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Förderung von Schülern

Für wen, wann, wie und wofür Sie Fördermittel beantragen können

Über Bedürftigkeit spricht niemand gern. Umso wichtiger ist es, dass Sie dieses Thema mit Fingerspitzengefühl behandeln, damit Kinder nicht aus falschem Schamgefühl die Teilnahme an Aktivitäten außerhalb des Unterrichts versagt bleibt. Mit viel Fingerspitzengefühl können Sie Eltern auf verschiedene Fördermöglichkeiten hinweisen, damit ihr Kind nicht “außen vor bleibt”.

Förderung von Schülern: Für wen, wann, wie und wofür Sie Fördermittel beantragen können Viele Fördermöglichkeiten lassen sich formlos und leicht erschließen © Gina Sanders - Fotolia.com

Am Beispiel von Mary wird verdeutlich, wie eine finanzielle Unterstützung unkompliziert möglich wurde:

Mary ist mit ihren Eltern und fünf jüngeren Geschwistern aus einem Krisengebiet geflohen. Sie ist lernbegierig und besucht den Deutsch-Förderkurs freiwillig. Sie weiß, dass sie ohne gute Deutschkenntnisse keine Chance hat, ihr ehrgeiziges Bildungsziel, das Abitur, zu erreichen.

Mary teilt ihrer Lehrerin mit, dass sie die langen Sommerferien fürchtet. Denn dann wird sie nur in ihrer Muttersprache kommunizieren und Vieles von den mühsam erlernten Deutsch-Grundkenntnissen vergessen haben.

Die Lehrerin weiß von einem Sommerkurs an Marys Wohnort und erkundigt sich nach den Gebühren. Marys Familie wird diese nicht bezahlen können. Doch es gibt eine Lösung: Die Anfrage der Lehrerin beim Förderverein der Schule wird positiv beantwortet. Die Lehrerin schreibt einen formlosen Antrag zur Übernahme der Kursgebühren – und Mary ist glücklich!

Doch nicht jede Schule hat einen finanzkräftigen Förderverein. Vor allem für Familien mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus ist guter Rat oft teuer. Zu empfehlen ist in jedem Fall, wegen der Unterstützung ihrer Kinder beim Sozial- oder Jugendamt, dem Jobcenter der Kommune oder des Kreises direkt nachzufragen.

Hierzu benötigen Familien oft die Hilfe von Lehrkräften, z. B. beim Ausfüllen von Formularen oder für telefonische Auskünfte. Darüber hinaus gibt es natürlich viele Familien in prekären finanziellen Verhältnissen. Sie scheuen sich verständlicher Weise, dies kund zu tun.

Förderberechtigte

Immer mehr Familien in prekären Lebenslagen sind auf finanzielle Förderung angewiesen. Darum sollten Lehrkräfte Mütter und Väter beraten, wofür und bei wem sie Gelder beantragen können - nicht nur für eine Klassenfahrt.

Wichtig zu wissen ist, welche Familien förderberechtigt sind. In der Regel sind dies

  • (alleinerziehende) Eltern, die Wohngeld und/oder Kinderzuschläge beziehen
  • ALG –II- Berechtigte Familien (deutscher und ausländischer Herkunft)
  • Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF)

Fingerspitzengefühl und Diskretion gefragt

In allen Fällen sind Fingerspitzengefühl und Diskretion unabdingbar. Wie kann die Lehrkraft herausfinden, für wen eine Unterstützung erforderlich und möglich ist?

Grundsätzlich sollten alle Eltern über Fördermöglichkeiten informiert werden – am besten schriftlich über einen Rundbrief. Er muss enthalten: aktuelle und verlässliche Angaben mit Hinweisen wie Bezeichnung des Amtes, Telefonnummer des zuständigen Sachbearbeiters und korrekte Bezeichnung der zu beantragenden Förderung. Hier kann die Schulleitung unterstützen, indem sie z. B. Sekretariat oder die Sozialpädagogen mit der Recherche beauftragt und ein Musterschreiben entwerfen lässt.

Dieses Papier sollte auf dem ersten Elternabend vorgelegt und besprochen werden. Es empfiehlt sich, zu diesem Tagesordnungspunkt eine kundige Person vom Jugend- oder Sozialamt einzuladen. Die Eltern können mit ihr gemeinsam „üben“, wie ein Antrag auszufüllen ist – unabhängig davon, ob die sie eine Förderung benötigen oder nicht. So könnte der Beschämung und Bloßstellung bedürftiger Eltern und ihrer Kinder vorgebeugt werden.

Abschließend kann eine nichtnamentliche Umfrage helfen, der Lehrkraft zu signalisieren, wer Hilfe benötigt. Dazu können Zettel verteilt werden, auf denen Eltern mit Bedarf z. B. mit ihrem Namen kundtun, dass sie Förderung beantragen möchten. Wiederum alle Eltern werfen vor Ende des Treffens ihren gefalteten Zettel in eine bereitstehende Box am Ausgang. Damit wissen Lehrkraft und Experten, um wen sie sich kümmern sollten.

Mögliche Zuschüsse

Praxis-Tipp:

Kalkulieren Sie bei der Beantragung für Zuschüsse vom Sozialamt für Klassenfahrten das vereinbarte Taschengeld in die Endsumme mit ein, denn das Sozialamt berücksichtigt nur den Betrag, der schwarz auf weiß im Antrag genannt wird.

Die Höhe des jeweiligen Zuschusses hängt von mehreren Faktoren ab:

Klassen- oder Wanderfahrten:
In jedem Bundesland ist eine Obergrenze vorgesehen.
Fragen Sie hierzu am besten eine sachkundige Person im Sozialamt der Kommune oder des Kreises oder informieren Sie sich auf der Homepage des zuständigen Ministeriums im jeweiligen Bundesland nach den aktuellen Obergrenzen

Lernförderung nach SGB II (§ 28, Abs. 5) für Nachhilfe, nach SGB XII für musikalische, sportliche u.a. Aktivitäten:
Sie wird auf Antrag gewährt für Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) aus Familien, die ALG II, Sozial- oder Wohngeld bzw. Kinderzuschlag beziehen.

Förderung für engagierte Jugendliche mit Migrationsgeschichte:
In 14 Bundesländern ist die START-Stiftung tätig: Entspricht die Lebenssituation den Auswahlkriterien, können sich junge Menschen ab 16 Jahren um ein Stipendium bewerben. In Bayern und Baden-Württemberg ist die Bosch-Stiftung zuständig: 

Dorothea Kröll


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