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Klassenraumgestaltung

Eine gute Lernumgebung fördert Motivation und Leistungsfähigkeit

Ein gut strukturierter Klassenraum fördert das Lernklima und die Sozialkompetenz der Schüler. Sie lernen mit mehr Freude in einer anregenden Lernumgebung, die ihren Bedürfnissen entgegenkommt. Das ist schon mit wenigen Mitteln zu erreichen.

Klassenraumgestaltung: Eine gute Lernumgebung fördert Motivation und Leistungsfähigkeit Gruppentische laden die Schülerinnen und Schüler zum gemeinsamen Arbeiten ein © Christian Schwier - stock.adobe.com

Ein gesundes und angenehmes Lernklima herstellen zu können, das hängt nicht nur von der Förderung zu sozialer und kooperativer Zusammenarbeit einer Lerngruppe ab. Ein Klassenraum, den man gern betritt, weil er eine gute Atmosphäre verströmt, fördert ebenso die Lernmotivation und Stimmung der Schüler und Lehrer. Hier finden Lernen, Lehren und Zusammenleben mehrere Stunden am Tag statt. Das Klassenzimmer ist zugleich ein Lebensraum, in dem Schüler einen großen Teil ihres Tages verbringen.

Ein guter Klassenraum ist ein Raum, der sowohl in sozialer als auch in räumlicher Hinsicht gestaltet ist. Die Krux: Die Raumgestaltung und ihre Wirkung spielen für viele Schulen oftmals keine Rolle. Dabei hat das „Sich-Wohlfühlen“ in einer guten Lernumgebung Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Verhalten. Sind die räumlichen Bedingungen ungünstig, kann das zu Unruhe, Aggressionen und Stressempfinden führen. Ein Klassenzimmer sollte daher nicht nur unter funktionalen Gesichtspunkten eingerichtet werden. Eine Mischung aus Strukturiertheit und Lebendigkeit, Flexibilität und Geborgenheit kann das Lernen positiv beeinflussen.

Ein Raum zum Lernen und Wohlfühlen

Durch eine räumliche Gliederung und die Strukturierung eines Raumes, ist es möglich, dass unterschiedliche Tätigkeiten in einem Raum gleichzeitig stattfinden können. Das fördert im Idealfall ein Klassenklima, in dem es Spaß macht zu lernen. So können Kinder besser an selbständiges Arbeiten herangeführt und die Arbeitsmotivation gesteigert werden.

Wie Sie das erreichen können, sollen die folgenden Anregungen verdeutlichen. Da die Klassen allerdings unterschiedlich groß und mit unterschiedlichen Möbeln bestückt sind, suchen Sie sich die Tipps heraus, die in Ihrer Klasse umsetzbar sind. Ebenso ist natürlich die Kostenfrage nicht unerheblich, die allerdings durch Spenden, ausrangierte Möbel oder Austauschaktionen verringert werden können. Bei der Budget-Verteilung sollte Sie darauf hinweisen, dass eventuell neue Möbel angeschafft werden müssen, will man die Umgestaltungspläne anpacken.

Der erste Schritt zum neuen Wohlfühlklassenraum ist, die Bedürfnisse der Schüler ernst zu nehmen und sie aktiv mit einzubeziehen. Machen Sie mit Ihren Schülern einen gemeinsamen Gestaltungsplan. Dazu legen Sie große Blätter auf dem Fußboden aus, auf denen die Schüler ihre Ideen aus der Oben-Ansicht einzeichnen bzw. — mit ausgeschnittenen Möbelschablonen etc. auslegen. Fragen Sie, wie die Möbel stehen könnten und welche weiteren Ideen Ihre Schüler haben, um ihr Klassenzimmer in einen anregenden Arbeitsraum zu verwandeln. Im Plenum und unter Berücksichtigung des vorgegebenen Etats, besprechen Sie mit ihnen, welche Vorschläge umgesetzt werden könnten.     

Aspekte einer lernförderlichen Klassenraumgestaltung

Die folgenden Tipps zur Um- oder Neugestaltung eines Klassenzimmers können Sie als Anregung für Ihre eigene Klassenraumgestaltung nehmen.

1. Farben laden ein
Streichen Sie die Wand mit Farbspenden von Eltern einmal neu. Kinder und Eltern können am Projekttag zu dem Motto „Lustige und fröhliche Wände“ dabei sein und mithelfen. Helle Farben wie gelb, orange, lindgrün oder beige schaffen eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Wenn Sie bunte Motive aufmalen, sollte nur eine Wand bunt bemalt werden, da es sonst wieder zu unruhig wird.

