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Multireligiöser Begegnungsraum

Ein Treffpunkt für alle Religionen an unserer Schule

In einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft sollte genügend Raum für Begegnungen sein, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Ein erster wichtiger Schritt wäre gerade an Schulen ein multireligiöser Begegnungsraum.

Multireligiöser Begegnungsraum: Ein Treffpunkt für alle Religionen an unserer Schule Ein Plakat, das das Miteinander symbolisiert, könnte in dem Begegnungsraum aufgehängt werden © Ruth Hildebrand-Mallitsch

In vielen Städten wird der religiösen Vielfalt in unserer Gesellschaft ein besonderer Raum gegeben, meist sind es aber Räume der Stille, z.B. an Flughäfen, in Kliniken, in Universitäten, am Brandenburger Tor. Aber wären nicht Räume der Begegnung, des Dialoges, des Austausches eine weitere Bereicherung vor allem an unseren Schulen?

So können die Schüler durch Begegnung voneinander lernen: Im Unterricht wird häufig reines Fachwissen über fremde Religionen vermittelt, manchmal sinnvoll unterstützt durch Realmedien, Bild- und Filmmaterial oder auch durch Besuche an außerschulischen Lernorten. Sicher ist es sinnvoll, sich religionskundliches Wissen zu erarbeiten, aber noch wichtiger ist es zu erfahren, wie religiöses Leben im Alltag aussieht. Wenn ich die fünf Säulen des Islam kenne, kann ich Alev besser verstehen, wenn sie während des Ramadans tagsüber nichts isst oder trinkt.

Der eigenen und der fremden Religion Raum geben

Die reale Begegnung aber, wirkliche Verstehensprozesse, Förderung einer Fragehaltung, fruchtbare Dialoge mit Andersgläubigen finden zu wenig statt. Aber nur so wird nachhaltiges Lernen ermöglicht, um das Fremdsein aufzubrechen, Vorurteile abzubauen und Verständnis und Toleranz zu entwickeln.

Wir leben in einer religiös und kulturell pluralen Schulwelt: Christen, Nichtgläubige, Muslime und in geringer Zahl auch Juden, Hindus und Buddhisten lernen unter einem Dach. Schule ist nicht mehr denkbar ohne die tägliche Begegnung mit dem Fremden, was natürlich auch Konfliktpotenzial beinhaltet. Also geben wir den Religionen mehr RAUM. Paul Schwarzenau formuliert das so: Alle Religionen bedürfen einander, nicht nur in ihren Gemeinsamkeiten, sondern gerade auch in ihren Unterschieden, durch die sie einander ergänzen. Wir sollen in der eigenen Religion daheim und in der anderen Gäste sein, Gäste, nicht Fremde.“

Ein Begegnungsraum der Religionen an der Schule

Die Gestaltung eines solchen multireligiösen Begegnungsraumes könnte in einem Projekt durch die Schüler erarbeitet werden. Ziel wäre es, eine Zone, einen Treffpunkt, einen Raum so zu gestalten, dass religiös interessierte Schüler aller Religionen hier ins Gespräch kommen können. Auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Religiosität kann durch die Begegnung mit anders- oder nichtgläubigen Personen angeregt oder intensiviert werden.

„Religionen begegnen sich nicht wie statische Größen, sondern als Sozialformen und Individuen in einer konkreten Geschichte.“ (Ziebertz, HG: Entwurf einer pluralitätsfähigen Religionspädagogik. Gütersloh und Freiburg 2002, Seite 137)

Die Schüler könnten in dieser multireligiösen Zone der Schule:

  • sich informieren über religiöse Phänomene, den Glauben, Rituale ...,
  • Erfahrungen austauschen über religiöses Alltagsleben,
  • Fragen stellen,
  • Themenvorschläge für den Unterricht besprechen,
  • in die Rolle eines religiösen Fremdenführers schlüpfen,
  • Berührungsängste abbauen,
  • Gemeinsamkeiten entdecken,
  • Dialogbereitschaft entwickeln,
  • Konflikte erfassen und zukünftig vermeiden,
  • Ausgrenzungsmechanismen erkennen und abbauen,
  • die Inhalte, die fremd bleiben, einfach respektieren.

Diese Aktivitäten können zum Aufbau von Respekt, Verständnis, Toleranz Wertschätzung und somit zu einem friedlichen Miteinander an der Schule führen. Denn: Wenn Schulleben menschlich sein soll, müssen wir alle miteinander ins Gespräch kommen!

Schüler könnten dann im Rahmen dieses Projektes:

  • einen Fragebogen erstellen für alle Schüler, um die Religionszughörigkeit, das Interesse und die Bereitschaft zur Mitarbeit herauszufinden,
  • Infotafeln zu unterschiedlichen Religionen gestalten,
  • Flyer erarbeiten, die im Raum ausliegen,
  • ein gemeinsames Logo für die Tür entwerfen, einen interreligiösen Kalender erstellen,
  • Symbole der einzelnen Religionen auf Plakate zeichnen, die im Raum aufgehängt werden,
  • Gesprächsecken einrichten, also Möbel bauen oder kostengünstig erwerben,
  • Modelle anfertigen, z. B.  die 5 Säulen des Islam,
  • Fotos von Gotteshäusern machen und sie im Raum aufhängen,
  • eine Fragentafel zusammenstellen, an der alle Fragen auf Karteikarten geschrieben und diese angeheftet werden können,
  • rechtliche Fragen erarbeiten, z. B.: Gibt es eine Befreiung vom Unterricht bei bestimmten religiösen Festen? Oder: Muss auf Schüler während des Ramadans besondere Rücksicht genommen werden?
  • Regeln für die Nutzung des Raumes aufstellen,
  • ein Team zusammenstellen, das die Verantwortung für den Raum übernimmt,
  • mediale Ausstattungsmöglichkeiten erkunden,
  • und alles, was Schüler interessiert.

So könnten Schüler allein schon durch die Lernumgebung in diesem Raum angeregt werden, Neues über die fremde, aber auch die eigene Religion zu erfahren.

Ruth Hildebrand-Mallitsch

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