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Distanzunterricht

Distanzunterricht an Förderschulen – Mission possible?

Distanzunterricht an Förderschulen ist oftmals in der praktischen Umsetzung fast unmöglich. Doch viele Pädagogen zeigen ein wahnsinniges Engagement und liefern unglaublich tolle Tipps für die Praxis.

Distanzunterricht: Distanzunterricht an Förderschulen – Mission possible? Aufgaben zuhause erledigen - nicht immer möglich © Irina Schmidt - stock.adobe.com

Erprobte Praxistipps für Distanzunterricht mit Förderschüler/-innen

Wie normale Regelschulen sollen auch Förderschulen in fast allen Bundesländern während der Corona-bedingten Schulschließungen im Distanzunterricht sein. Doch Homeschooling sei hier oft „praktisch ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Steffen Uschmann, einer der Sprecher der nordrhein-westfälischen Landeselternschaft der Förderschulen im Interview mit dem Deutschlandfunk (Audiofile). Kinder mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt hätten ja „einen noch wesentlich höheren Förderbedarf (...) als die normalen Regelschüler“. Durch den Ausfall der Unterrichtsstunden werde oft „das Fördern dieser Kinder komplett unterbrochen“. Zudem würde ohne Schule sozialer Kontakt „auf ein Minimum reduziert“, die Kinder seien sozial noch „isolierter“ als ohnehin oft schon im privaten Bereich. Und auch die Eltern seien häufig überfordert. Einerseits müssten sie ihre Kinder in puncto Förderung „auffangen“, andererseits sei „das praktisch ein Ding der Unmöglichkeit“, wenn beide Eltern arbeiten.

Die Schüler/-innen ihrer oft sehr heterogenen Lerngruppen nach Kräften fördern und fordern und mit ihnen und ihren Eltern in Kontakt bleiben: Das ist für Lehrkräfte im Förderbereich eine große Herausforderung. Der folgende Beitrag unterstützt Sie dabei mit besonders gelungenen Ideen und Materialien einiger Förderschulen.

Phase 1: Direkten Kontakt pflegen

Die Sonderpädagog/-innen der Greta-Fischer-Schule in Dachau gingen schon während der Schulschließungen im ersten Lockdown neue Wege. Nach der überraschenden Aussetzung des Präsenzunterrichts gab es „zunächst viele Arbeitsblätter für die Schülerschaft“, schreiben Schulrektorin Viktoria Spitzauer und Martin Walter in ihrem Erfahrungsbericht. Doch schon bald suchten die Lehrkräfte den persönlichen Kontakt zu Kindern und Eltern: Sie schickten die Materialien nicht mehr per Post, sondern trugen sie „mit dem Auto, Fahrrad oder zu Fuß“ aus. Dabei ergaben sich oft schon Gespräche „über das Mülltonnenhäuschen hinweg“, die den Kindern beim Lernen oder auch den Eltern „über so manches Problem“ hinweghalfen. Gerade bei Schüler/-innen mit den Förderschwerpunkten Lernen und sozial-emotionale Entwicklung sei diese Maßnahme „unerlässlich“ für individuelle und differenzierte Förderung, so die Erfahrung der Lehrkräfte. 

Parallel dazu erfuhr die Digitalisierung am Sonderpädagogischen Förderzentrum Dachau „einen großen Schub nach vorne“: Die ersten Videokonferenzen unter Kolleg/-innen starteten, der Austausch von Materialien über eine Lernplattform gelang und auch die Übermittlung von Arbeitsaufträgen für die Schüler/-innen via digitale Medien nahm Fahrt auf.

Phase 2: Schüler/-innen dauerhaft motivieren

Kein Kind sollte „in den Ferienmodus abdriften“, was gar nicht so einfach war. Wie kommt die Schule zu allen, wirklich allen Schüler/-innen? Mit Engagement und viel Kreativität lösten die Lehrer/-innen diese Frage:

  • Eine Lehrkraft fährt mit einem Balkontischchen „durch den Landkreis“ (ebd.), um mit den Kindern „im Grünstreifen vor den Mietshäusern“ zu arbeiten.
  • Man führt das „Bankerl-Lernen“ ein und verabredet sich mit einzelnen Schüler/-innen auf einer nahegelegenen Parkbank, „um das Rechnen und Lesen zu üben“.
  • Bei „Walk- & Talk-Runden“ verabreden sich die Lehrkräfte mit den Größeren zu Spaziergängen im Park.
  • Und in der Nähe des Schulhauses halten Lehrer/-innen Sprechstunde. 

