Lüftungsanlagen in den Klassen 1 bis 6 „vorgelegt“ hat, wird in Rheinland-Pfalz ein breites Spektrum von Maßnahmen gefördert: neben mobilen Luftreinigungsgeräten auch „der Umbau von Fenstern, die Anschaffung von CO²-Messgeräten“ sowie „der Einbau von ventilatorgestützten Zu- und Abluftsystemen“. 
Gibt es eine kostengünstigere Alternative zu Luftfiltern?

Annette Kuhn bringt in ihrem Artikel (Link s. o.) auch kurz die wichtigsten Erkenntnisse zu verschiedenen technischen Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz auf den Punkt. Besonders interessant ist das sicherlich für Schulen mit begrenztem Budget oder auch für weiterführende Schulen, die bisher (Stand August 2021) nicht von den Förderprogrammen profitieren. Für sie sind vermutlich mobile Luftreiniger mit Filtern der Klassen H12 oder H14 für 3000 bis 4000 Euro zu kostspielig.
So hat etwa das Max-Planck-Insititut für Chemie in Mainz ein Belüftungssystem (MPIC) entwickelt, „das mit etwa 1000 Euro pro Stück deutlich günstiger ist als Luftreinigungsanlagen“ (ebd.) Das Lüften des Klassenraums wird dabei mit einem Ventilator unterstützt: Durch ein gekipptes Fenster strömt (Frischluft (...) bodennah“ herein, während „die warme Atemluft der Schülerinnen und Schüler (...) nach oben abgesaugt und durch einen Abluftventilator (...) an einem weiteren Fenster (...) nach draußen befördert“ wird (ebd.).

Die Materialien dafür gebe es „im Fachhandel und im Internet“, und die Installationen könnten „beispielsweise Hausmeister, Lüftungs- und Haustechniker, Messebaufirmen und andere Dienstleister“ durchführen. Details zu diesem Konzept finden Sie hier auf der Website.

Optimal: Luftreinigung mit Schutzwänden ergänzen

Eine gute Luftfilteranlage allein schützt die Schülerinnen und Schüler zwar von einer indirekten Ansteckung durch Aerosole, berücksichtigt aber nicht „die direkte Infektionsgefahr, indem man sich über kurze Distanz anhustet oder miteinander spricht“, erläutert Christian Kähler von der Bundeswehruniversität Neubiberg in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Gegen die direkte Infektionsgefahr schützen Abstand und gut sitzende FFP2- oder gar FFP3-Masken. Doch im Unterrichtsalltag können die erforderlichen Abstände oft nicht eingehalten werden, und auch das durchgehende Tragen von Masken ist nicht möglich, da sie „nicht so gut verträglich“ sind „auf Dauer“, sagt der Professor für Strömungsmechanik und Aerodynamik (ebd.). Prof. Kähler plädiert daher zusätzlich „für transparente Schutzwände mit umlaufender Kante zwischen den Kindern“. Also: nicht einfach nur eine Plexiglasscheibe, sondern ein Konstrukt mit rundum überstehenden Kanten, die verhindern, dass sich Aerosole z. B. beim Singen über die Schutzwand ausbreiten. In diesem Video ab Min. 2:00 erläutert der Experte die Schutzwirkung der umlaufenden Kanten, und er demonstriert das unkomplizierte Aufstellen der Trennwände mit einer einfachen Schraubenzwinge. 

Drei Kriterien für erfolgreiche Luftreinigung mit Filtern

Falls Sie noch Überzeugungsarbeit für die Anschaffung von Luftfilteranlagen leisten müssen: In dem Video erklärt Christian Kähler absolut plausibel, warum das Lüften allein auf keinen Fall genügt, um Ansteckungen zu vermeiden. Nur mit Raumluftreinigern wird unabhängig von Wetter- und Temperaturbedingungen und „unabhängig davon, ob man’s will oder kann“ permanent „für eine niedrige Virenlast im Raum gesorgt“. Seine Empfehlungen:

  • Das Gerät sollte so eingestellt werden, dass der Volumenstrom dem Sechsfachen des Raumvolumens pro Stunde entspricht,
  • in den Geräten sollte ein Filter der Klasse H13 oder H14 verbaut sein und
  • die Raumluftreiniger sollten leise sein, und das ist bei großen Geräten der Fall. 

Große Geräte seien dabei übrigens nicht nur leise, sondern auch von der Qualität her „üblicherweise deutlich besser“, sagt Prof. Kähler, sie „können über Jahre laufen“, außerdem seien Filterwechsel seltener erforderlich. 

Christian Kähler hat sein einfaches Schutzkonzept übrigens in verschiedensten Unterrichtsräumen ausprobiert. Ergebnis: Es funktioniert nicht nur gut „in den üblichen rechteckigen Klassenzimmern“, sondern auch z. B. in einem kleineren Computerraum mit Tischen in U-Form, in der Mensa eines Gymnasiums oder auch in einem „Raum mit spitzer Decke“. Egal ob in den Räumen „Tische und Stühle stehen, transparente Schutzwände installiert sind oder sich Menschen aufhalten.“ Auch im Dauerbetrieb an der Grundschule in Neubiberg hat Prof. Kählers Schutzkonzept seine Wirksamkeit bewiesen. Die gesamte Schule ist mit „hochwertigen Lüftungsfiltern ausgestattet“: In jedem Klassenzimmer, in jedem Speisesaal und in jedem weiteren Aufenthaltsraum stehe eines dieser „sehr, sehr guten, zertifizierten Geräte“, erzählt Schulleiterin Susanne Sieber in einer Gesprächsrunde im DLF-Bildungsmagazin Campus & Karriere. Damit sei die Schule sehr gut durch die dritte Phase der Corona-Krise gekommen, es habe – bis auf zwei positiv getestete „Reiserückkehrer (...) keinen einzigen Corona-Fall“ gegeben. Die Geräte, die sonst auch in Krankenhäusern stehen, würden heute in etwa dreieinhalb Tausend Euro kosten, schätzt Frau Sieben. Doch die Investition lohnt sich aus ihrer Sicht, denn damit sei sie „auf der absolut sicheren Seite.“

Funktionierende Lüftungssysteme! Jetzt!

Aktuelle Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC weisen darauf hin, dass mit der derzeit grassierenden Delta-Variante eine Infektion noch wesentlich schneller erfolgt, denn dieses Virus ist „so ansteckend wie Windpocken“ (vgl. dazu einen Bericht auf der Website aerztebaltt.de). Die Zeit drängt also, und wer weitere Schulschließungen vermeiden möchte, sollte jetzt möglichst schnell ein Schutzkonzept mit Hand und Fuß implementieren.

Martina Niekrawietz


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