2. Auch die Nase lernt mit: Gerüche
Gerüche haben Auswirkungen auf das Wohlempfinden und können auch Auslöser von Unruhe und belastenden Erinnerungen sein. Daher sollte der Raum vor jeder Stunde ausreichend gelüftet werden. Zitronenduft fördert die Konzentration und kann zur besseren Leistung führen. Stellen Sie während der Klassenarbeiten Zitronenduft in der Klasse zur Verfügung. Vergewissern Sie sich aber vorher, ob ein Kind allergisch darauf reagieren könnte (Asthma z. B.). Tipp: 2–3 Esslöffel Natron mit ein paar Tropfen natürlichem ätherischem Öl mit Zitronenduft beträufeln und verrühren. In ein Glas oder eine Schüssel geben. Aufgeschnittene frische Zitronen gehen auch.

3. Raumakustik wichtig fürs Lernen
Geräusche können sehr störend sein, wenn die Schüler konzentriert arbeiten wollen. Hier kann eine schalldämmende Einrichtung helfen, was sich aber nicht immer leicht realisieren lässt. Musik kann dagegen eingesetzt werden, um beispielsweise den Tagesablauf zu strukturieren. Das Ende einer Unterrichtsstunde kann als Ritual immer mit derselben Musik eingeleitet werden. Für besonders geräuschempfindliche Schüler (z. B. bei ADHS) sollten Kopfhörer an einem festgelegten Ort im Raum bereitliegen.

Auch die Lautstärke einer Stimme in einem kleinen oder großen Raum hat Auswirkung auf das Zuhören und die Konzentration der Schüler. Variieren Sie deshalb Ihre Tonlage und Lautstärke je nach Anweisung. Mit den Kindern kann man auch eine Draußen- und Drinnen-Stimme üben. Wichtig zu wissen ist: Oftmals haben laute Lehrer auch laute Klassen und leisere Lehrer leisere Klassen. Schon allein deshalb sollte man den Geräuschpegel niedrig halten.

4. Es werde Licht
Gute Lichtverhältnisse sind fürs Lesen und Schreiben unabdingbar. Leider sind Klassenzimmer in der Regel mit Neonleuchten ausgestattet, die nicht immer das optimale Licht bringen. Achten Sie darauf, wie Ihre Schüler auf die Lichtverhältnisse reagieren: Können sie überall gleich gut sehen? Ist es möglich, den Raum bei starkem Lichteinfall abzudunkeln? Benötigt ein Kind in einer Arbeitsecke noch eine andere/weitere Beleuchtung? Besprechen Sie diese Problematik im Lehrerkollegium. Vielleicht lassen sich gemeinsame Lösungen finden.

5. Natur im Klassenzimmer: Pflanzen
Grünpflanzen in einem Klassenraum können das Raum- und Klassenklima positiv beeinflussen. Außerdem lernen die Schülerinnen und Schüler ganz nebenbei, Verantwortung zu übernehmen und zudem viel über den Lebenszyklus von Pflanzen. Und Pflanzen haben keine Ferien, sie müssen auch in den Ferien gepflegt werden. Hier muss geklärt werden, welches Kind eine Pflanze mit nach Hause nimmt. Große Palmen oder ein Ficus Benjamina können auch als Raumteiler genutzt werden. Fragen Sie die Eltern, ob diese für die Klasse eine oder zwei große Pflanzen spenden und diese dann in den Ferien wieder mit nach Hause nehmen können.  Am besten Sie besprechen alles auf einem Elternabend.

6. Auf die Sitzordnung kommt es an
Das Anordnen der Arbeitstische und Stühle ist von der Größe des Raumes abhängig. Dreieckstische eignen sich besonders gut, da man sie immer wieder leicht umstellen kann. Eine Frontalaufstellung hat sich nicht unbedingt bewährt. Es kommt allerdings auf die Zusammensetzung der Lerngruppe an. Wobei diese Anordnung wenig Freiraum bietet, flexibel und kreativ zu unterrichten. Vierertische in der Mitte und Einzeltische am Rand für konzentrierte Einzelarbeit, haben sich als gute, praxistaugliche Struktur bewährt. Die Vierertische können nummeriert oder mit Buschstaben gekennzeichnet werden, was kooperative Gruppenarbeitsphasen erleichtert (z. B. Tisch A hat die Aufgabe …, Tisch B macht Folgendes …).

Um mehr Flexibilität bei den Schülern und stetig neue Lernvoraussetzungen zu schaffen, kann die Sitzordnung jeden Monat neu gestalten werden. Ändern Sie die Situation nachfolgenden Möglichkeiten:

  1. Die Schüler suchen ihre(n) Tischnachbarn selbst aus. Schwächere Schüler benötigen dazu möglicherweise Unterstützung.
  2. Die Schüler ziehen Lose (Namen der Schüler), die dann darüber entscheiden, wo wer sitzt.
  3. Sie verteilen die Kinder nach Ihren Kriterien: Wer wo am besten sitzen sollte.

