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Erfahrungsbericht

„Corona-Ferien?!“ — Wie können Schüler angemessen lernen?

Harte Zeiten für Lehrer, wenn es darum geht, die Schüler mit geeigneten Unterrichtmaterialien zu versorgen. Denn häufiger scheitert es schon am nötigen Equipment. Ein Erfahrungsbericht, zu welchen Notlösungen Lehrer greifen. 

Erfahrungsbericht: „Corona-Ferien?!“ — Wie können Schüler angemessen lernen? Wenn's per E-Mail und Internet nicht klappt, dann kann man den Schülern nur die Aufgabensammlung mit der Post schicken © auremar - stock.adobe.com

Eigentlich war es abzusehen, dass Schulen, Kindergärten und viele andere öffentliche Einrichtungen geschlossen werden, um das Ausbreiten des Corona-Virus zu verlangsamen bzw. zu verhindern. Viele Schüler freut es, vorzeitig in die Ferien geschickt zu werden, nachdem die verschiedenen Landesregierungen beschlossen haben, die Schulen zu schließen. Andere sind frustriert, weil sie kurz vor den Abschlussprüfungen ihrer jeweiligen Schulart stehen und nun nicht wissen, wie es weitergeht: Werden Prüfungstermine verschoben oder Prüfungsinhalte reduziert, da nun doch einiges an Stoff nicht unterrichtet wurde? Die Lehrer stehen vor der Herausforderung, den „Unterricht“ in irgendeiner Art und Weise fortzusetzen. Die Schüler sollen eigenverantwortlich zu Hause arbeiten. Die Eltern sitzen manchen Kindern „im Nacken“, weil sie selbst ins Homeoffice gehen mussten. In manchen Haushalten ist das eine hochexplosive Situation.

Wunsch und Wirklichkeit

Je nach Schulart, sozialer Situation und technischen Möglichkeiten gestaltet sich das Lernen und Lehren ganz unterschiedlich. Leichter für diejenigen, die über einen gut ausgebauten Internetzugang mit dem dazugehörigen technischen Equipment und geeigneten Programmen verfügen. Die Schüler arbeiten mit einem leistungsfähigen PC oder Laptop mit Headsets, Kameras, Scanner und Drucker. Der Unterricht via Skype oder speziellen Unterrichtsplattformen ist dann eine hilfreiche Alternative, wenn jeder zu Hause bleiben muss. Leider sieht die Realität in Deutschland vielerorts anders aus.

Equipment zu Hause nicht immer vorhanden

Problematisch wird es, wenn die technischen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Was, wenn Schüler zu Hause keinen Drucker haben? Das Ausdrucken verschickter Arbeitsblätter oder bereitgestellter Materialien zum Downloaden fällt dann schon mal flach. Manche Familien haben zwar internetfähige Smartphones, aber keinen Laptop oder PC, obwohl man vermutet, dass dies heutzutage Standard in deutschen Haushalten ist. Schon ist der multimediale Unterricht nicht mehr möglich.

Wir an unserem SBBZ-Lernen (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum) in Baden-Württemberg im Landkreis Freudenstadt mussten eine besondere Situation meistern. Die Landesregierung hatte am Freitag, 13.03.2020 um 14.00 Uhr verkündet, dass die Schulen in Baden-Württemberg ab Dienstag, 17.03.2020 bis zum Ende der Osterferien geschlossen bleiben. Alle Lehrer hatten nun die Möglichkeit, Arbeitsmaterial für drei Wochen zusammenzustellen, um diese dann am Montag (16.03.2020) auszuteilen und mit den Klassen zu besprechen.

Leider wurden wir in unserem Landkreis von den Ereignissen eingeholt. Der Landrat hatte am 14. März aufgrund gestiegener Corona-Infektionen verfügt, dass die Schulen schon am Montag geschlossen werden. Somit blieb den Kolleginnen und Kollegen nichts anderes übrig, als eine „Tour de Ländle“ zu starten und jedem Schüler sein Lernpaket in den Briefkasten zu werfen bzw. bei weit entfernten Wohnorten die Lernpakete per Post zu versenden. In einem persönlichen Brief, wie man mit der Menge an Arbeitsblättern arbeiten soll, hat jeder Lehrer seinen Klassen die Vorgehensweisen erklärt.

Ein bisschen Einsatz von Internet und E-Mail

Internet und E-Mails kommen trotzdem noch zum Einsatz. Manche Lehrer stellen Lösungsblätter als auch neue Arbeitsaufgaben online auf der schuleigenen Homepage zur Verfügung. Die Kontrolle der Arbeitsblätter obliegt nun den Schülern und Eltern. Einige Lehrer lassen sich auch die Aufschriebe zumailen, nachdem die entsprechenden Seiten in den Schulheften oder Arbeitsblätter eingescannt oder abfotografiert wurden. Die Lehrer geben dann per Mail ihre Rückmeldungen und verschicken neue Aufgaben.

Bei Fragen können die Schüler sich per E-Mail oder telefonisch an ihre jeweiligen Lehrer wenden. Und diejenigen, die nicht über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügen, bekommen weiterhin per Post oder durch den zuständigen Lehrer die Arbeitsmaterialien nach Hause geliefert.

Fazit: Die Herausforderungen sowohl für Schüler als auch Lehrer sind in dieser außergewöhnlichen Situation riesig. Was wirklich an Lernstoff „hängenbleibt“ kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen. Wenn es aber „hart auf hart“ kommt, dann kann dieser Zustand noch länger dauern. Sowohl manche Kollegen als auch Eltern werden sich dann Gedanken machen müssen, ob es notwendig wird, sich beispielsweise einen Multifunktionsdrucker (drucken, scannen, faxen) anzuschaffen, um Arbeitsblätter auszudrucken und Lernplattformen als Alternative zum Unterricht nutzen zu können.

Ein Wunsch zum Schluss: Bleiben Sie gesund und viel Erfolg beim „Unterrichten“ auf Distanz.

Jens Eggert

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