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Interdisziplinäre Kooperation

Betreuung bei intensivem Förderbedarf gelingt nur als Team

Schüler mit intensivem Förderbedarf haben meist eine ganze Gruppe verschiedener Betreuer und Bezugspersonen um sich herum. Umso wichtiger ist es, dass diese im Interesse des Schülers interdisziplinär als Team zusammenarbeiten und gemeinsam Ziele und Fördermaßnahmen formulieren und umsetzen.

Interdisziplinäre Kooperation: Betreuung bei intensivem Förderbedarf gelingt nur als Team Lehrer und Betreuer sollten im Interesse der Kinder und Jugendlichen in ständigem Austausch stehen © Kim Schneider - Fotolia.com

Schüler mit intensivem Förderbedarf begegnen im Laufe des Tages sehr vielen Menschen, mit denen sie in unterschiedlichster Beziehung stehen. Dies liegt oftmals an den organisatorischen Notwendigkeiten. Es handelt sich nicht selten um professionsbezogene Begegnung mit jeweils anderen Blickwinkeln und anderer Zielsetzung. Neben den engen Bezugspersonen Mutter, Vater, Oma, Opa und Geschwistern gibt es da beispielsweise noch Lehrer, Pflegekräfte, Fachlehrer, Zivis, Heilpädagogen, Therapeuten, Busfahrer, Rektor, Mitarbeiter der Tagesstätte oder des Internats, Praktikanten, Hausmeister, Sekretärin und viele mehr.

Da die Schwere einer Behinderung in der Regel mehrdimensional ist, ist auch eine Vielzahl an Professionen erforderlich. Natürlich möchten alle diese Personen in einen guten Kontakt mit dem Schüler mit intensivem Förderbedarf treten. Deshalb ist der Blick auf die Beziehungsqualität besonders wichtig, denn trotzdem geschehen die Begegnungen oftmals in einem recht schnellen Wechsel. Das Angewiesensein auf andere Menschen macht Vertrauen und eine persönliche Bindung notwendig. Stabilität und Sicherheit werden vor allem durch Beziehungskonstanz vermittelt. Umso wichtiger erscheint mir der gute pädagogische Bezug und Dialog aller Beteiligten.

In der Zusammenarbeit aller Professionen im multiprofessionellen Team streben wir die optimale Qualität für Unterricht und Förderung an. Dies ist stets mit hohem Personaleinsatz verbunden, der wiederum erhöhte Anforderungen an Austausch, Vernetzung und Koordination stellt. Auf eine kurze Formel gebracht bedeutet dies: Je schwerer der Schüler behindert ist, umso besser muss die gute Vernetzung und der Austausch im Team und mit den Eltern organisiert werden. Abgrenzungsbedürfnisse zwischen den Professionen sollten daher nicht zum Nachteil für den Schüler gereichen. Es geht um eine wertschätzende Zusammenarbeit und sinnvolle Reflexion. Besonders die Zusammenarbeit mit den Eltern braucht den sehr kooperativen Austausch, da sie gegenüber ihrem Kind eine besondere Verantwortung tragen und aufgrund der Nähe meist sehr kompetent sind.

Eine gute Vernetzung im Team als Grundlage

Interdisziplinäres Arbeiten bedeutet, dass man miteinander plant und nebeneinander handelt. Im Team wird professionsübergreifend geplant, danach im jeweiligen (Fach-)Gebiet umgesetzt. Als Leitidee kann man gar die Transdisziplinarität anstreben, d. h. miteinander planen und miteinander handeln.

Die Fachkräfte unterscheiden sich nach ihrem Hintergrund und ihrer fachbezogenen Sprache, ihren Arbeitsweisen und auch Zielsetzungen. Schlimmstenfalls widersprechen sich die Prioritäten zeitweise sogar. Das gemeinsame und spezifische Handeln wird dann besonders notwendig. Unzureichende Abstimmung führt zu Missverständnissen und Störungen, d. h. zu Unmut im Arbeitsumfeld, unter dem der zu betreuende Schüler letztlich leidet.

Bei diesem wiederum führen zu viele Unregelmäßigkeiten im Alltag oftmals zu Verunsicherung und Verhaltensänderungen. Erfolgreiche Teamarbeit bedeutet also, dass alle Beteiligten in ihrer fachlichen Kompetenz gleichberechtigt gehört und anerkannt werden. Die persönlichen Stärken des Einzelnen können genutzt werden. Es gibt einen Willen, voneinander zu lernen.

