Fach/Thema/Bereich wählen
Zurück in der Schule

Eine Herausforderung für alle: der Schulstart nach Corona

Wenn die Schule wieder beginnt, ist nichts mehr wie vorher. Die Schüler hatten mehr oder weniger Probleme mit dem Homeschooling und der Zeit in der Familie und sie müssen jetzt mit einem ungewohnten Schulalltag zurechtkommen. Keine leichte Situation für alle!

Zurück in der Schule: Eine Herausforderung für alle: der Schulstart nach Corona Ein kleines Projekt für alle Schüle, die in der Schule und die zu Hause: Sonnenblumen pflanzen und beobachten © StockSmartStart/Shutterstock.com

„So, und am übernächsten Montag geht es dann weiter mit der Schule und dein Unterricht fängt um 8 Uhr an. Denk an dein Mathe-Buch. Bis dann, ich freu‘ mich auf dich.“ Und damit endet das Telefonat zwischen der Klassenlehrerin Frau Ludwig und Jan aus der 6b.

Jan freut sich, er wird seine Kumpel wiedersehen. Endlich wieder Fußball auf dem Pausenhof, das letzte Turnier wurde vor den Corona-Ferien ja gar nicht zu Ende gespielt. „Corona-Ferien“, so nennt Jan die Tage, an denen er zu Hause war. „War ja irgendwie ziemlich doof, so langweilig ohne die Freunde. Immer nur drinnen sein, nur Fernsehen und PlayStation. Ist nach Wochen auch öde.“ Langsam schlendert Jan zu seinem Schreibtisch und sucht nach seinem Mathe-Buch. Und irgendwo müssen ja auch die ganzen Arbeitsblätter sein, die er eigentlich machen sollte …

Als Frau Ludwig Sofie aus der gleichen Klasse anruft, ist diese ziemlich erleichtert, dass sie wieder zur Schule gehen darf. Auch sie hat ihre Freundinnen vermisst und freut sich auf den Austausch des neuesten Klatsches und Tratsches und darauf, dass die Akrobatik-AG weitergeht. Aber sie ist auch unsicher, ob sie die ganzen Aufgaben und Arbeitsblätter richtig gemacht hat. Stundenlang hat sie vor Mathe gesessen. Papa konnte sie nicht um Hilfe bitten, der war schon selbst so besorgt, weil er erst in Kurzarbeit war und dann ganz zu Hause. Mit Mama hat er darüber geredet, dass das Geld knapp wird. Aber Mama ist mit ihren Gedanken oft bei Oma, die weit weg allein lebt. Ob Oma das alles zu Hause schafft? Ob sie sich auch nicht ansteckt?

Der neue Schulalltag stellt alle vor Herausforderungen

Der Montag wird kommen, an dem Frau Ludwig ihre Schüler im Raum der 6b wiedersieht. Aber alles wird anders sein. Die Schüler wissen noch nicht, dass sie in Gruppen aufgeteilt wurden. Nach welchen Kriterien die Gruppen eingeteilt werden, muss jede Schule selbst entscheiden. Also wird sich Frau Ludwig immer nur einem Teil der Klasse widmen können. Gemeinsames Lernen als Klassenverband wird es in diesem Schuljahr nicht mehr geben.

Die Hälfte der Tische wurde entfernt, alles auseinandergerückt. Die Schüler sitzen weit auseinander, Partnerarbeit und Gruppenaufträge fallen weg. „Abstand halten“ ist das allgegenwärtige Motto der Zeit. Und die Pausen werden auch nicht mehr so sein, wie Jan es sich vorstellt. Unnötige Begegnungen sollen vermieden werden. Sofies Akrobatik-AG fällt aus. Gemeinsames Mittagessen findet nicht mehr statt, der allseits beliebte Sportunterricht wird vom Stundenplan gestrichen. Ausflüge, Projekttage, Klassenfahrt – nichts mehr davon wird es in diesem Schuljahr geben. Schule wird anders sein.

Ein offenes Ohr für die Sorgen der Schüler haben

Frau Ludwig hat regelmäßig ihre Schüler angerufen und sie weiß sehr wohl, welche Schüler an ihren Arbeitspaketen gearbeitet haben und wer meinte, dass er „Corona-Ferien“ hat. Und nun soll sie weiterunterrichten … Laut Lehrplan? So wie es im Curriculum der Schule steht? Das wird wohl schlecht möglich sein. Neben all‘ den Gedanken, die es um die Lernstände der Schüler gibt, müssen unsere Planungen die Sorgen unserer Schüler einbeziehen.

Schüler wie Sofie – Papas Arbeitsplatz wird vielleicht gestrichen, das Geld wird knapp, die Frage nach Omas Gesundheit – müssen sich mitteilen und Gespräche führen können, die zurzeit zu Hause nicht möglich sind. Haben wir also in erster Linie ein offenes Ohr für unsere Schüler! Nehmen wir uns Zeit für ihre Fragen, Gedanken und Sorgen. Sie haben wochenlang keinen regulären Unterricht gehabt, und trotzdem gibt es Zeit für ein paar Minuten täglich und die Fragen: „Wie geht es dir? Ist alles okay?“ 

Ein Projekt, das die sozialen Beziehungen untereinander stärkt

Dann wird Frau Ludwig mit einem Klassenprojekt beginnen. Etwas, was einzeln durchgeführt, aber irgendwie auch verbindend sein kann. Was Anregungen zum Austausch bietet und die Schüler, deren soziale Beziehung zueinander wochenlang brach lag, einander wieder näherbringt. Sie werden einen gemeinsamen Sonnenblumengarten heranziehen. Jeder bekommt Samen, einen Blumentopf und Erde. Dann schauen die Schüler der 6b den Pflänzchen beim Wachsen zu – und schicken sich Fotos an den Tagen, an denen sie zu Hause bleiben müssen, weil die andere Klassenhälfte Unterricht hat. Man kommt wieder in Kontakt miteinander …

Sachinformationen als Grundlage für Hygieneregeln

Und der Unterricht? Der beginnt mit Informationen über die Notwendigkeit von Hygiene und Informationen zu Ansteckungsgefahren. Die Schüler müssen verstehen, warum sie nicht mehr nebeneinandersitzen dürfen. Je intensiver sie sich mit Sachinformationen auseinandersetzen können, je mehr die Schüler verstehen, desto besser werden sie sich an die neuen Regeln zum Umgang miteinander halten können. Eine Visualisierung an der Pinnwand, ein Steckbrief zum Corona-Virus helfen, alles zu verknüpfen.

Mut zur Lücke

Die Lehrer werden sich darauf verständigen müssen, was für den Rest des Schuljahres das Wichtigste, Vordringlichste und Machbare ist. Teile des Lehrplans werden gestrichen oder auf das nächste Schuljahr verschoben werden müssen. Aus dem „Mut zur Lücke“ muss eine sinnvolle und an der Notwendigkeit orientierte Kurzfassung des Curriculums für den Schuljahresrest erwachsen. Und über all‘ den Gedanken an Lehrpläne, Aufgaben und Arbeitsblätter dürfen wir nicht vergessen: Unsere Schüler sind Kinder, die sich Gedanken machen, die besorgt sind. Seien wir als Lehrer nicht nur Lehrplanorganisatoren und Unterrichtsmanager, seien wir auch Zuhörer und Gesprächspartner in schwierigen Zeiten.

Ulrike Zerbst

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Schulorganisation
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×