Auch um die Schüler/-innen bei Laune und auch bei der Stange zu halten, ließen sich die Lehrkräfte einiges einfallen. Die Kinder bekamen „Kressesamen mit Anleitung“ für den Anbau oder (im ersten Lockdown) auch Bastelmaterial für den Muttertag, fotografierten die Ergebnisse und gaben sie per Mobiltelefon an die Lehrer/-innen zurück. „Je nach Motivationslage“ rufen die Pädagogen ein Kind auch mehrmals täglich an, um es zur Mitarbeit anzuhalten. 

Der Dachauer Erfahrungsbericht enthält viele weitere gute Anregungen, besonders sei hier noch auf die „wöchentliche Kontaktliste“ im Anhang hingewiesen: Darin werden „Anzahl, Frequenz und Art der Kontakte zu jedem Schüler im Verlauf einer Unterrichtswoche dokumentiert“ (ebd.).

„Persönlich – digital – strukturiert – vertraut“

So übertitelt Christian Kreßierer sein Unterrichtskonzept, das er während der Schulschließungen des ersten Lockdowns entwickelt hat.

„Persönlich“ begrüßte er seine Schüler/-innen mit sozial-emotionalem Förderschwerpunkt jeden Morgen mit einem Video, in dem er auch gleich den täglichen Arbeitsplan vorstellte. Mithilfe von Videokonferenzen hielt er den persönlichen Kontakt zu den Schüler/-innen. Hierbei sei allerdings „nicht an Unterricht und Lernen zu denken :-)“ gewesen. Doch die „Freude der Schüler, sich mal wieder zu sehen, war auf jeden Fall spürbar“ (ebd.). Und weil seine Schüler/-innen Schulhündin Enya vermissten, „gab es regelmäßige Videos und Fotos von ihr“.

 

Kennen Sie schon das Homeschooling-Programm in der ARD-Mediathek? Es bereichert Ihren Unterricht mit vielfältigen digitalen Lernangeboten.

Auch Christian Kreßierer baute sein digitales Repertoire nach und nach aus. Zunächst gingen Arbeitsblätter und Arbeitshefte auf „elektronischem Weg“ an seine Schüler/-innen, „gehostet auf dem OneDrive der Schule“. Die Kids schickten die bearbeiteten Arbeitsblätter „dann wieder als Fotos per Mail (...) zurück“. Zunehmend verlinkte er zudem „Online-Filme (...) mit Arbeitsblättern ergänzt“, bot Hörbeispiele zum Streamen an, erstellte Onlineübungen über LearningApps.org oder nutzte fertige Lernprogramme. 

Besonders der tägliche Arbeitsplan brachte Struktur in den Schultag der Schüler/-innen. Hier haben sie die Unterrichtsthemen der jeweiligen Fächer sowie Arbeitsaufträge und direkt verlinkte Materialien in einem Dokument beisammen. Um den Schüler/-innen möglichst viele vertraute Abläufe zu erhalten, orientierte sich der Sonderpädagoge dabei am „normalen“ Stundenplan, wobei es für den Sonderpädagogen „ein spannender Weg“ war, auch für die kreativen Fächer wie Kunst, Werken und Musik motivierende Arbeitsaufträge zu entwickeln. Und auch die tägliche Meditation am Morgen durfte natürlich nicht fehlen.

Best Practice: ein Konzept zum Distanzunterricht

Mit einfachen Mitteln starten und dann – begleitend zum täglichen Unterricht – den Methoden- und Medienmix schrittweise ausbauen – das ist eine Möglichkeit. Das Förderzentrum Unterhaching mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung hat den Sommer genutzt, um ein umfangreiches Konzept des digitalen Lernens zu entwickeln. Auf der Website „Distanzunterricht in Bayern“ finden Sie die wichtigsten Dokumente dazu: Elternbriefe, Medienkonzept und Konzept zum Distanzunterricht, eine Checkliste mit den technischen Voraussetzungen, Kursanleitungen für MS Teams, eine ausführliche „Handreichung digitaler Workflow“ u. v. a. m. – Sicherlich gute Anregungen und Arbeitshilfen für die Implementation Ihres schuleigenen digitalen Konzepts.

Martina Niekrawietz

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