Gute Kooperation = gute Kommunikation

Gute Kooperation bedeutet immer Kommunikation. Die Herausforderung der Interdisziplinarität besteht in der inhaltlichen Koordination und dem Austausch über die jeweiligen Ziele/Inhalte. Alle Beteiligten brauchen Möglichkeiten und Methoden des Austausches. Dieser muss nicht immer gleich besonders lang dauern, sondern kann auch gut kultivierte Kurzformen beinhalten:

  • Teambesprechungen: in immer unterschiedlichen Konstellationen, z. B. Stufenteam, Gesamtkonferenz, Klassenteam, Fallbesprechungsteam, Kooperationsteam, interdisziplinäres Team
  • Teamtagebücher, Protokolle, andere Formen der Dokumentation
  • Jour fixe/regelmäßiger Info-Austausch
  • regelmäßige Treffen übergreifender Mitarbeiter
  • „Morgenbesprechung“: Tagesplanung
  • „Tür- und Angelgespräch“/informeller Austausch, Telefonate
  • gemeinsamer Förderplan/Trimesterplan/Projektplan
  • Übergabeformular in Dokumentationssystemen

Grundsätze guter Teamarbeit

Zunächst bildet ein funktionierendes Team eine gemeinsame Grundhaltung aus. Über die bekannten Phasen der Teambildung werden Grundlagen geschaffen, um eine passende Teamkultur zu entwickeln. Wichtig werden dann die gemeinsamen Werte und Grundsätze für die Teamarbeit:

  • Wertschätzung: Die Teammitglieder schätzen sich gegenseitig zumindest auf professioneller Ebene. Der Grundsatz „Ich bin o. k. – du bist o. k.“ sollte jederzeit Gültigkeit besitzen, persönliche Animositäten werden nicht ausgelebt, sondern im professionellen Arbeitsbündnis bereinigt. Auch unterschiedliche Wirklichkeiten werden akzeptiert und wertgeschätzt, ein gutes Team zeichnet sich nicht zuletzt durch Unterschiedlichkeit aus.
  • Ich-und-Du-Botschaften: In der Kommunikation wird die Art und Qualität der Beziehung offenbar. Die Beziehung entscheidet über Ausgang der Kommunikation.  Im Konfliktfall hilft klares Kommunizieren von Ich-Botschaften und aktives Zuhören.  Du-Botschaften sollen vermieden werden, da sie Eskalationen schüren.
  • Andere ändern wollen sollte grundsätzlich vermieden werden. Schließlich sind die beteiligten Professionen allesamt erwachsen und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung abgeschlossen. Veränderung braucht zwar Anstoß, funktioniert jedoch immer nur auf freiwilliger Basis des Betroffenen.
  • Powerplay: Auch Machtspiele zur Durchsetzung von Positionen, Zielen oder bestimmtem Verhalten führt in den allermeisten Fällen in eine Sackgasse.
  • Vertrag: Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit und das Erreichen von Zielen bleibt ein „Vertrag“ in jeglicher Form. Zuständigkeiten und Visionen werden damit abgebildet. Der Vertrag enthält Abmachungen und gemeinsame Zielsetzungen im Sinne eines Leitbildes. Zielklarheit ist notwendig und muss zunächst geschaffen werden.

Teamarbeit braucht immer wieder einen gemeinsamen Willen und ein Ringen um die gemeinsame Zielsetzung im Sinne und zum Wohl der anvertrauten Schüler, insbesondere mit einer intensiven Behinderung. Institutionalisierte Formen der Zusammenarbeit unterliegen dabei auch immer den organisatorischen Möglichkeiten der Einrichtung. In besonderer Weise sind es aber immer die Menschen, auf die es dabei ankommt.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Bei Schülern mit intensivem Förderbedarf ist die Kooperation mit den Eltern als besondere Experten für ihr Kind sehr bedeutsam. Der hohe Betreuungsbedarf, aber auch die besondere Verantwortung für das Finden der passenden Förderziele muss von allen Betreuenden zusammen geleistet werden. Ein vertrauter Bezug zu den Eltern kann über unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit gepflegt werden, beispielsweise:

  • Mitteilungsheft mit Bildern, Symbolen, Gebärden, Fotos, Zeichnungen
  • Austausch über elektronische Hilfsmittel: Berichte über Ereignisse werden aufgesprochen und können dann miteinander angehört werden
  • Fotodokumentation besonderer Ereignisse/Album
  • Regelmäßige Gespräche: Sprechstunde, Elternabend, Stammtisch
  • Angebote im Schulleben: Elternfrühstück, thematische Morgenkreise, Schulfeiern
  • Klassen-Hausbesuche: Kennenlernen der häuslichen Umgebung
  • Gemeinsame Ausflüge, Schullandheimbesuch, Eltern als Begleiter
  • Einbinden der Eltern in das Wochenthema (Berufe, Wohnorte- …)
  • Wochenplan-Informationen, Zeugnisbesprechung etc.
  • Zukunftsplanungs-Konferenz, gemeinsame Beratung über die nächsten Schritte bei biografischen Schwellen und Übergängen

Als Lehrkraft steht man bei weitem nicht nur in Kontakt zu seinen Schülern, sondern in besonders intensiver Weise auch zu interdisziplinären Teammitgliedern und den Schülereltern. Professionelle Teamarbeit und Kommunikation werden daher zu einem wichtigen Arbeitsbereich, den es immer wieder lohnt zu reflektieren und auszubauen.

Claudia Omonsky

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