Die zeitliche Dauer einer Sitzordnung sollte vorher festgelegt sein, damit die Schüler einen festen Turnus haben. Sollte sich eine von den Schülern gewählte Zusammensetzung als sehr ungünstig erweisen, müssen Sie eingreifen und diese ändern.

Mit den Schülern muss besprochen werden, dass es bei der Sitzordnung zu berücksichtigende Besonderheiten gibt: z. B. wenn ein Kind schlecht sieht, schlecht hört oder äußerst unruhig ist. Sitzbälle können übrigens unruhigen Kinder beim Arbeiten helfen.  

Auch Sie können Ihren Standort verändern: Stellen Sie Ihr Pult einmal woanders hin und schauen Sie aus einer anderen Perspektive auf Ihre Klasse. Sie werden Interessantes entdecken.

Einzeltische an der Seitenwänden geben die Möglichkeit zu konzentrierter Einzelarbeit. Die dort stehenden zusätzlichen Stühle könnten aussortiert werden. Die Schüler tragen dann bei Bedarf ihren eigenen Stuhl leise dorthin.

7. Regale zur Aufbewahrung und als Raumteiler
Offene Regale statt großer Schränke schaffen Platz und sind für die Schüler jederzeit gut erreichbar. Hier sollte jeder Schüler sein eigenes markiertes Fach haben, um Arbeitsordner oder Material wie Zeichenblock, Wasserfarben und Stifte unterbringen zu können. Arbeitsmaterialien, Spiele, didaktisches Material kann auch gut in offene Wandregalen eingeräumt werden, die entsprechend beschriftet oder mit Bildern versehen sind. Für die Schüler ist eine übersichtliche Anordnung von Materialien, die sie selbstständig nehmen können, in einem offenen Regal auffordernder, als wenn sie verschlossen in einem Schrank verbogen sind.

Lehrermaterial wie z. B. Arbeitsblätter, Freiarbeitsmaterial, Ordner oder Hefte sind besser in einem geschlossenen bzw. abzuschließenden Schrank untergebracht. Niedrige, offene Regale oder Pflanzen (s. o.) können als Raumteiler aufgestellt werden.

8. Inseln der Ruhe und Konzentration
In manchen Klassenräumen sitzen Schüler so eng beieinander, dass sie sich zwangsläufig stören. Man kann Kinder dazu anleiten, dass alle gleichzeitig und selbständig in kleinen Gruppen lernen. Dazu kann man „Lerninseln“ innerhalb und außerhalb des Klassenraumes, z. B. in einem Fachraum oder auch mal auf dem Schulhof, schaffen.

Mit Regalen abgeschirmte kleine Ecken sind für individuelle oder partnerbezogene Rückzüge gedacht. Auch kann mit ihnen eine kleine Leseecke räumlich abtrennt werden, die womöglich mit Sitzkissen ausleget sind und zum Schmökern einlädt. Ganz praktisch: Die Bücher liegen gleich griffbereit im Regal. Ist das Klassenzimmer groß genug, kann ein kleines Wurf- oder Indianerzelt in eine Ecke gestellt werden, in das sich Kleingruppen zurückziehen oder arbeiten können. Zur Benutzung muss es allerdings klar formulierte Regeln geben.  

Wenn genügend Platz für eine Sitzecke aus Bänken mit Sitzkissen vorhanden ist, dient sie in bestimmten Phasen des Unterrichts (zu Unterrichtsbeginn, als Zwischengespräch oder für ein gemeinsames Ende) dazu, sich dort zusammenzusetzen, um wichtige Dinge zu besprechen.  

9. Visuelle Gestaltung des Raumes
Plakate mit den Regeln der Schule (oder den gerade aktuellen), dem Stunden- oder Dienstplan, sollten gut sichtbar an der Wand angebracht werden. Wenn einige Schüler eine eigene Deeskalationsleiter haben (siehe A. Hentschel: Konflikte lösen im inklusiven Unterricht. Hamburg 2014), muss diese auch gut einsehbar für den betroffenen Schülers angebracht werden. Poster mit aktuellen Lerninhalten zur Visualisierung können ebenfalls an einen geeigneten Ort gehängt werden.  

10. Platz für Schülerarbeiten
In einer Klasse sollte immer Platz für Arbeiten der Schüler sein. An den Fenstern oder an einer Wäscheleine, die quer durch den Raum gezogen wird, können beispielsweise selbst gemalte Bilder der Schüler, kleine Kunstwerke oder Gedichte hängen.

Eine lernanregende Atmosphäre im Klassenzimmer ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kinder sich wohlfühlen, besser sozial und kooperativ miteinander arbeiten und Spaß am Lernen entwickeln.

Angela Hentschel

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